Politik

Scheitert die Integration am Islam?

Soziale Integration ja, kulturelle Integration nein. Ein Gespräch über die Gründe, warum das so ist. Von Oliver Maksan
Lamenting muslims in mosque
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Muslime fügen sich von allen Migrantengruppen am schlechtesten ein. Davon ist der Integrationsexperte Joachim Wagner überzeugt:

Herr Wagner, der Islam gilt vielen als das Integrationshindernis schlechthin. Aber ist diese Annahme wirklich belastbar? Die riesige Mehrheit der Muslime lebt schließlich seit Jahrzehnten friedlich mit der deutschen Bevölkerungsmehrheit Seit an Seit.

Man kann friedlich miteinander oder nebeneinander leben, ohne in die deutsche Wert- und Rechtsordnung integriert zu sein. Die Kluft zwischen Muslimen und Nichtmuslimen ist in den letzten Jahren tiefer geworden. Das negative Islambild in der Mehrheitsgesellschaft und der Rückzug der Muslime in ihre eigene Community als Reaktion darauf sind das Ergebnis eines jahrzehntelangen Entfremdungsprozesses, geprägt unter anderem von der Iranischen Revolution 1979, den Todesflügen des 11. September 2001 und dem islamistischen Terrorismus von Al Kaida und dem „Islamischen Staat“ (IS). Besonders tief ist der Graben zwischen Deutschtürken und Herkunftsdeutschen ­­– als Folge von Erdogans Desintegrationspolitik und Thilo Sarrazins Bestseller „Deutschland schafft sich ab“. Bei keiner anderen Migrantengruppe ist die Distanz zur Bundesrepublik größer als bei den Muslimen, am stärksten ist sie bei den Türkeistämmigen.

Bilden sich zunehmend säkularisierte Deutsche vielleicht die islamische Bedrohung nur ein? Ist also weniger der Islam das Problem, sondern ironiefreie Religiosität allgemein? Könnten mithin nicht auch gläubige Katholiken als unintegriert gelten? Schließlich sehen sie in Sachen Homosexualität, Abtreibung et cetera die Dinge deutlich anders als die Mehrheitsgesellschaft.

Islamskeptische bis islamfeindliche Einstellungen sind in fast allen Ländern Europas verbreitet – unabhängig von der Religiosität der Bevölkerung, zum Beispiel auch in katholischen Ländern wie Polen oder Italien. Die weitgehend säkularisierte deutsche Gesellschaft ist einem anderen Irrtum aufgesessen: Sie hat die Religiosität der Muslime unterschätzt.

Kann man davon sprechen, dass gerade Einwanderer der 2. und 3. Generation sich reislamisieren?

Die Re-Islamisierung der Länder im Nahen und Mittleren Osten hat auch die Muslime in der deutschen Diaspora re-islamisiert – durch weitere Zuwanderung, moderne Kommunikationsmittel, Missionsaktivitäten der Golfstaaten und Abhängigkeiten der muslimischen Verbände von ihren Heimatländern. Die 3. Generation der Muslime – die sogenannte Generation Allah – ist nach Umfragen religiöser als die Generation ihrer Eltern und Großeltern.

Welche Beispiele haben Sie vor Augen, wenn Sie an islamische Integrationsmisserfolge denken?

Integrationshindernisse sind die Ungleichbehandlung der Geschlechter, religiöse Erziehung, ein patriarchalisches Familienbild, ein religiös-moralischer Überlegenheitsanspruch des Islam, die Einteilung der Welt in Gläubige und Ungläubige, die Kultur der Ehre und die versäumte Aufklärung. Nach empirischen Untersuchungen ist rund die Hälfte der Muslime überzeugt, dass es nur eine wahre Religion gibt: den Islam. Diese Haltung erschwert die Eingliederung in pluralistische Gesellschaften mit mehreren religiösen Wahrheiten.

Was genau meinen Sie mit Integration? Und wie verhält sich dies zur Assimilation?

Assimilation – die Identifikation und Übernahme unserer Wert- und Rechtsordnung – ist in unserer Integrationsdebatte geächtet. Niemand fordert, dass etwa Muslime in Bayern Lederhosen tragen sollen. Unter kultureller Integration verstehe ich die Akzeptanz unserer Wert- und Rechtsordnung, zum Beispiel die Anerkennung der Tatsache, dass staatliche Gesetze im Konfliktfall Vorrang vor dem Koran oder der Bibel haben.

Sie unterscheiden zwischen sozialer und kultureller Integration. Wie verhalten sich die beiden Aspekte zueinander?

Unter sozialer Integration verstehe ich Schulerfolg, berufliche Bildung, Studium, Arbeit, Einkommen, Wohnung. Unverzichtbar für den Erfolg und Bildung und Beruf ist aber auch eine kulturelle Komponente: die Sprachkompetenz. Sie ist auch Basis für kulturelle Integration. Ohne gute Deutschkenntnisse sind zum Beispiel keine Kontakte zur deutschen Gesellschaft möglich. Soziale und kulturelle Integration sind Zwillinge.

