Wenn es so etwas wie eine außenpolitische Agenda von Donald Trump gab, dann kulminierte sie darin, Amerika nicht länger in „endlose Kriege“ zu verstricken. Schon 2016 kritisierte er die US-Präsenz in Afghanistan und im Irak; 2024 versprach er, die „endlosen Kriege“ zu beenden und „keine neuen Kriege“ zu beginnen. „America first“ bedeutete in diesem Kontext, mit der Rolle des Weltpolizisten abzuschließen und sich auf eigene Baustellen und eigene Interessen zu konzentrieren.
Nun aber hat Trump selbst sein Land in den Irrgarten eines orientalischen Krieges geführt, aus dem er nicht mehr herausfindet. Längst ist den Akteuren in Washington klar, dass der Krieg gegen den Iran seinem Land und seiner Regierung massiv schadet, Milliarden kostet (laut Kriegsminister Hegseth 37,5 Milliarden US-Dollar) und nicht die erhofften Resultate erbringt. Trump wollte ihn deshalb zu einem viel zu hohen Preis beenden, doch weder Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu noch Irans Hardliner folgten seinen Wünschen.
Es geht um geopolitische Macht
In diesen Tagen zeigt sich erneut: Trotz militärischer Überlegenheit und massiver Attacken können die USA den Iran nicht mehr einhegen. Unabhängig von den Zerstörungen und der dramatischen Wirtschaftslage hat das iranische Regime mit der Straße von Hormus ein Faustpfand, um die Weltwirtschaft leiden zu lassen. Die mit Teheran verbündeten Huthis wollen zudem den schmalen südlichen Eingang zum Roten Meer kontrollieren, den die Araber Bab al-Mandab, das Tor der Tränen, nennen. Saudische Schiffe geraten hier zunehmend ins Visier der jemenitischen Rebellen.
In beiden Fällen geht es nur am Rande um weltwirtschaftliche Erpressung, aber ganz zentral um geopolitische Macht: Im Persischen Golf, am Roten Meer und an der Levante, wo die schiitische Hisbollah dezimiert, aber nicht besiegt ist, erweist sich der Iran als starke Regionalmacht, die der vermeintlichen Ordnungsmacht USA ihre Grenzen aufzeigt. Das erschüttert alle Verbündeten Amerikas in der arabischen Welt, am härtesten Jordanien, das seit Jahrzehnten auf Kooperation und Vermittlung setzt. Eifriger als der Iran sind deshalb Amerikas Freunde Katar, Ägypten und Pakistan derzeit bemüht, für Trump einen Ausweg aus der orientalischen Verstrickung zu sondieren.
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