Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Soldaten-Coach im Interview

Wehrpflicht-Reform: „Man muss in der Lage sein, sich durchzubeißen"

Ein Gespräch mit Soldaten-Coach Niklas Voß über die Wehrpflicht-Reform von Boris Pistorius sowie die Fähigkeiten, die ein Soldat braucht, um erfolgreich zu sein.
Parkplatzschild mit Karrierecenter und Tatzenkreuz
Foto: IMAGO/Sascha Steinach (www.imago-images.de) | Die Bundeswehr wird von vielen potenziellen Soldaten noch nicht als eine attraktive Karriereoption wahrgenommen. Das soll sich ändern.

Herr Voß, zuerst einmal: Was macht ein Soldaten-Coach?

Ich richte mich mit meinem Angebot an zwei Zielgruppen. Da sind einmal Soldaten oder auch Polizisten, die schon in einer Einheit sind und nun den nächsten Karriereschritt machen wollen. Eine zweite Gruppe sind Feuerwehrleute und andere Einsatzkräfte. Sie alle bereiten wir auf die anspruchsvollen Eignungstests vor, die anstehen, wenn sie in eine Spezialeinheit aufgenommen werden.

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Sie sind also eine Art Nachhilfelehrer. Was steht denn bei Ihnen auf dem Lehrplan? Strategie, Führung?

Wir kümmern uns vor allem um das sportliche Training und die mentale Stärke.

In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist - geht es in die Richtung dieses Spruchs?

Soldaten-Coach Niklas Voß
Foto: privat | Niklas Voß ist Gründer von PPF Germany in Landshut, dort breitet er seit vier Jahren Polizisten, Soldaten und andere Einsatzkräfte auf Auswahlverfahren vor.

Am wichtigsten ist die Fähigkeit, durchhalten zu können. Ein Schichtdienst beispielsweise ist sehr anstrengend. Der Beruf ist sehr anspruchsvoll. Man muss in der Lage sein, sich durchzubeißen.

Wer bringt denn dieses Durchhaltevermögen heute noch mit?

Eigentlich kaum jemand. Eine Ausnahme bilden die, die seit ihrer Jugend Leistungssport betrieben haben. Die sind diese Herausforderungen gewohnt. Für die Anderen gilt: Sie haben sich bisher irgendwie so durchgemogelt. Sie müssen erst lernen, was beispielsweise Disziplin heißt.

Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen: Gibt es überhaupt genügend geeignete Kandidaten für die Bundeswehr? Und wie bewerten Sie die Vorschläge von Bundesverteidigungsminister Pistorius zu einem neuen Wehrpflicht-Modell?

Es gibt sicherlich viele, die geeignet wären, aber bisher nicht darüber nachgedacht haben, ob die Bundeswehr für sie eine Option ist. Deswegen finde ich die Initiative des Ministers gut. Die Bundeswehr hat es nicht so leicht, schließlich konkurriert sie ja mit vielen anderen Arbeitgebern und sie hat immer noch ein eher schlechtes Image. Aber natürlich auch vor dem Hintergrund des Krieges gegen die Ukraine ist es richtig, wenn der Minister sagt, wir müssten die Bundeswehr größer und schlagkräftiger machen. Ich finde aber nicht, dass man wieder eine generelle Pflicht einführen und ganze Jahrgänge einziehen sollte. Man sollte sich auf die beschränken, die tatsächlich geeignet sind, bisher nur nicht über diese Möglichkeit nachgedacht haben.

"Auch vor dem Hintergrund des Krieges
gegen die Ukraine ist es richtig, wenn der
Minister sagt, wir müssten die Bundeswehr
größer und schlagkräftiger machen"

Früher war mit Blick auf die Armee von der „Schule der Nation“ die Rede. Auch heute noch gültig?

Wenn ich an meine Zeit zurückdenke, würde ich dem schon zustimmen. Ich habe zum Beispiel zum ersten Mal in der Kaserne meine Wäsche selbst gewaschen. Oder eben die Disziplin: Wenn man einmal richtig zusammen geschrien wird, weil das Hemd nicht richtig gebügelt ist, merkt man sich das. Und darüber hinaus: In der Bundeswehr wird etwas gelernt, was den Soldaten auch jenseits der Armee in einem anderen Berufsleben helfen kann.
Es ist ja kein Zufall, dass beispielsweise in den USA sehr viele Unternehmer oder erfolgreiche Manager vorher einmal Soldat waren.

Wenn Sie für die Bundeswehr werben müssten, was würden Sie hervorheben?

Ich würde schon das Coole betonen. Man darf Sachen machen, die der normale Bürger nicht machen darf. Bundeswehr, das hat was mit Spannung und Abenteuer zu tun. Eben kein Job, wo man jeden Tag von neun bis fünf am Schreibtisch sitzt. Ich glaube schon, dass das junge Männer anspricht.

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Sebastian Sasse Boris Pistorius Bundesminister für Verteidigung Bundeswehr

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