Katholischer Arbeitskreis

Wird die katholische Perspektive gestärkt?

Bisher gibt es Katholische Arbeitskreise nur in einigen CDU-Landesverbänden. Nun wird der Bundesparteitag darüber abstimmen, ob auch eine Bundesvereinigung gebildet werden soll.
Union und das "C"
Foto: Gero Breloer (dpa) | Die CDU will mit der geplanten Grundwertecharta beim Parteitag im September wichtige Weichen zur Erneuerung stellen und das von Kritikern vielfach vermisste „C“ wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.

Seit vielen Jahren verfolgen Claudia Heber und Mathias Kretschmer ein gemeinsames Ziel. Die Vorsitzende des Katholischen Arbeitskreises der CDU in Thüringen und ihr sächsischer Kollege kämpfen gemeinsam dafür, dass ein Arbeitskreis für Katholiken in der Partei bundesweit den Status einer Parteivereinigung erhält. Das ist mit erweiterten Rechten verbunden, wie sie beispielsweise die Frauen Union oder die CDA-Sozialausschüsse innehaben.

Jetzt will die CDU mit der geplanten Grundwertecharta beim Parteitag im September wichtige Weichen zur Erneuerung stellen und das von Kritikern vielfach vermisste „C“ wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. „Da ist es an der Zeit, den katholischen Mitgliedern, die in vielen Landesverbänden mittlerweile eine Minderheit sind, die Möglichkeit zu geben, sich als Bundesvereinigung zu organisieren. Als sicher gilt beim Parteitag nach Hebers Einschätzung nämlich die Anerkennung der „Lesben und Schwulen in der Union“ (LSU) als Sonderorganisation und die Stärkung des „Evangelischen Arbeitskreises“ (EAK), der künftig zu einer Bundesvereinigung werden soll.

Einen Evangelischen Arbeitskreis gibt es bereits

Einen Evangelischen Arbeitskreis in der CDU gibt es übrigens bereits seit 1952. Das hat mit der Entstehungsgeschichte der CDU und ihrer Entwicklung in den Gründungsjahren zu tun. Die Anfänge der Partei im Rheinland und an anderen Orten waren zumeist geprägt durch engagierte Katholiken. Viele von ihnen hatten zuvor ihre politische Heimat in der katholischen Zentrumspartei, waren in katholischen Verbänden wie Kolping oder der KAB organisiert. Das Katholische gehörte damals zum Markenkern der jungen CDU. Die katholische Dominanz verlangte allerdings nach einem internen Gegenpol. Als Gustav Heinemann, Protestant und Innenminister unter dem katholischen Bundeskanzler Konrad Adenauer, aus der CDU austrat und die Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP) gründete, hatte man in der CDU Angst vor einer Abwanderungswelle der Protestanten als Mitglieder und Wähler. Als Reaktion darauf und um zu betonen, dass auch die Protestanten eine politische Heimat in der christlichen Partei haben, entstand der Evangelische Arbeitskreis in der CDU.

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Jetzt haben die engagierten Katholiken die Hoffnung, dass ihr politischer Kampf um mehr Mitwirkungsrechte in der Partei von Erfolg gekrönt sein könnte.Zwar scheiterte ein Antrag an den Parteitag in Hannover an dem Quorum von 500 Unterstützern aus der Mitgliedschaft in einem Onlineverfahren. Da aber jetzt ein Kreisverband die Einstufung des Katholischen Arbeitskreises als bundesweite Vereinigung in der Partei beantragt hat, gibt es Hoffnung. „Jetzt sind die 1.001 Delegierten des Parteitags gefordert“, weiß Claudia Heber. Sie hofft, dass es nicht bei den bislang drei auf der Länderebene vorhandenen Arbeitskreisen in Thüringen, Sachsen und Niedersachsen bleibt.

Das Katholische ist schon lange nicht mehr Markenkern

Heute ist das Katholische schon lange nicht mehr Markenkern der CDU. Viele Kritiker bezweifeln sogar, dass das „C“ in der Partei noch ausreichende inhaltliche Wurzeln hat. Deshalb ist es den Befürwortern auf der Bundesebene wichtig, dass es künftig gelingen kann, katholische und christliche Themen in der Partei wieder in den Fokus zu nehmen.

„Ein solches Forum an der Nahtstelle zwischen Kirche und Politik, das auch Gesprächspartner der Kirche sein kann, brauchen wir heute für unsere katholischen Mitglieder ebenso wie es für die Protestanten bereits vorhanden ist“, erläutert Claudia Heber gegenüber dieser Zeitung. „Katholiken sind in unserer Partei nämlich durchaus nicht mehr in der dominierenden Mehrheit.“ Dies sei insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern festzustellen. Dort gebe es weniger als 20 Prozent Katholiken in der CDU.

„Wir brauchen wir einen solchen bundesweiten Zusammenschluss, weil es durchaus Themen gibt, die aus katholischer Sicht betrachtet, diskutiert und in die Partei eingebracht werden müssen“, so Claudia Heber. Dort, wo sich katholische Mitglieder zusammenfinden wollen, soll dies künftig möglich sein. Aber eben nicht als lockeres Angebot, sondern eingebunden in die Parteistruktur mit den entsprechenden Möglichkeiten der Mitwirkung. Ein solches Angebot biete, so Heber, noch weitere Vorteile. In so einer Vereinigung der Partei könnten sich dann auch auch Menschen engagieren, die nicht Parteimitglied sind. So könne es gelingen, Katholiken, die an einer werteorientierten Politik interessiert sind, zu gewinnen und sie in der Folge dann vielleicht von einer Mitgliedschaft zu überzeugen, hofft Claudia Heber.

Merkmal "katholisch" wird aktuell nicht abgefragt

Dem Katholischen Arbeitskreis gehe es nicht um die Betonung konfessioneller Unterschiede, sondern darum, unterschiedliche Themen und Debatten mit Argumenten aus katholischer Perspektive auf der Grundlage der Katholischen Soziallehre zu ergänzen. Ein solches Angebot werde vielleicht nicht überall angenommen, „aber die anderen Vereinigungen und Organisationen sind auch nicht flächendeckend und auch nicht auf allen Ebenen vertreten“, erläutert Heber. Die aktuell genaue Zahl der Katholiken in der Partei lässt sich kaum ermitteln. Nach dem deutschen Datenschutzrecht, dürfen nämlich nur die Daten erhoben werden, die erforderlich sind. Da es bisher keinen Katholischen Arbeitskreis gibt, wird das Merkmal „katholisch“ wird beim Mitgliedsantrag nicht abgefragt. Ob sich das künftig ändert, liegt aber nun in den Händen der Parteitagsdelegierten in Hannover.

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