Würzburg

Season's Greetings ohne Anlass?

Der Dekonstruktivismus beschleunigt den Identitätsverfall, meint der Geschäftsführer der Stiftung für Familienwerte. Unterscheidungsmerkmale würden dabei negiert oder einem neuen Wertekatalog unterworfen.
Weihnachtskarten
Foto: Marcus Brandt (dpa) | „Frohe Weihnachten“ oder gar „gesegnete Weihnachten“ trifft der Käufer kaum noch an. Dafür immer mehr Briefkarten mit profanen trivialisierenden bis hin zu verspottenden Anspielungen auf den hohen Feiertag.

Wer sich auf den Weg macht, geschmackvolle und zudem gehaltvolle Weihnachtsgrußkarten zu finden, muss sich auf eine ausgiebige Suche gefasst machen. Die Auswahl an Brief- und Postkarten in allen denkbaren Farben, Formaten, Schriften, Sprachen ist immens. Aber kaum eine davon vermittelt dem Betrachter einen Hinweis auf das Geschehen in der Heiligen Nacht, dem Ausgangspunkt der Christenheit.

Ein Sammelsurium der neuen Vielfalt

Anstelle eines konkreten Bildnisses der Heiligen Familie mit Krippe in Bethlehem, begegnet mir, der noch vor Jahren ohne Mühe ein Krippenbild von Michelangelo oder Raffael in Kunstdruck en miniature erstehen konnte, ein Sammelsurium der neuen Vielfalt, bestehend fast ausschließlich aus symbolischen Fragmenten wie Sternen, Tannenbäumen und Kerzen, verbunden mit dem Schriftzug „Season's Greetings“.

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„Frohe Weihnachten“ oder gar „gesegnete Weihnachten“ trifft der Käufer kaum noch an. Dafür immer mehr Briefkarten mit profanen trivialisierenden bis hin zu verspottenden Anspielungen auf den hohen Feiertag einer verblassenden Glaubenskultur, die der aufgeklärte, längst säkularisierte Käufer an Gleichgesinnte verschicken kann, ohne Angst haben zu müssen, in die Schublade der Vorgestrigen gesteckt zu werden. Statistische Zahlen belegen, dass inzwischen die Mehrheit unserer Gesellschaft Weihnachten als Ferientage feiert, ohne den konkreten Anlass benennen zu können.

Traurig ist, dass die kulturelle Identitätsvergessenheit durch den Dekonstruktivismus und die Ideologie der Vielfalt beschleunigt wird. Diese sucht nach dem kleinsten Nenner der unterschiedlichen Religionen, indem sie Unterscheidungsmerkmale negiert oder diese einem neuen Wertekatalog unterwirft. So haben Dekonstruktivisten von Cancel Culture darauf bestanden, die Figuren der Heiligen Drei Könige aus dem Ulmer Münster zu entfernen, weil der schwarze Melchior ein Ausdruck von Diskriminierung sei

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