Würzburg

"Woher sollen wir wissen, dass das eine Taufe ist?

Muslimische Flüchtlinge, die den christlichen Glauben annehmen, wissen nach einem negativen Asylbescheid oft nicht, wie es weitergeht: Abgelehnte Konvertiten erzählen.
Muslimische Konvertiten zum Christentum
Foto: (469599118) | Symbolbild: Ein muslimischer Konvertit erzählt: "Ich weiß nicht, ob sie mich im Iran umbringen würden, aber mir würde wahrscheinlich eine Gefängnisstrafe drohen."

Armin aus dem Iran,
lebt inzwischen in Deutschland

Ich war im Iran lange praktizierender Muslim. Aber durch einen Missionar, der mir eine Bibel geschenkt hat, bin ich zum christlichen Glauben gekommen. Ich habe angefangen, Hauskirchen zu besuchen, und habe einen Online-Bibelkurs gemacht. Um mich taufen zu lassen, ging ich in die Türkei, kehrte aber in den Iran zurück. Als ich dann einmal nicht zu Hause war, kam die Geheimpolizei in mein Haus und nahm meinen Laptop mit. Darauf befand sich eine Audio-Bibel und der Zugriff auf meinen Telegram-Kanal, auf dem ich Inhalte zum Christentum geteilt hatte. Ich bin sofort in die Türkei geflohen.

Rettung im Christentum gilt als Antwort nicht

In Deutschland habe ich einen Asylantrag gestellt. Bei meiner Anhörung vor dem Bundesamt wurden mir 19 Fragen zum Islam gestellt - einer der Interviewer war Muslim. Als er mich fragte, warum ich Christ geworden sei, antwortete ich, dass ich Rettung im Christentum gefunden habe. Die Antwort ließ er nicht gelten und stellte mir dieselbe Frage noch zweimal. Also sagte ich: "Durch den christlichen Glauben habe ich Frieden gefunden." Im Ablehnungsbescheid steht nun nur diese Aussage von mir. Darunter waren mehrere Koranstellen aufgelistet, die besagen, dass der Islam Frieden schenke. Außerdem fehlten in der Übersetzung wesentliche Aussagen von mir.

Lesen Sie auch:

Als der Dolmetscher meine Worte rückübersetzte und ich sie korrigieren wollte, schrie mich der Befrager an, dass ich meine Aussagen nicht abändern dürfe. Als ich ihnen die christlichen Inhalte auf meinem Handy zeigen wollte, die ich per Telegram verschickt hatte und die jetzt in den Händen der iranischen Geheimpolizei sind, wurde mir gesagt, dass ich in der Anhörung nichts auf dem Handy vorzeigen dürfe. Als ich später Screenshots davon schickte, hieß es: "Woher sollen wir wissen, dass das von dir ist? Diese Bilder könnte jeder gemacht haben." Außerdem habe ich ihnen ein Foto von meiner Taufe bei einer Freikirche gezeigt.

Mit Kleidung im Pool schwimmen

Daraufhin meinten sie: "Woher sollen wir wissen, dass das eine Taufe ist? Du könntest auch mit Kleidung im Pool schwimmen gegangen sein."
Jetzt habe ich eine Aufenthaltsgenehmigung, die jeweils sechs Monate gilt, aber nach diesen sechs Monaten könnte ich immer auch eine Abschiebung erhalten. Ich weiß nicht, ob sie mich im Iran umbringen würden, aber mir würde wahrscheinlich eine Gefängnisstrafe drohen und dort ist es nicht schwierig, mich umzubringen.

 

Raphael, ebenfalls aus dem Iran, 
lebt inzwischen in Österreich

Ich bin im Iran durch einen Freund, den ich seit meiner Kindheit kenne, Christ geworden. Er hat sich zum christlichen Glauben bekehrt und erzählte mir dann vom Christentum und von Jesus. Ich ging mit ihm öfter zu einer Hauskirche, und an einem Tag, als ich dort war, konnte ich Gott wirklich spüren. Danach machte ich Glaubenskurse im Iran und ging regelmäßig zu der Hausgemeinschaft. 2017 rief mich an einem Tag mein Freund um fünf Uhr morgens an, um mir zu sagen, dass die Geheimpolizei in der Nacht das Haus durchsuchte, in dem wir uns immer trafen und einige von uns bereits festgenommen wurden. Er sagte mir, dass die Polizisten nun alle Mitglieder der Kirche suchen, um uns zu verhaften. Ich verließ sofort mein zu Hause.

Antworten auswendig gelernt?

In Österreich lernte ich die katholische Kirche kennen, die ich dann regelmäßig besuchte. Während meines Asylverfahrens war ich zwar noch nicht getauft, aber die Pfarrgemeinde hat mir einen Bescheid ausgestellt, dass ich in der Gemeinde engagiert bin und Interesse an einer Taufe habe. Trotzdem wurde ich vom BFA abgelehnt. Gegen die Ablehnung habe ich dann geklagt. Nach eineinhalb Jahren Vorbereitung wurde ich katholisch getauft. Den Taufschein legte ich bei Gericht mit anderen Glaubensbescheinigungen vor. Trotzdem wurde ich erneut abgelehnt. Dann stellte ich einen neuen Asylantrag und wurde vom BFA wieder zurückgewiesen. Diesmal sagte man zu mir: "Du konntest alle Fragen zur Bibel zwar gut beantworten, aber wir haben den Eindruck, dass du die Antworten auswendig gelernt hast und glauben nicht, dass du von Herzen Christ bist."

Eigentlich müsste ich Österreich nun wieder verlassen, deswegen darf ich nicht mehr in der Asylunterkunft wohnen und bekomme kein Taschengeld mehr. Jetzt wohne ich bei Freunden, denn wenn ich zurück in den Iran müsste, würde ich sicher verhaftet und ermordet werden, weil ich Christ bin, aber auch weil ich an einer Demonstration vor dem Konsulat teilgenommen habe, als ein iranischer Diplomat in Österreich war. Diese Demonstration wurde gefilmt und im iranischen Fernsehen ausgestrahlt. Meine Mutter hat mir davon berichtet. Daraufhin wurde das Haus meiner Eltern im Iran durchsucht. Mein Bruder wurde festgenommen. Manchmal denke ich, dass es besser wäre, wenn ich gestorben wäre, weil ich nicht in den Iran zurückkehren kann, aber hier darf ich auch nicht bleiben.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
In Afghanistan leben auch Christen. Wie viele es sind, ist ungewiss. Die Lage dieser Minderheit ist jetzt extrem unsicher geworden.
18.08.2021, 09  Uhr
Michael Gregory
Themen & Autoren
Veronika Wetzel Bibel Christliche Glaubensrichtungen Katholizismus Konvertiten

Kirche

Papst Benedikt XVI. bestand auf einem Priesterbild, das der Lehre der Kirche entspricht – und wurde dafür kritisiert.
24.01.2022, 11 Uhr
Regina Einig