Wie beurteilen Sie Erfolg oder Misserfolg bei der Integration?: Ist erfolgreich integriert, wer der Solidargemeinschaft nicht auf der Tasche liegt?

Die kulturelle Integration – die Eingliederung in unsere Staats- und Gesellschaftsordnung ­– ist bei der Mehrheit der Muslime gescheitert. Die Verantwortung dafür liegt in erster Linie bei den Muslimen, in zweiter Linie aber auch bei der Politik, die die Bedeutung von Religion und Kultur im Islam unterschätzt hat, und bei Teilen der deutschen Zivilgesellschaft mit ihrer islamkritischen bis islamfeindlichen Haltung. Weil bisher keine befriedigende Definition des Begriffes „kulturelle Integration“ gelungen ist, habe ich ein Drei-Faktoren-Modell entwickelt: dem Wahlverhalten der Deutschtürken beim Referendum über Erdogans Präsidialdiktatur, religiösen Orientierungen und Integrationsindikatoren wie Familiensprache, Kontakte zur Mehrheitsgesellschaft, kulturelle Identitäten, Akzeptanz unserer Wert- und Rechtsordnung.

Beispiele bitte.

Das schlagkräftigste Indiz für das Scheitern der Integration ist das Wahlverhalten von türkeistämmigen Muslimen beim Referendum über Erdogans Präsidialdiktatur. Wenn fast zwei Drittel für die Abschaffung des demokratischen Rechtsstaates in der Türkei gestimmt haben, zeigt dies, dass sie dessen Werte hier nicht verinnerlicht haben. Nach Forschungsergebnissen bewegen sich die Anteile von religiös-konservativen und fundamentalistischen Muslimen zusammen zwischen 55 und 70 Prozent. Bei ihnen ist von einer geringen Integrationsbereitschaft und -fähigkeit auszugehen. Der Anteil der säkularen Muslime pendelt dagegen nur zwischen 16 und 45 Prozent. Bei ihnen ist zu vermuten, dass sie keine Probleme haben, westlich zu leben. Auch wenn sich die große Mehrheit der Muslime zur Integration bekennt, wollen 90 Prozent der Muslime ihre kulturelle Identität in der Diaspora erhalten. Das ist eine legitime Einstellung. Sie erschwert aber die kulturelle Integration.

Das sind nun aber eher nationalistische denn religiöse Integrationshindernisse.

Es gibt gesellschaftliche Bereiche, in denen man bei wesentlich niedrigeren Schwellen als der Hälfte der Muslime von einem Misslingen der kulturellen Integration sprechen muss. Wenn es nach Umfragen für fast die Hälfte der Muslime wichtiger ist, im Konfliktfall den Geboten der Religion Vorrang vor staatlichen Gesetzen und der Demokratie einzuräumen, ist bei ihnen die Integration in unserer Rechtsstaats- und Demokratiekultur fehlgeschlagen. Diese knappe Hälfte hat nicht begriffen, dass das Grundgesetz in unserem Verfassungsverständnis über der Bibel oder dem Koran steht. Unter Muslimen kommen antisemitische Einstellungen im Schnitt fast dreimal so häufig vor wie unter Deutschstämmigen und nicht-muslimischen Zuwanderern.

Nach mehreren Studien gelingt es nur 40 Prozent der Muslime, normale und regelmäßige Kontakte zur Mehrheitsgesellschaft aufzubauen. Nach einer Langzeituntersuchung des Essener Zentrums für Türkeistudien stagnieren die Kontakte zwischen Herkunftsdeutschen und Deutschtürken seit 15 Jahren. Fortschritte bei der Integration in der Freizeit sind empirisch kaum erkennbar – weder bei Kontakten zur Mehrheitsgesellschaft noch bei Mitgliedschaften in Vereinen noch bei interethnischen Ehen.

Beispiel Ehrenmorde: Darf man diese und ähnliche Phänomene tatsächlich dem Islam in die Schuhe schieben? Oder handelt es sich dabei nicht eher um Traditionen, die auf vorislamische Zeiten zurückgehen?

Im Islam sind die Einflüsse von Religion, Kultur und Tradition nicht zu trennen. Der Koran hat viele Traditionen aus vorislamischer Zeit rezipiert, zum Beispiel die Grundmuster des Strafens. Und in islamischen Ländern prägt die Religion in hohem Maße die Alltagskultur. Es gibt aber auch Traditionen wie Ehrenmorde oder Zwangsheiraten ohne religiöse Verortung. Wenn ich von kultureller Integration, Wert- und Kulturkonflikten oder Minderheits- und Mehrheitskultur rede, ist immer ein weiter Kulturbegriff gemeint, der Religion, Kultur und Tradition umfasst. Für mich ist allein entscheidend, ob bestimmte Verhaltensweisen und Einstellungen von Muslimen mit unserer Wert- und Rechtsordnung vereinbar sind. Die Frage, ob sie in der Religion, der Kultur oder der Tradition wurzeln, ist für mich ein akademisches Glasperlenspiel.

Welche Werte müssen Muslime verinnerlichen, damit sie als kulturell integriert gelten können?

