Wenn der Herr die Türen öffnet!

Mein Weg zur Hochschule Heiligenkreuz: Ein kleines Zeugnis des Projektleiters. Von Johannes Auersperg-Trautson
Johannes Auersperg-Trautson.
| „Wäre das nicht etwas für dich?“: Johannes Auersperg-Trautson.

Wie doch die Zeit vergeht! Ich erinnere mich noch als wäre es gestern gewesen, als ich mich im Sommer 2012 zu einem Vorstellungsgespräch nach Heiligenkreuz aufmachte – ohne eigentlich genau zu wissen um was für einen (gnadenreichen) Arbeitsplatz es sich hier tatsächlich handeln würde. Eines war mir aber von Beginn an ganz klar: Der Herr selbst hat mir damals „aus dem Nichts“ eine Türe weit geöffnet und mir unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass ich sehr gut beraten wäre, hier auch durchzugehen!

Lassen Sie mich aber etwas weiter ausholen: Betriebswirtschaftsstudium mit Stationen in München und Barcelona. Eine durchaus aufregende und überaus ereignisreiche (um es nett auszudrücken) Studienzeit, in der ich sehr Vielem „nachgefolgt“ bin, weniger aber dem, dessen Nachfolge sich auch über dieses irdische Leben hinaus wirklich bezahlt machen würde… Nach Studienabschluss in Spanien hat es mich dann schnell wieder in mein geliebtes Wien zurückgezogen. Mein Lebensmotto zum damaligen Zeitpunkt war relativ leicht auf den Punkt gebracht: „mit möglichst geringem Widerstand möglichst gutes Geld verdienen und dabei möglichst kein Fest auslassen“.

Nach einigen anderen Stationen bin ich dann sehr bald auf die vielversprechende Immobilienbranche gestoßen und es ergab sich eine tolle Arbeitsstelle in Kombination mit einem zweijährigen, berufsbegleitenden Studium an der TU in Wien. Die Vorstellung, jetzt nur noch zwei Jahre meine Gehirnzellen zu strapazieren, nebenbei ein bisschen zu arbeiten und dann endlich mit der steilen Karriere in dieser großen Welt der Immobilien(blasen) loszulegen, hatte seine ganz speziellen Reize.

Der liebe Gott, zu dieser Zeit noch immer etwas aus meinem Alltag ausgeklammert, hatte da aber offensichtlich etwas anderes geplant und einen kurzen Moment (geöffneten Herzens) ausgenützt, um mir eine kleine „Dosis Heiligen Geist“ einzugießen. Gerade ausreichend, dass es mich plötzlich überkam und ich mich, wie eben von einer „(Heiligen-)Geisterhand“ geführt, zu einer Pilgerreise ins Heilige Land überreden ließ. Für meine damalige Lebenssituation eine doch eher untypische Entscheidung, die für mich noch kurze Zeit zuvor völlig undenkbar gewesen wäre. Genau diese wunderbare Zeit auf den Spuren Jesu war letztlich aber ausschlaggebend dafür, meine mögliche Zukunft als „Immobilienmagnat“ noch einmal grundlegend zu überdenken und stattdessen dafür zu beten, dass der Herr mir doch bald einen sinnvolleren Platz in dieser Welt (am besten aber natürlich in Wien oder Umgebung) zeigen möge. Idealerweise an einem Ort, wo es sich gut verbinden ließe, sein „täglich Brot“ zu verdienen und zugleich auch etwas für den lieben Gott zu tun.

Auf dem Höhepunkt dieser inneren Sehnsucht nach etwas Sinnerfüllterem angekommen, musste jetzt sehr bald irgendetwas passieren. Noch mehr beten konnte ich nicht (für meine damaligen Begriffe zumindest nicht) und tief in mir spürte ich auch, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis sich diese „Türe“ zeigen und endlich öffnen würde. Kurz bevor dann aber der berühmte „Geduldsfaden“ zu reißen drohte, läutete mein Telefon und wen hatte ich am Apparat? Pater Johannes Paul aus dem Stift Heiligenkreuz! Eine für mich altbekannte Stimme, haben wir doch damals oft gemeinsam in der Pfarre St. Rochus ministriert und vor allem war er seit jeher ein guter Freund meiner beiden älteren Schwestern. Es dauerte nicht lange und schon kam er auf den Punkt: „Lieber Johannes, wir müssen dringend die Hochschule ausbauen und sind auf der Suche nach jemandem, der sich dieses Projekts voll und ganz annehmen könnte. Wäre das nicht etwas für Dich?“ Nach einer kurzen Stille (wahrscheinlich dankte ich da innerlich gleich dem lieben Gott für Seinen letztlich doch so glasklaren Wink) folgte sogleich meine Zusage und keine zwei Wochen später fand ich mich auch schon gemeinsam mit dem Rektor P. Karl und P. Johannes Paul im Gästerefektorium des Stiftes zu einem Vorstellungsgespräch wieder!

