Tagesposting: Die Nöte der Priester

Tagesposting: Die Nöte  der Priester
Die Autorin ist promovierte Ärztin und Direktorin für Kommunikation bei k-tv. Foto: Archiv

Kein Angst – es soll nicht um Missbrauch oder sonstige Verfehlungen gehen, sondern um Sorgen, die der ganz normale Pfarrer in seiner Gemeinde hat: Der eine beklagt eine Kirchgängerquote, die unter 20 Prozent sinkt, der andere freut sich, dass es seine Teilgemeinde in der Großstadt doch noch über zwei Prozent geschafft hat. Dabei steht es leider schlecht um das Wissen derer, die den Weg in die Kirche finden. Beim Gottesdienst einer Frauengemeinschaft, die das „katholisch“ im Namen führt, muss der leidgeprüfte Priester Anweisungen zum Stehen, Sitzen, Knien geben, damit nicht alles durcheinandergeht und die Anführerinnen aus der ersten Bank, die so gar nicht wissen, was sich gehört, nicht alles falsch vormachen. Man sollte eigentlich meinen, dass in einer solchen Vereinigung noch ein Bezug zur Eucharistiefeier vorhanden ist. Weit gefehlt. Da wundert es nicht, dass in Todesanzeigen immer weniger Seelenämter stehen. Oder doch? Einfache Erklärung: Die Priester selbst sind es leid, darauf zu drängen, dass ein verstorbener Katholik ein Seelenamt bekommt, weil im Seelenamt niemand weiß, wie er sich zu benehmen hat. Da schlägt man die Beine übereinander, lümmelt in der Bank herum, da wird Kaugummi gekaut und geredet – kurz: in der Straßenbahn benimmt man sich besser. Aber wenn es zum Empfang der Heiligen Kommunion geht, rennt alles nach vorn und will auch „bedient“ werden. Da muss einem Priester ja das Herz bluten. Und weil es bei Brautmessen genauso zugeht, gilt auch hier mittlerweile: weniger ist mehr – weniger Brautmessen, mit denen die meisten Hochzeitspaare sowieso kaum etwas anfangen können, dafür mehr Frieden im Herzen des Priesters, der seinen Herrn Jesus Christus so wohlbehalten und unbelästigt im Tabernakel behalten kann. Und weil das für unsere Priester eine schreckliche Situation sein muss, auch wissend, dass die Gottesdienstbesucherzahlen und vielleicht auch generell die Anzahl der Gläubigen mangels Neuevangelisierung noch weiter sinken werden, möchte ich das Gebet für die Priester von Kardinal Angelo Comastri verbreiten. Es lag vor Wochen im Petersdom in Rom aus und hat mich sehr berührt: „Herr Jesus Christus, Du hast Petrus und Andreas, Jakobus und Johannes und ein unzähliges Heer von Männern berufen, denen Du das Geschenk Deines Vertrauens gemacht hast, damit sie Dein Werk fortsetzen, um Hoffnung zu säen und um das menschliche Unglück zu heilen. Danke, Herr, für das Geschenk des Priesteramtes! Danke, dass Du Sünder berufen hast, gegen die Sünde der Menschen zu kämpfen. Gib uns, oh Herr, unerschöpfliches Staunen und großen Glauben, um dieses Geschenk anzunehmen, das verborgen ist im Geschenk Deiner Liebe. Danke, Herr, dass Du uns so sehr geliebt hast. Danke für den Priester, der uns getauft hat, für den Priester, der uns die erste Heilige Beichte abgenommen hat, für die Priester, die uns jeden Tag vergeben und uns die Heilige Eucharistie schenken. Danke für den Priester, der uns die letzte Vergebung schenkt am letzten Tag unseres Lebens. Herr, erbarme Dich unser und schicke heute Deiner Kirche Heilige Priester! Amen!“

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Die Autorin ist promovierte Ärztin und Direktorin für Kommunikation bei k-tv. Foto: Archiv