Verkürzte Lebenszeit

Genmanipulation kann sich negativ auf die Gesundheit der Betroffenen auswirken

Berkley (DT/reh) Die Genmanipulation, die der chinesischer Biophysiker He Jiankui eigenen Angaben zufolge an den beiden Zwillingsmädchen Lulu und Nana vornahm, deren Geburt er im November vergangenen Jahres stolz verkündete, kann sich nachteilig auf deren Gesundheit auswirken. Das geht aus einer Studie hervor, die Wissenschaftler der University of California in Berkley jetzt in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ veröffentlichten. Für die Studie untersuchten die Forscher um Rasmus Nielsen die Gesundheitsdaten von mehr als 400 000 Menschen, die von Natur aus verschiedene Genvarianten des CCR5 genannten Gens in sich tragen. Dabei fanden sie heraus: Menschen, bei denen das CCR5 aufgrund einer Mutation inaktiv ist, haben eine deutlich geringere Lebenserwartung.

Bei den Zwillingen Lulu und Nana will He dieses Gen ausgeschaltet haben, um sie HIV-resistent zu machen. Eine wissenschaftliche Überprüfung von He?s Humanexperiment fehlt bislang. Aktiviert sorgt das Gen CCR5 für die Produktion eines Proteins, das die Zelloberfläche so verändert, dass der HI-Virus in Zellen eindringen und Menschen infizieren kann. Menschen, bei denen dieses Gen mutiert ist, besitzen daher einen natürlich Schutzwall gegen eine HIV-Infektion.

Das hat jedoch einen Preis. Wie die Forscher um Nielsen feststellten, ist bei Menschen, bei denen das CCR5 Gen inaktiv ist, die Wahrscheinlichkeit das 76. Lebensjahr nicht zu erreichen, um 21 Prozent höher, als bei Menschen, bei denen das Gen nicht mutiert ist. Warum dies so ist, können die Forscher nicht sagen. Klar sei nur, dass das Protein, für dessen Produktion CCR5 verantwortlich zeichnet, eine Wirkung für den Organismus habe. Daher sei es wahrscheinlich, dass eine Mutation, die das Protein zerstöre, im Durchschnitt nicht gut für die Betroffenen sei.

Wie Forscher in der Studie schreiben, könne die Resistenz gegen HIV „die Anfälligkeit für andere und möglicherweise häufigere Krankheiten erhöhen“. Genmanipulationen mit der CRISPR/Cas-Technologie seien daher derzeit zu gefährlich, um sie am Erbgut von Embryonen zu testen.

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