Gastbeitrag

Wem nutzt der Transgenderhype?

Transgender-Aktivisten wollen die Meinungsfreiheit immer mehr einschränken. Und der BDKJ macht dabei mit.
Berliner Christopher Street Day (CSD)
Foto: Christoph Soeder (dpa) | Bezeichnend: Die Regenbogenflagge wehte im Juli letzten Jahres auf dem Reichstagsgebäude.

Wer sich kritisch zu Transgenderfragen äußert, riskiert herbe Vorwürfe. Wäre es da nicht angesagt, diese Baustelle ruhen zu lassen? Möglich. Aber ein großer Fehler.
Zunächst: Wer im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, den beschleicht Unbehagen, wenn er sieht, wie medial mit dem Thema umgegangen wird. Es hat etwas Stalinistisches, wenn die Bezeichnung einer Person mit ihrem bis vor Kurzem üblichen Namen plötzlich einen Shitstorm auslöst.

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Keine Störung mehr

Die Schauspielerin Ellen Page hat als schwangerer Teenager Juno im gleichnamigen Film ein Millionenpublikum begeistert, nun heißt „er“ Elliot und hat statt Busen zwei Narben quer über der Brust. Das Foto des verstümmelten Körpers brachte auf Instagram 1,5 Millionen Likes. Dass Elliot mal Ellen hieß und deutlich erkennbar weiblichen Geschlechts war, muss aus der Geschichte genauso getilgt werden wie die ehemaligen Freunde Stalins, die dieser liquidieren und anschließend aus gemeinsamen Fotos retuschieren ließ. Allein: Es ist kein Markenzeichen funktionierender Demokratien, die Geschichte umzuschreiben.

Dann: Die Transgenderwelle hat beunruhigende Ausmaße angenommen. 2007 wurden in Deutschland 419 Transgenderoperationen durchgeführt, 2021 waren es 2 598. Die Zahl der entsprechend operierten Jugendlichen hat sich in diesem Zeitraum verzwanzigfacht. Die Diagnose „Geschlechtsdysphorie“ gibt es nicht mehr, jetzt heißt es „Genderinkongruenz“.

Das ist keine psychische Störung, sondern ein „Problem im Bereich der sexuellen Gesundheit“. Ein Problem aber wird nicht therapiert, sondern gelöst. Jugendliche mit Transitionswunsch erwarten daher von ihrem Arzt, er möge problemlösend tätig werden. Weder eine Differenzialdiagnose noch ein alternativer Therapieansatz sind erwünscht. Das bedeutet: Einnahme von Pubertätsblockern mit gravierenden und irreversiblen Folgen. Derart therapierte Jugendliche werden selbst keine Kinder zeugen können.

Eine Maßnahme, die das ganze Leben bestimmt

Ein späterer Kinderwunsch ist nur noch über künstliche Befruchtung erfüllbar, was den zigfachen Tod menschlicher Embryonen bedeutet. Sind Jugendliche, die das Gefühl hatten, „im falschen Körper“ zu leben, früher zu 80 Prozent Erwachsene mit homosexueller Neigung geworden, so werden sie nun mittels Hormontherapie und Operationen in Transmenschen verwandelt, die nie erfahren werden, was ein erfülltes Sexualleben bedeutet.

Genderdysphorie ist absolut real, und absolut rar. Betroffen sind 0,01 Prozent der Bevölkerung, hauptsächlich Männer. Typischerweise beginnt ihr Leid früh – im Alter von vier, fünf Jahren – und ebenso typischerweise legt es sich bei 70 Prozent von ihnen wieder, wenn man sie in Ruhe lässt. War dies nicht der Fall, standen nach ausführlicher Diagnostik und Beratung Hormongaben (lebenslang) und Operationen an, mit bekannten Langzeitfolgen: etwa ein vielfach erhöhtes Risiko, an HIV-assoziierten Erkrankungen zu sterben. Es wäre in hohem Maße unchristlich, das Leid dieser Betroffenen zu leugnen oder ihnen mit Respektlosigkeit zu begegnen. Aber um diese Gruppe geht es beim neuen Selbstbestimmungsgesetz der Bundesregierung überhaupt nicht.

Besonders im Fokus: heranwachsende Mädchen

Die Sorgen vieler Eltern und Erzieher richten sich auf eine zweite Gruppe: die der heranwachsenden Mädchen. Bis 2007 spielten sie überhaupt keine Rolle in der Transitionsmedizin. Heute sind 80 Prozent der Teenager, die eine Geschlechtsumwandlung anstreben, Mädchen, deren „Geschlechtsdysphorie“ sie urplötzlich überfällt. Mädchen erleben die körperlichen Veränderungen der Pubertät aus naheliegenden Gründen als wesentlich unangenehmer als Jungen. Hinzu kommt, dass sie häufiger unter extremen Stimmungsschwankungen leiden. Eine nicht unbedeutende Rolle spielen dabei die körperlichen Veränderungen: Angesichts der vorherrschenden Schlankheitsideale wird jede zusätzliche Rundung als Angriff auf das ohnehin schwächelnde Selbstbewusstsein wahrgenommen.

