Wettbewerb ist sozial

Das Unternehmerbild und seine Bedeutung – Eine BKU-Tagung. Von Michael Leh
Martin Rhonheimer
Foto: Leh | Martin Rhonheimer betonte die Bedeutung des Unternehmers.

Gemeinsam mit dem „Bund Katholischer Unternehmer“ (BKU) hat sich die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in ihrer Berliner Akademie mit dem Bild des Unternehmers in Politik und Gesellschaft befasst. Vom „Ausbeuter“ bis zum „Heilsbringer“ listete der Vorsitzende der BKU-Diözesangruppe Berlin, Richard Schütze, eingangs etliche Zerrbilder auf. CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer verwies in einem „Impuls“ auf die Arbeit ihrer Partei an einem neuen Grundsatzprogramm. Ein 20-seitiger Leitantrag des CDU-Bundesvorstandes für den Parteitag am 7. Dezember in Hamburg gelte der „Sozialen Marktwirtschaft im 21. Jahrhundert“. Das Bild des Unternehmers komme in dem Entwurf bislang kaum vor, räumte Kramp-Karrenbauer ein. Es heißt darin etwa: „Wir wollen starke Unternehmer in unserem Land und setzen auf eine Kultur, in der Leistung und unternehmerischer Erfolg, aber auch ein offener Umgang mit Fehlern mehr Wertschätzung erfahren.“ Oder: „Wer unternehmerische Freiheit will, hohe Gewinne machen zu können, muss auch für Verluste und Folgen von Fehlverhalten einstehen.“ Sonderlich präzisiert wird die Rolle des Unternehmers in dem Papier nicht. Kramp-Karrenbauer bat den BKU darum, seine Expertise in den Programmberatungsprozess der CDU mit einzubringen. Die soziale Marktwirtschaft in Deutschland müsse heute einen neuen Systemwettbewerb mit einem Staat wie China bestehen und die Herausforderungen der Globalisierung und Digitalisierung meistern.

Der Schweizer katholische Priester und Professor für politische Philosophie, Martin Rhonheimer, arbeitete die Rolle des Unternehmers klar heraus. „Von einem Mann der Kirche“, sagte er zunächst, „erwartet man in der Regel neben einem freundlichen Lob für die Arbeit des Unternehmers die Ermahnung, Unternehmer sollten nicht nur nach Gewinn streben, sondern immer auch das Gemeinwohl im Auge behalten. Ich habe nicht vor, Sie mit solchen Gemeinplätzen zu belästigen.“ Die „zumeist harte Arbeit“ der Unternehmer sei die Ursache des Wohlstandes breiter Massen – auch auf globaler Ebene. „Die katholische Sozialethik“, erklärte er, erkenne das viel zu wenig an. „Noch immer stellt sie die Unternehmer unter Generalverdacht, sieht sie nur als potenziell ungerechte oder gar ausbeuterische Arbeitgeber, nicht aber als wohlstandsverursachende Wertschöpfer“. Sie erkenne ihre Leistungen nur an, „insofern sie sich, wie es dann heißt, für das Gemeinwohl einsetzen. Als ob sie das nicht einfach schon dadurch täten, dass sie erfolgreiche Unternehmer sind“, betonte Rhonheimer in seinem Vortrag.

Zu Recht habe Ludwig Erhard geschrieben, das Soziale an der sozialen Marktwirtschaft sei der Wettbewerb und der sich daraus ergebende Nutzen für den Verbraucher. Hierdurch werde Wohlstand geschaffen, „und nicht durch die Korrektur von Marktprozessen durch Umverteilung und Transferleistungen“. Der Beitrag der Unternehmer sei „so entscheidend und fundamental wie der berühmte Ast, auf dem man sitzt. Deshalb wird er in der Regel auch übersehen“. Das eigentliche Verdienst des Unternehmers, „seine Ehre, seine Größe“, bestünden darin, „für die „wertschöpfende und damit allgemeinen Wohlstand erzeugende Tätigkeit“ das Risiko zu tragen und dabei auch scheitern zu können. „Das“, sagte Rhonheimer, „ist etwas Einmaliges in der Gesellschaft“. Der „wahre Unternehmer“ habe nicht wie die Arbeitnehmer einen vertraglichen Anspruch auf die Vergütung seiner Arbeit. Er lebe letztlich vom Erfolg seines Unternehmens.

Der heute „real existierende Kapitalismus beziehungsweise die heutige Marktwirtschaft“ sei ein von „staatlichen Interventionen, politischen und fiskalischen Eingriffen aller Art und entsprechenden Fehlanreizen geprägtes Mischsystem“.

Carsten Linnemann, der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union, erklärte: „Die radikalste Ablehnung von Subventionen ist die beste Wirtschaftspolitik, die es überhaupt gibt.“ Wenn man versuche, eine Technologie wie die Elektroautos mit einer Prämie durchsetzen, „wird man scheitern, mit Pauken und Trompeten“. Es setze sich der durch, „der im Wettbewerb die Innovation herausbringt und nicht derjenige, der Direktsubventionen erhält“. „Wir müssen dem Einzelnen die Verantwortung auch wirklich geben“, betonte Linnemann. „Bei den Personengesellschaften“, fügte er hinzu, „nehmen wir den Leuten das Geld weg, über Steuern, über Abgaben, auch den Familienunternehmen, schicken sie – die Familien – zum Teil in die Bedürftigkeit, um sie hinterher mit 145 familienpolitischen Programmen wieder herauszuholen. Was ist das denn für ein Menschenbild?“

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