Was in den nächsten Jahren folgte ist bekannt. Ich möchte aber dennoch kurz einen kleinen Rückblick darauf werfen und skizzieren, was mit der großen Hilfe des Volkes Gottes in dieser kurzen Zeit alles geschehen ist: Zunächst machten sich Abt Maximilian und P. Karl auf nach Rom, um den Grundstein für den Ausbau der Hochschule von Papst Benedikt XVI. (am letzten Tag seiner Amtszeit!) segnen zu lassen.! Nach einer großen „Grundsteinlegungsfeier“ begannen auch schon die groben Bauarbeiten. Neue Hörsäle, für jedes Institut ein eigener Raum, eine Cafeteria, eine große Bibliothek, ein schöner (grüner) Innenhof und nicht zu vergessen, ein Medienkompetenzzentrum. Letzteres sollte später den Namen „Studio1133“ erhalten und neben diversen Produktionen (wie beispielsweise die wöchentlichen Mess- und Gebetsübertragungen der Hochschulgemeinschaft) dafür Verantwortung tragen, dass die Studenten auch in der Medienarbeit geschult und schließlich zu Priestern für das 21. Jahrhundert ausgebildet werden!

Rückblickend verdanken wir vieles der Gottesmutter

Die Arbeiten schritten zügig voran und immer als die Mittel knapp wurden, schickte der liebe Gott einen weiteren großherzigen Spender, der wieder dafür Sorge trug, dass die Baumaßnahmen fortgesetzt werden konnten. Doch so schön es auch war, die Arbeiten des Ausbaus zu verfolgen und Tag für Tag den Fortschritt zu beobachten, so belastend musste diese Zeit wohl auch für die vielen Studenten und Lehrenden gewesen sein. Von ständigem Baulärm begleitet, mühten sich alle Beteiligten, diese Phase in Demut und mit viel Geduld über sich ergehen zu lassen. Es ist ja wirklich nicht lange her, aber wenn man heute diesen wunderbaren und ruhigen Campus betritt, so kann man sich diese laute (und teils äußerst staubige) Zeit nur mehr schwer vorstellen. Nachdem der Rohbau soweit abgeschlossen war, erreichte uns bald die nächste unglaubliche Nachricht: Die Salesianer Don Boscos in Benediktbeuern wollen uns einen Großteil ihres perfekt gewarteten Bibliotheksbestandes (circa 265 000 Bände theologischer und philosophischer Fachliteratur) schenken. Wieder eine solch unglaubliche Fügung – hatten wir doch plötzlich eine riesengroße Bibliothek, jedoch keineswegs (noch) die vielen Bücher, um diese auch entsprechend füllen zu können…

Rückblickend gab es wirklich einige derartiger „Fügungen“ und auch P. Karl wurde nicht müde, über diese Vielzahl an tatsächlichen Wundern in seinen Vorträgen und Predigten zu berichten. Stets sprach er davon, diese wundersamen Ereignisse wirklich als Auftrag zu betrachten und noch mehr dafür zu tun, diesen gesegneten Studienort für alle Berufungssuchenden, die Ordensleute und nicht zuletzt natürlich auch die vielen Priesteramtskandidaten immer attraktiver zu machen.

Wie ja schon mehrfach berichtet wurde, stieg die Zahl der Studenten in den vergangenen Jahren stetig an. Heute sind es bereits mehr als 300 (!) inskribierte Hörer. Nicht nur die Studentenzahlen sind auf dem Höchststand, auch das überdiözesane Priesterseminar Leopoldinum platzt förmlich aus allen Nähten und erfreut sich über einen nie dagewesenen Zustrom. Gewiss, ein höchst erfreulicher und in dieser Zeit keineswegs selbstverständlicher Umstand, der die Hochschule aber zugleich vor neue und sehr große Herausforderungen stellt. Vor allem auch was die Wohnsituation betrifft. Hier wurde uns schnell bewusst, dass es langfristig nur dann gut funktionieren würde, wenn insgesamt mehr Platz geschaffen würde. Speziell für einen Priesterseminaristen ist es ja essenziell, vor Ort und mit der Gemeinschaft zu leben. Abgesehen davon sollte aufgrund von Platznot natürlich niemand abgewiesen werden. Ganz wie es auch Papst em. Benedikt XVI., bei seinem Besuch in Heiligenkreuz am 9. September 2007 auf den Punkt brachte und sagte, dass „jede Berufung zum Priestertum ein so wertvoller Schatz ist, dass die Verantwortlichen alles tun müssen, um adäquate Wege der Ausbildung zu finden!“.

Die Entscheidung, noch ein zusätzliches „Studentenwohnheim“ zu errichten, ließ zwar nicht lange auf sich warten, jedoch mussten dennoch einige Seminaristen vorübergehend in extra errichteten Wohncontainern untergebracht werden. Ein Umstand, auf den sogar das öffentliche Fernsehen schnell aufmerksam wurde und ausführlich darüber berichtete (auch so kann eben „Medienapostolat“ heute funktionieren...). Das „Haus Pax“, so der Name dieses Studentenwohnheimes, hat sich bisher mehr als bewährt und ist heute bereits wieder bis auf das letzte Zimmer belegt!

Zu guter Letzt dann noch der große Dank an die Gottesmutter Maria: Rückblickend verdanken wir so vieles Ihrer Fürsprache und so konnte (wieder einmal mit Hilfe großherzigster Wohltäter) an einer Felsenwand am Ufer des Sattelbaches eine „Heiligenkreuzer Lourdes-Grotte“ errichtet werden. Ein Platz, der für diese wunderschöne Statue der Unbefleckten Empfängnis nicht geeigneter sein könnte (richtet sie doch von dort aus Ihren Blick direkt auf das Stift, die Hochschule und das Priesterseminar). Und wenn ich heute genau an diesem Ort stehe und Ihrer Blickrichtung folge, so wird mir erst richtig bewusst, wie sehr es sich doch auszahlt, durch diese „Türen“ zu gehen, die der Herr einem immer wieder und so ganz offensichtlich öffnet …

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