Ethik

„Geld muss dienen und nicht regieren!“

Ein von der Katholischen Soziallehre geprägtes Geldinstitut verbindet erfolgreich ethische Verantwortung und gute Erträge bei der Kapitalanlage.
Langsame Ausbreitung der automatisierten Geldanlagen
Foto: dpa | Geld sollte nicht nur klug, sondern ethisch richtig investiert werden.

Die Möglichkeiten, mit Geldanlagen attraktive Gewinne zu erzielen, sind in den Jahren der Niedrig- bis Nullzinspolitik immer schwieriger geworden. Nicht wenige Anleger versuchen daher, ihr Kapital dort einzusetzen, wo es die meisten Erträge bringt. Grundsätzlich nachvollziehbar, allerdings nicht um jeden Preis, insbesondere dann, wenn man sich von einer christlichen Werteorientierung getragen fühlt. Dann sollte es darum gehen, auch bei der Kapitalanlage ethische Maßstäbe anzulegen und den Prinzipien der Nachhaltigkeit Rechnung zu tragen.

In seiner Enzyklika „Evangelii gaudium“ hat Papst Franziskus gefordert: „Das Geld muss dienen und nicht regieren!“ Ein Prinzip, das für die Finanzen des Einzelnen ebenso gelten sollte wie für die Mittel des Staates und der Kirche. Der Heilige Vater will das gemeinsame Haus der Menschheitsfamilie schützen. Deshalb sollen auch Investments zuerst den Menschen und dann die Rendite in den Blick nehmen. „Die Anstrengungen für eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen sind kein nutzloser Aufwand, sondern eine Investition, die mittelfristig andere wirtschaftliche Gewinne bieten kann“, betont der Papst.

Auswirkungen der Kapitalanlage

Schwierig wird es, einer solchen Anforderung gerecht werden, wenn das Geld im Sparstrumpf besser aufgehoben zu sein scheint, als auf so manchem Bankkonto. Für den einzelnen Investor ist dabei selten auf den ersten Blick zu erkennen, welche wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen seine Kapitalanlagen haben. Deshalb braucht man verlässliche Finanzdienstleister, die in ihre Analysen nicht nur die klassischen Anlageziele Liquidität, Sicherheit und Rendite einfließen lassen, sondern auch Aspekte wie Nachhaltigkeit und ethische Verantwortung.

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Dabei sollte man darauf schauen, womit die Unternehmen, aus deren Aktien oder Fondsbeteiligungen man Gewinne schöpfen möchte, ihr Geld verdienen – ob also ihre Produkte oder Dienstleistungen dem christlichen Wertekanon widersprechen. Aber auch bei sogenannten Staatsanleihen ist Vorsicht geboten. Staaten, die gegen Menschen- und Freiheitsrechte verstoßen, ihre Bürger knechten und ausbeuten, sind sicherlich keine seriösen Partner für die Kapitalanlage christlich handelnder Menschen. Es muss also darum gehen, Kriterien zu definieren, die solche Geschäftspartner ausschließen, die sich außerhalb der christlichen Werteordnung bewegen.

Anlagestrategien und Katholische Soziallehre

Nun haben nicht zuletzt die Vorgänge um den Finanzdienstleister Wirecard gezeigt, dass selbst in einem offenbar erfolgreichen Dax-Konzern illegale Geschäfte zum Beispiel mit Akteuren der Porno- und Glücksspielbranche zum Geschäftsmodell gehören können. Umso mehr ist Vorsicht geboten. Geldinstitute wie die Bank für Kirche und Caritas (BKC) verfolgen nach eigenen Angaben eine Anlagestrategie, die den Prinzipien der Katholischen Soziallehre gerecht wird. „Wir engagieren uns seit 20 Jahren auf dem Sektor der ethisch-nachhaltigen Geldanlagen. Wir bieten unseren Kunden Anlageprodukte mit ethisch-nachhaltigen Kriterienfiltern an und beachten bei den Geldanlagen der Bank diese Grundsätze“, berichtet der Vorstandsvorsitzende der BKC, Richard Böger, im Gespräch mit der „Tagespost“. Dies seien zentrale Bausteine ihrer Nachhaltigkeitsstrategie. „Die Einlagen unserer Kunden sind das Vermögen von kirchlich-caritativen Einrichtungen. Unseren Kunden ist es nicht egal, wo wir als Bank dieses Vermögen anlegen“, ergänzt Böger. Die BKC lege deshalb ihre Ausschlusskriterien und ihre Positiv- und Negativkriterien transparent auf ihrer Webseite offen.

Die Suche nach einem gesunden Mittelweg ist nicht immer leicht. Das beschreibt die gemeinsame Broschüre der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees des deutschen Katholiken, die sich mit dem Thema „ethisch-nachhaltig investieren“ befasst und in erster Linie an Finanzverantwortliche in katholischen Einrichtungen richtet. Die Grundsätze sind allerdings auch für jeden an christlichen Werten orientierten Anleger interessant. Dort heißt es: Das ethisch-nachhaltige Investment erfordert immer wieder pragmatische Abwägungsprozesse zwischen den Zielen der Kapitalanlagen. Auch wenn heute belegt ist, dass ethisch-nachhaltige Kapitalanlagen keinen systematischen Nachteil bei der Rendite haben und nicht grundsätzlich mit einem höheren Risiko verbunden sind, kann es im Einzelfall erforderlich sein, eine Abwägung zwischen dem ethisch Gewollten und dem finanziell Vertretbaren zu treffen.

Umso wichtiger ist es, nach Ausschlusskriterien für ein Investment zu suchen, wie sie die BKC auf ihrer Homepage aufgelistet hat. Im Bereich der Unternehmen führt das Geldinstitut mit Sitz in Paderborn diesbezüglich zum Beispiel die Produktion von geächteten Waffen, Menschen- oder Arbeitsrechtsverletzungen in der Lieferkette auf sowie Firmen, die mit Pornografie oder Glücksspiel ihr Geld verdienen oder massiv gegen Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards verstoßen. Im Hinblick auf den Erwerb von Staatsanleihen gehören laut BKC zudem Menschenrechtsverletzungen, die Vollstreckung von Todesstrafen oder eine nicht gewährleistete Religionsfreiheit zu den unverhandelbaren Ausschlusskriterien.

 

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