Khartum

Sudans Christen: Die Hoffnungen sind nicht erfüllt

Noch immer hoffen Christen im Sudan auf eine Verbesserung ihrer Lage. Doch nötige Reformen sind auf Eis gelegt.
Proteste im Sudan
Foto: Marwan Ali (AP) | Menschen stehen während einer Demonstration gegen den Militärputsch vom Oktober 2021 mit Flaggen in der Hand um brennende Autoreifen herum.

Der Sudan droht in dunkle Zeiten zurückzufallen. Fast 30 Jahre lang wurde das nordostafrikanische Land von Omar al-Baschir mit harter Hand regiert. Christen hatten unter dem Diktator schwierige Zeiten erlebt, darunter den Abriss von Kirchen, die Beschlagnahmung von Land und die Registrierung von Kindern aus christlichen Familien in anderen Glaubensgemeinschaften. 2011 spaltete sich der überwiegend christlich geprägte Süden des Landes ab und wurde zu Afrikas jüngstem Staat, Südsudan.

Der islamistische Langzeit-Machthaber wurde im April 2019 durch monatelange Massenproteste und einen Militärputsch aus dem Amt getrieben. Daraufhin einigten sich das Militär und die zivile Opposition auf eine Übergangsregierung, die den Weg zu demokratischen Wahlen  ebnen sollte. Zudem waren umfangreiche Wirtschaftsreformen geplant, durch die das Militär erhebliche ökonomische Verluste hätte hinnehmen müssen. Zu den Reformen der Übergangsregierung unter Premierminister Abdalla Hamdok zählte auch die Aussetzung der Todesstrafe für den Abfall vom Islam, die Einrichtung einer nationalen Kommission für Religionsfreiheit und die Strafverfolgung der Täter im Zusammenhang mit Angriffen auf Kirchen.

Der Traum vom demokratischen Übergang scheint zu Ende

Inzwischen ist die Realisierung derartiger Reformen auf Eis gelegt, scheint der Traum vom demokratischen Übergang im Sudan zu Ende. Am 25. Oktober 2021 putschte nach wochenlangen Spannungen das Militär und entmachtete die bis dahin eingesetzte Übergangsregierung.  Premierminister Abdullah Hamdok, das zivile Gesicht der Regierung in dem nordostafrikanischen Land, wurde durch die Militärs unter Hausarrest gesetzt. Er kam Ende November nach einem Monat unter Hausarrest nach einer Einigung mit General Abdel Fattah al-Burhan, dem Oberbefehlshaber der Armee, auf seinen Posten zurück. Von Machtkämpfen zermürbt erklärte Hamdok am 2. Januar schließlich seinen Rücktritt. Er beklagte die „Zersplitterung der politischen Kräfte“ und die Konflikte zwischen den militärischen und zivilen Teilen der Übergangsregierung. Trotz aller Anstrengungen sei deshalb ein politischer Konsens nicht zustande gekommen. „Ich habe mein Bestes versucht, das Land davon abzuhalten, in die Katastrophe abzugleiten“, sagte Hamdok. Der Rücktritt von Regierungschef Hamdok hatte die Proteste gegen die Militärregierung weiter angeheizt.

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Yunan Tombe Trille, Bischof von El Obeid und Vorsitzender der Bischofskonferenz des Sudan und des Südsudan, sieht einen „sehr heiklen Moment“ für sein Land. Eigentlich habe es bis vor kurzem noch eine Zeit großer Hoffnungen gegeben, die mit dem Ende der Diktatur von al-Bashiir im April 2019 und dem Beginn eines demokratischen Übergangs begann. Laut Fides sagte der Bischof weiter: „Die Menschen sind gespalten zwischen denen, die wollen, dass die Übergangsregierung mit zivilen Ministern weitergeführt wird und die Prinzipien der Demonstrationen von vor mehr als zwei Jahren nicht verrät, und denen, die stattdessen die totale Machtergreifung durch das Militär unterstützen, das ihrer Meinung nach als Eeinziges die tiefe politische Krise lösen und für Brot sorgen kann.“

Das Militär hat nun die alleinige Kontrolle über das Land

Das Militär hat nun die alleinige Kontrolle über das Land.  Starker Mann und de facto Staatsoberhaupt ist derzeit der Chef des Souveränen Rats, General Abdel Fattah al-Burhan. Als treibende Kraft im militärischen Apparat gilt hingegen General Muhammad Hamdan Dagolo, im Sudan eher unter dem Namen „Hemeti“ bekannt. Er kommandiert die paramilitärischen RSF, die Rapid Support Forces, die auch jetzt wieder auf den Straßen Khartums gegen Demonstranten im Einsatz sind.  „Hemeti“ war in Darfur, einer Region im Westen des Sudan, Kommandeur der berüchtigten Janjaweed-Reitermilizen. Der Großteil der RSF-Kämpfer rekrutiert sich aus früheren Janjaweed, die für Völkermordverbrechen in Darfur (2003-2019) verantwortlich waren. Mit Generälen wie ihm und Burhan droht dem Sudan eine Rückkehr in die Zeit unter al-Bashir, dessen ergebene Gefolgsleute beide Militärs waren.

Vorerst aber bleibt die politische Lage im Sudan offen. Dass es eine ausschließlich zivile Regierung künftig geben wird, dürfte wohl eine Illusion sein. Die internationale Gemeinschaft sollte allerdings auf die Militärs einwirken, dass sie die Zivilgesellschaft an der Regierungsbildung beteiligt. Das dürfte auch Ziel eines Vermittlungsversuchs der Vereinten Nationen sein. In einer am Samstag veröffentlichten Erklärung des UN-Sondergesandten im Sudan, Volker Perthes, heißt es, der von den Vereinten Nationen initiierte Prozess ziele auf die Unterstützung der sudanesischen Parteien bei der Suche nach einem nachhaltigen Weg hin zu Frieden und Demokratie.

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