 

 

Es ist schick geworden, trans zu sein. „Früher war ich ein Außenseiter – jetzt bin ich was Besonderes“, so die Wahrnehmung. Vorbilder wie Ellen/Elliot Page tragen zur sozialen Ansteckung mit dem Transgenderwahn bei. Während sich bei offensichtlich magersüchtigen Models auf den Laufstegen zu Recht Protest erhob und die Modebranche einknickte, wurde, wer gegen das Zurschaustellen des mutilierten weiblichen Oberkörpers von Ellen/Elliot Page protestierte, dafür auf Twitter gesperrt. Ja, der Körper verändert sich in der Pubertät drastisch, und ja, das kann sich falsch anfühlen. Das heißt aber nicht, dass es falsch ist. Und es bedeutet schon gar nicht, dass ein Anhalten der gesunden, normalen körperlichen Entwicklung mittels Pubertätsblockern richtig ist.

Eine Freude für die Pharmaindustrie

Es mehren sich Anzeichen dafür, dass sie schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben – mangelhafter Aufbau der Knochendichte, unterdurchschnittliche Entwicklung der Intelligenz. Ihre Verabreichung führt dazu, dass der Anteil derjenigen, die dann eine geschlechtsangleichende Maßnahme fordern, von 15 Prozent auf nahezu 100 Prozent gestiegen ist. Der Londoner Tavistock-Klinik war das egal. Mit dem behandlungsaffirmativen Ansatz wurden ca. 19 000 Kinder und Jugendliche zu Transpersonen umgewandelt. Bereits jetzt haben über tausend von ihnen die Klinik, die mittlerweile geschlossen wurde, verklagt. Der Grund: Statt sorgfältiger Anamnese gab es Hormone, statt Psychotherapie Operationen. Die Leben dieser Kinder wurden ruiniert, oft unter dem Vorwand, anders ließen sich Depressionen bis hin zum Selbstmord nicht abwenden. Eine wissenschaftliche Studie, die einen Rückgang an Suizidversuchen nach Transitionsbehandlung belegen würde, gibt es jedoch bis heute nicht.

Ungeachtet dieser bestürzenden Entwicklungen schreiten wir in Deutschland weiter voran. Mit dem Slogan „Schritt für Schritt zum wahren Ich“ wirbt eine Münchner Klinik für Operationen, die aus einer Frau äußerlich einen Mann werden lassen. Operationskosten im fünfstelligen Bereich sind keine Seltenheit. Sind die Eierstöcke erst einmal entfernt, müssen bis ans Lebensende Hormone geschluckt werden, sehr zur Freude der Pharmaindustrie, die daran nicht schlecht verdient.
Wie konnte es so weit kommen? Wie kommt ein Zentralkomitee deutscher Katholiken dazu, diesen unheilvollen Trend zu begrüßen? Wie kann der BDKJ auch für Kinder die Möglichkeit fordern, sogenannte Geschlechtsumwandlungen anzustreben – ohne elterliches Einverständnis?

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Keinen Schutz für Frauen

Wenden wir uns also der dritten Gruppe von Personen im Transgenderzirkus zu. Sie fällt durch die Vehemenz der Äußerungen auf: die Transgender-Aktivisten. Sie fordern ein Recht auf „Nicht-Diskriminierung“, und zwar überall dort, wo Frauen bisher in den Genuss von Schutzzonen kamen. Sollte das Selbstbestimmungsgesetz Realität werden – was angesichts der Unterstützung durch die katholischen Irrlichter wohl zu erwarten ist –, gehen diese Zonen verloren. Jeder verurteilte Vergewaltiger kann einfach sein „Frau-Sein“ erklären und sich ins Frauengefängnis verlegen lassen, wo er dann zugreifen kann. Jeder Sportler, der unter Männern chancenlos war, kann beim Frauensport Medaillen abräumen.

Man könnte für Transpersonen eigene Sportabteilungen, Umkleiden oder Duschen einrichten – aber das geht den Aktivisten nicht weit genug. Alle Männer sollen die Möglichkeit erhalten, sich durch die Aussage „Ich bin eine Frau“ Zutritt zu den Sicherheitszonen der Frauen zu verschaffen, und zwar sofort. Dieser dritten Gruppe geht es darum, Chaos zu produzieren.

Jugendliche sollen ihren Familien entfremdet werden

Ihr System funktioniert nur, weil gelogen wird. Gelogen wird schon bei der Behauptung, es gebe mehr als zwei Geschlechter. Gelogen wird, wenn es heißt, eine Geschlechtsumwandlung sei die Lösung psychischer Probleme im Jugendalter. Gelogen wird bezüglich der Risiken von Pubertätsblockern und des Selbstmordrisikos, wenn man diese nicht nimmt. Geschlechtsumwandlungen sind eine großartige Gelegenheit, Jugendliche, die nicht selbstsicher sind, ihren Familien zu entfremden und zu willfährigen Rekruten des Chaos zu machen. Es ist daher Zeit, dass wir uns mit der Frage beschäftigen, wem der zerstörerische Transhype nutzt. Und es ist vor allem Zeit, dass wir den Mut aufbringen, die Wahrheit zu sagen und uns zu wehren – gerade dann, wenn unsere Kirchenvertreter uns dabei im Stich lassen.


Die Autorin ist Bundesvorsitzende der „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA) und Vorsitzende des hessischen Landesverbandes der Christdemokraten für das Leben.

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