Würzburg

Auf Zerstörung programmiert

Zur Psychologie des Zeitgeistes in der gewandelten westlichen Gesellschaft.

Menschenmassen
Menschenmassen laufen über die Königstraße in Stuttgart. (Symbolfoto) Foto: Jan-Philipp Strobel (dpa)

Eine mächtige Transformation hat in der westlichen Gesellschaft seit 70 Jahren stattgefunden. Auf dem Boden eines vermehrten Wohlstandes unter dem Zustrom an technischen, an naturwissenschaftlichen Erfindungen und einer atheistischen Strömung in der Philosophie sind in den vergangenen 70 Jahren enorme Veränderungen unseres Zeitgeistes und darauf basierend erhebliche Abwandlungen in den Lebensformen in unserer Gesellschaft erfolgt.

Zur Grenzenlosigkeit ausgeweitete Liberalität

Ihr hervorstechendes Merkmal ist eine zur Grenzenlosigkeit ausgeweitete Liberalität. Sie ist aber nicht der Hauptakzent unseres Zeitgeistes heute; sie ist nämlich – seltsam unlogisch – einem merkwürdigen Zwang ausgesetzt: dem Zwang zur Gleichartigkeit, zur Konformität, der im Grunde ihrer Eigenart widerspricht; denn die Liberalität wird dadurch doch wieder einseitig eingegrenzt. Diese seltsam zweideutige Stoßrichtung ist nun aber zu einem verwirrenden Mainstream unseres Zeitgeistes geworden, und zwar mithilfe einer Psychologie der Massen, auf die uns bereits 1924 Gustave Le Bon hingewiesen hat. Doch jetzt ist durch die Technik eine enorme Vervielfältigungsmöglichkeit und damit ein Medienvorrang entstanden.

Diese Gegebenheit soll zunächst einer aufklärenden Analyse unterzogen werden, da sie in großen Teilen bei den einzelnen Menschen unbewusst regiert. Die Psychologie der Massen besteht darin, dass das Bedürfnis nach Einheitlichkeit einem Sicherheitsbedürfnis durch die Gruppe entspringt. Diesem geben wir alle unbewusst nach, selbst wenn wir uns noch so individualistisch gebärden nach dem Motto: Hältst du dich ein bisschen an die Mode, hältst du dich an das, was „in“ ist, an das, was zum Beispiel die anderen auch tragen und was die anderen auch für richtig halten, so fällst du als Einzelner nicht auf und fühlst dich durch die Gruppe eher beschützt. Hier handelt es sich um ein ungeschriebenes Naturgesetz, das aber heute mehr denn je dem Wesen unseres transformierten Zeitgeistes entspricht. Diese Gegebenheit ist bei uns massenhaft wirksam. Christus verglich uns deshalb vielfältig mit Schafen. Blöken wir nicht in der Tat oft unnachdenklich auf dem gleichen Herdenton?

Schwarze Schafe werden ausgegrenzt

Es gehört zum Wesentlichen eines Zeitgeistes, diesem Naturgesetz dadurch zu unterliegen, dass schwarze Schafe grundsätzlich ausgegrenzt werden. Das ist bei Andersdenkenden auch in unserer Gesellschaft üblich geworden – freilich seltener durch handgreifliche Gewalt, sondern eher nach Art des Mobbings durch Diffamierung und Ausgrenzung. Ein nicht konform erscheinender Außenseiter ist deshalb besonders von den Medien rasch auszumachen, und er muss sehen, dass er davonkommt, um nicht der Gruppenhatz anheimzufallen.

Einen ähnlichen Hang zum Gruppenzwang fordert unser Zeitgeist heute vor allen Dingen im Hinblick auf die Gleichberechtigung von allem und jedem. Mit geradezu mimosenhafter Empfindlichkeit wird reagiert, wo sie nicht gewährleistet zu sein scheint, etwa im Hinblick auf Reichtum und andere Unterschiede.

