Designierte Familienministerin Lisa Paus

Sie setzt Anne Spiegels Agenda fort

Lisa Paus ist bekennende Feministin und fühlt sich dem linken Flügel der Grünen zugehörig. Aber gegenüber Anne Spiegel hat sie einen Vorteil.
Paus neue Familienministerin
Foto: Fabian Sommer (dpa Pool) | Lisa Paus kommen ihre Kenntnisse in der Finanz- und Haushaltspolitik zugute. Zwei Schwerpunkte hat sie nun bereits angekündigt: Einmal die Bekämpfung der Kinderarmut, zum anderen will sie sich sich um eine ...

Anderer Name, aber die gleiche Agenda: In ihrer inhaltlichen Ausrichtung unterscheidet sich die designierte Bundesfamilienministerin Lisa Paus kaum von ihrer Vorgängerin Anne Spiegel. Die 53-Jährige ist bekennende Feministin und fühlt sich dem linken Flügel der Grünen zugehörig. Ihr Vorteil gegenüber Spiegel: Sie ist eine erfahrene Parlamentarierin – seit 2009 gehört sie dem Bundestag an –, gestählt in zahlreichen Verhandlungen, als finanzpolitische Sprecherin ihrer Fraktion hat sie sich in der letzten Legislaturperiode einen Namen gemacht. Faktoren, die erst einmal dafür sprechen, dass sie bei der Führung ihres Ministeriums mehr administratives Geschick zeigt als ihre Vorgängerin im Amt.

Sie teilt das Schicksal alleinerziehender Mütter

Der Lebenstraum der studierten Volkswirtin war es sicherlich nicht, im Bundesfamilienministerium zu landen. Schuld dafür ist die Logik, nach der bei den Grünen Regierungsposten vergeben werden. Anne Spiegel stand für „linker Flügel“ und „Frau“. Hinter beiden Eigenschaften konnten auch bei Lisa Paus die Parteispitzen ein Häkchen setzen. Zwischenzeitlich war zwar auch immer wieder Anton Hofreiter im Gespräch, der immer noch darauf wartet, dafür entschädigt zu werden, dass er bei der Postenvergabe gegen Cem Özdemir den Kürzeren ziehen musste. Aber „der Toni“ gehört zwar zur linken Fraktion seiner Partei, nur eine Frau ist er nun einmal nicht. Und in letzter Zeit scheint sich Hofreiter auch mehr für Sicherheitspolitik zu interessieren.

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Lisa Paus kommen ihre Kenntnisse in der Finanz- und Haushaltspolitik zugute. Zwei Schwerpunkte hat sie nun bereits angekündigt: Einmal die Bekämpfung der Kinderarmut, zum anderen will sie sich sich um eine Besserstellung von Alleinerziehenden kümmern. Zum letzten Punkt kann sie auch auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen: Sie ist Mutter eines 13-jährigen Sohnes, den sie allein aufzieht. Ihr Lebenspartner ist 2013 an Krebs verstorben. Das Schicksal alleinerziehender Mütter sei ihr gerade mit Blick auf die „Millionen von Frauen und Kinder“ wichtig, die „aus der Ukraine fliehen mussten“.

Besonders viel Energie wird Paus aber sicherlich das Projekt „Kindergrundsicherung“ kosten. Ziel ist es, die finanziellen Leistungen für Kinder seitens des Staates in einem Grundbetrag zu bündeln, der dann für alle Kinder ab der Geburt gezahlt werden soll. Bei der Umsetzung wird auch pragmatische Bodenständigkeit gefragt sein. Vielleicht bring die Lisa Paus sogar mit. Immerhin stammt sie aus einer Unternehmerfamilie aus dem Emsland: Ihre Eltern haben eine Maschinenfabrik gegründet, die jetzt von ihren Brüdern geleitet wird.

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