Katholisches Unternehmertum

Stillstand kostet alle Wohlstand

Auf der Bundestagung des BKU in Magdeburg stand zukunftsfähiges Wirtschaften im Fokus.
Bundestagung des BKU in Magdeburg
Foto: Wullhorst | „Die Soziale Marktwirtschaft hat sich als Mechanismus fairer Problemlösungen bewährt“, betonte der BKU-Vorsitzende Ulrich Hemel (zweiter von links vorne) bei der Bundestagung des BKU in Magdeburg.

Unter dem Eindruck der Ampel-Koalitionssondierungsgespräche in Berlin nach der Bundestagswahl sowie angesichts großer globaler ökonomischer, ökologischer und technologischer Herausforderungen fand Ende vergangener Woche in Magdeburg die Bundestagung des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) statt.

Die 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der gesamten Bundesrepublik vor Ort sowie diejenigen, die sich digital an der hybriden Veranstaltung beteiligten, diskutierten, wie zukunftsfähiges Wirtschaften unter den Herausforderungen der Klimakrise und den Folgen der Pandemie funktionieren kann.

Endlich Vorfahrt für die Digitalisierung ermöglichen

„Die Soziale Marktwirtschaft hat sich als Mechanismus fairer Problemlösungen bewährt“, betonte der BKU-Vorsitzende Ulrich Hemel gleich zum Auftakt der zweitägigen Veranstaltung. Gerade jetzt nach der Bundestagswahl sei es ein zentrales Ziel, den Gegensatz zwischen Wirtschaft und Gesellschaft einerseits sowie zwischen Wirtschaft und Umwelt andererseits zu überwinden, betonte Hemel. „Die Soziale Marktwirtschaft ist ein Friedensprojekt, das in der Förderung eines Sozial- und Kulturstaates die Zukunftsfähigkeit über Generationen hinweg sichert“, ergänzte der BKU-Vorsitzende. Zum zukunftsfähigen Wirtschaften brauche es mehr denn je eine Verständigung über Werte und Ziele im Wirtschaftsleben sowie größere Investitionen in ethische Sprach- und Reflexionsfähigkeit mit dem Ziel werteorientierter Unternehmensführung und ethischer Unternehmenskommunikation.

Iris Plöger, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), machte in ihrem Impulsvortrag deutlich, dass zukunftsfähiges Wirtschaften in mehrfacher Hinsicht dringend Resilienz, also Widerstandsfähigkeit und Stressresistenz, benötige. Gerade die Corona-Pandemie habe dies für die deutsche Wirtschaft deutlich gemacht. Die Digitalisierung könne dazu einen zentralen Beitrag leisten, da sie Kosten senken, neue Geschäftsfelder eröffnen und der Umwelt nutzen würde. „Wir müssen nun endlich einen digitalen Zielkompass definieren und dann mit Tempo und Agilität ans Werk gehen“, forderte Plöger. „Denn eine Verklärung der Vergangenheit ist zwar menschlich, aber nicht hilfreich.“ Eine geringe Bereitschaft zur Veränderung führe nicht nur zu Stillstand und koste damit Wohlstand, sondern habe auch bereits in der Vergangenheit dazu geführt, dass sowohl die EU als auch Deutschland die unter anderem durch Amazon und Ebay massiv vorangetriebene Plattformökonomie – und somit die erste Welle der digitalen Transformation – „komplett verschlafen“ habe.

„In den Bereichen Bildung und Verwaltung gebe es eklatante Defizite in der Digitalisierung“
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Doch die Corona-Pandemie hat laut Iris Plöger bei vielen Unternehmen, die sich zuvor nur zögerlich dem digitalen Wandel öffnen mochten, zu einem Umdenken geführt: Laut einer aktuellen Umfrage des Branchenverbandes der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche, Bitkom, zweifelten nur noch zwölf Prozent der hiesigen Unternehmen am Nutzen der Digitalisierung für die Wirtschaft – ein erfreuliches Allzeittief. Jetzt komme es, so Plöger, darauf an, mithilfe dieses Rückenwindes die Herausforderungen der digitalen Transformation zu bewältigen und die einheimische Wirtschaft für die Zukunft aufzustellen.

Diesbezüglich nannte Iris Plöger drei Hauptarbeitsfelder: „Wir müssen dem Fachkräftemangel im IT-Bereich entgegenwirken“, machte das Mitglied der Hauptgeschäftsführung des BDI beispielsweise deutlich. Dort seien mehr als 80 000 Stellen unbesetzt. Es dauere meist mehr als sechs Monate, eine IT-Fachkraft zu finden. Die zweite wesentliche Aufgabe sei der digitale Netzausbau. Hier will der BDI eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaseranschlüssen. „Dazu brauchen wir auch eine Vereinfachung der Genehmigungsverfahren“, erklärte Plöger. Die dritte zentrale Aufgabe habe die Pandemie schonungslos offengelegt. In den Bereichen Bildung und Verwaltung gebe es eklatante Defizite in der Digitalisierung. „Hier müssen wir Tempo machen, um digital nicht noch weiter abgehängt zu werden.“

Der Tech- und Energiestandort Sachsen-Anhalt

Der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium von Sachsen-Anhalt, Jürgen Ude, spannte zudem den Bogen zu den Möglichkeiten der Politik, die Unternehmen bei ihren Bemühungen um ein zukunftsfähiges Wirtschaften zu unterstützen. Der gebürtige Magdeburger zeigte gelingende Beispiele aus Sachsen-Anhalt und lieferte umfangreiche Einsichten in die innovationsfreudige und mittelstandsfreundliche Standort- und Clusterpolitik des Bundeslandes, in der vor allem die Leitmärkte Mobilität und Logistik, Chemie und Bioökonomie, Ernährung und Landwirtschaft, Gesundheit und Medizin sowie Energie, Maschinen- und Anlagenbau und Ressourceneffizienz gefördert werden.

Klimawandel, Digitalisierung und fairer globaler Wettbewerb sind die großen Herausforderungen“, beschrieb Ude die Aufgaben seines Bundeslandes. Existenziell für die Bewältigung dieser Megatrends seien sowohl für die Politik als auch für die Wirtschaft Sachsen-Anhalts ein leistungsfähiges und -orientiertes Bildungssystem sowie innovative Forschungseinrichtungen. Ude wünscht sich eine noch stärkere Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft. So ließen sich Innovationspotenziale heben. Die Verbesserung der Finanzierungsbedingungen, gerade für kleine und mittlere Unternehmen, sei deswegen eine wichtige Aufgabe der einheimischen Wirtschaftsförderung.

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