Diese Forderung nach Gleichberechtigung um jeden Preis pflegt eine der gefährlichsten, dynamitgeladensten Eigenschaften von uns Menschen zu wecken, nämlich den Neid; denn Neid macht seit Kains Zeiten aggressiv. Infolgedessen sollte dieser Akzent unserer Moderne keineswegs als harmlos zu vernachlässigen sein. Es muss uns vielmehr deutlich werden, dass diese Stoßrichtung unseres Zeitgeistes nicht einfach einem fortschrittlichen Ruf nach mehr Menschlichkeit entspringt, sondern ein Merkmal des revolutionären Kommunismus und damit der Philosophie des dialektischen Materialismus ist.

Herrschende Einheitsnorm

Diese Einheitsnorm und die Vorstellung, dass sie realisierbar sei, entspricht der ideologischen Vorstellung eines atheistischen Weltbildes, von Lebensformen ohne Gott. Man nimmt an, dass das bisher dominante, „veraltete“ christliche Weltbild durch seine Hierarchien die Unterschiede zwischen den Menschen und damit unsere ungerechte derzeitige kapitalistische Gesellschaft hervorgerufen habe. Infolgedessen bestand der Kern der 68er Revolte in der Tendenz, alles – also die gesamte Gesellschaft – zu verändern. Diese neue Linke setzte sich bis zum Ende des Jahrhunderts – außer durch die Ausbrüche per RAF – eher subversiv, aber seit der SPD-Regierung ab 1998 als Staatsdoktrin durch. Auf diese Weise ist seitdem die merkwürdig vorangetriebene Tendenz entstanden, alle Systeme – den Staat, die Kirche, die Lebensweise – allein von Menschenhand neu zu schaffen. Neu soll nach dem atheistischen Modell die Welt produziert werden, obgleich wir Christen längst doch ahnen könnten, dass es nur Einen gibt, der alles neu machen kann...

Aber das Menschenbild ohne Gott beherrscht heute unseren Zeitgeist. Es besagt: Da der Mensch ein Produkt des Zufalls ist, müssen Strukturen, die Verschiedenheit bewirken, abgeschafft werden. Es handelt sich nach dieser Ideologie also um ein selbst heraufbeschworenes Unglück dadurch, dass sie den Menschen allein zu einem absolut frei schaltenden Akteur erhebt und damit die Möglichkeiten seiner selbstherrlich verabsolutierten Freiheit schrankenlos überdehnt.

Das Zerstörungsprogramm für das europäische Christentum

Im Grunde handelt es sich um Verführung; denn die Einzelheiten dieser Aktionen sitzen einem riesigen, langfristig zu vollziehenden internationalen Plan zu einer vereinheitlichten diktatorischen Weltregierung auf. Vorab aber muss das Christentum und sein individualistisches Weltbild beseitigt werden. Das müssen wir uns dringend bewusst machen!

Folgende Schwerpunkte wurden als Mittel zu diesen Zielen in Aktion gesetzt:

Erstens: die Aufweichung der Familie – diesem bewährten Ort von Geborgenheit und liebevoller Zukunft. Immer mehr Kinder verlieren heute ihr natürliches Nest und werden stattdessen von früh an kollektiviert. Die Zerstörung geschah zunächst durch das Abdriften der Mütter in den Beruf – zusätzlich durch eine grundsätzliche Scheidungserleichterung, die bereits 1975 in einer „großen Strafrechtsreform“ vorangetrieben wurde, indem man die Ehe auf Lebenszeit als überholt herabstufte. Unser Parlament hat auf diesem Boden sogar im vorvorigen Jahr die „Ehe für alle“ mit Mehrheit zu einem Gesetz erhoben!

Zweitens: die Vergötzung der Sexualität durch ihre Befreiung von jeder einschränkenden Moral mit der Devise: Sex von der Wiege bis zur Bahre. Auswüchse dieser Art sind jetzt schon absurde Sumpfblüten geworden. Wenn aber der Naturtrieb Sexualität so entfesselt wird, verschwindet auch die Gegebenheit aus dem Bewusstsein der Menschen, dass das Ziel der Sexualität die Fortpflanzung ist. Wenn also etwa in der Ehe ohne Trauschein jahrzehntelang Fruchtbarkeit verhütet wird, ist das eine extrem unnatürliche Verhaltensweise, die durch die jahrzehntelange Hormonbehandlung der Frau epidemisch nicht selten auch gynäkologische Erkrankungen zur Folge hat.

Der dritte Eckpfeiler dieses Zerstörungsprogramms für das europäische Christentum ist die Auflösung der Autoritäten weltlicher oder kirchlicher Hierarchien – vor allem durch einen Großangriff auf die Pädagogik; denn jeder Lernende bedarf des Experten.

Und letztlich ist unsere missliche gesellschaftliche Lage viertens dadurch entstanden, dass zurzeit mit Verve eine Angleichung aller an alle betrieben wird – neu nun sogar auch mit den Millionen an Zuwanderern. Aber die Gleichheitsideologie entspricht nicht dem Wesen und der Würde des Einzelnen; denn es gibt überhaupt keine gleichen Menschen. Jeder ist laut DNA anders als der andere! Jesus Christus hingegen geht auf jeden Einzelnen ein und lehrt uns das Liebesgebot durch seine Hingabe. Und es hat sich längst erwiesen, dass dieses Segen bringt, während die Ideologie des Neides a la Kain Unglück und Zerstörung bewirkt.

Vor der Gewalt dieser abgrundtiefen Bemächtigungsstrategie stehen wir im westlichen Terrain. Sie geht von Gottlosigkeit und einer Fehlvorstellung über die alleinige Allmacht des Menschen aus. Dieser „Rauch des Satans“ ist nun bereits durch alle Ritzen unserer Gesellschaft eingedrungen, ja auch – sie schwächend – in die bis dahin feststehende katholische Kirche. In den Medien kann deshalb mittlerweile häufig ganz offen gegen sie mit einer betonten Christenfeindlichkeit agiert werden.

Bewusstseinsbildung wider den Vernichtungsstrom

Diesem Vernichtungsstrom können wir ohne Bewusstseinsbildung nicht gewachsen sein; denn zum Beispiel der Zugriff auf die Kinder findet ja sogar auch im Schulunterricht und über neu erstellte Gesetze statt. Wir haben hierzulande schließlich nun einmal eine Schulpflicht und die Lehrpläne sind in verschiedenen Fächern bereits direkt ideologisiert bis in den Genderismus hinein.

Sind diese Gegebenheiten eine gute Möglichkeit zu seelisch gesundem Aufwachsen? Oh, nein, wir sind vielmehr eine kranke Gesellschaft geworden. Unter allen Beeinträchtigungen sind Depressionen in unserer Gesellschaft die häufigsten Erkrankungen, weiß die WHO! Aber das zeigt sich nun nicht etwa erst heute bei den 50-Jährigen, sondern mit Erstsymptomen, zum Beispiel den Essstörungen bei Kleinkindern, der Bewegungsunruhe im Grundschulalter und allgemein in der großen Schwierigkeit von Eltern, mit Wutanfällen, Aufsässigkeiten, Aggressionen ihrer kleinen oder gar mit Selbstmorddrohungen der älteren Kinder fertigzuwerden. Wenn dergleichen erst eingerastet ist, dann ist guter Rat oft wirklich teuer. Kinderpsychotherapie hat Hochkonjunktur! Meine fachlichen Prognosen dieser Art sind als Folge der kollektivistischen Veränderungen in unserer Gesellschaft mittlerweile alle eingetreten! Den Kindern fehlt dann eine wichtige Eigenschaft: die Bindungsfähigkeit. Erste Eindrücke prägen sich – richtige wie falsche – vom Säuglingsalter ab ins Stammhirn ein, weiß die Wissenschaft heute. Doch das Vollziehen der vorgegebenen Grundlinien gehört zum Willen unseres Schöpfers, und zwar im Verbund mit der Natur des Menschen. Es ist also ein Ursündenfall, der sich heute in unserer Gesellschaft vollzieht.