Sie müssen verinnerlichen, was ein demokratischer Rechtsstaat ist, also anerkennen, dass auf demokratischem Wege erlassene Gesetze und von unseren Gerichten gefällte Urteile Vorrang vor religiösen Regeln haben. Sie müssen anerkennen, dass unsere Staatsordnung religiös neutral ist. Im Übrigen müssen Wert- und Kulturkonflikte in jedem gesellschaftlichen Bereich ausgefochten werden – durch die Zivilgesellschaft, die ausgefochten werden – durch die Zivilgesellschaft, die Politik, den Gesetzgeber oder die Justiz.

Müssen Muslime dafür Abstriche an ihrem Glauben machen?

Es gibt einen tiefen Dissens zwischen Muslimen und Nichtmuslimen über die Rolle der Religion in Staat und Gesellschaft. In unserem Verständnis sind Glaube und Religion in erster Linie private Angelegenheiten, während der Islam den Anspruch hat, Staat und Gesellschaftsordnung zu prägen – und zwar bis in die Verästelungen des Alltags hinein, zum Beispiel durch unzählige Regeln, was haram oder halal ist.

Reicht das Grundgesetz als Leitstern für Integration? Oder muss sich ein islamischer Migrant in eine deutsche Leitkultur integrieren?

Weder das Grundgesetz noch die deutsche Leitkultur taugen als Leitsterne für die kulturelle Integration. Das Grundgesetz garantiert zwar die Religionsfreiheit, damit ist aber noch lange nicht gesagt, wie weit diese Religionsfreiheit bei Konflikten mit anderen Grundrechten oder dem Gemeinwohl reicht. Diese Konflikte müssen in erster Linie der Gesetzgeber, in zweiter Linie die Rechtsprechung und in dritter Linie die Zivilgesellschaft lösen, zum Beispiel in der Schule, wenn während des Ramadan die religiöse Pflicht des Fastens und die Schulpflicht kollidieren.

Wenn Parteien wie die SPD, die Linke und die Grünen meinen, dass das Grundgesetz als Kompass für die Integration ausreicht, sind sie denkfaul, unehrlich und zu feige, die wahren Probleme der Integration anzusprechen. Dass es eine Wertortung unterhalb des Grundgesetzes gibt, hat der grüne Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer eindrucksvoll beschrieben: Für ihn reicht das Grundgesetz wegen seiner „großen Entfaltungsspielräume“ als Leitstern für Integration nicht aus. Es lässt nämlich nach seiner Auffassung zu, ein „Pascha, eine Umweltsau oder ein Schwulenverächter zu sein, solange man nicht gegen Gesetze verstößt“. Ein Gemeinwesen benötigt daher nach Palmers und meiner Auffassung einen „Konsens über Werte und Normen als eine Art innere Hausordnung“ unterhalb des Grundgesetzes, „um Vielfalt zu leben, ohne die eigene Identität zu verlieren“.

Auch der Begriff der deutschen Leitkultur taugt nur bedingt als Orientierungsmarke für die Integration. In unserer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft gibt es keine Leitkultur mehr, hinter der sich alle politischen Strömungen versammeln können. Es existieren vielmehr mehrere Leitkulturen nebeneinander: liberale, konservative, grüne, linke und multikulturelle. Wenn etwa Migrantenverbände von Leitkultur sprechen, entwerfen sie das Bild einer multikulturellen Zukunftsgesellschaft, in der alle Kulturen gleichwertig sind. Dieser Gesellschaftsentwurf ist meilenweit von den Leitkulturvorstellungen von CDU oder CSU entfernt. Die inhaltliche Ausfüllung des Begriffes Leitkultur ist daher ein Thema der politischen Auseinandersetzung über die Zukunft unserer Gesellschaft.

Seit 2015 hat durch Migration der Anteil der Muslime in Deutschland zugenommen. Der Großteil der Asylbewerber sind Muslime. Ist diese Gruppe überhaupt kulturell integrierbar?

Die Muslime sind nach allen Studien von allen Migrantengruppen am wenigsten integriert – kulturell wie sozial. Nach Umfragen glaubt mehr als die Hälfte, ihrer Heimat in der Türkei, im Irak und in Afghanistan näherzustehen als Deutschland. Und in der Schule, bei der beruflichen Bildung und auf dem Arbeitsmarkt schneiden Muslime mit arabischen und türkischen Wurzeln von allen Einwanderergruppen am schlechtesten ab. Da die muslimischen Neuzuwanderer, die ab September 2015 zu uns gekommen sind, den Einwanderern aus den neunziger Jahren nach Bildungsniveau, sozialer Lage, Bildungsnähe und religiös-konservativen Einstellungen ungefähr gleichen, ist zu befürchten, dass ihre Integration nicht besser gelingt als die ihrer Vorgängergeneration. Im Gegenteil, es ist eine Ballung von Problemen vorauszusehen, die bereits vor der Öffnung der Grenzen ungelöst waren.

Wird aus Ihrer Sicht genügend dafür getan, um die Integrationsfehler der Vergangenheit bei Flüchtlingen nicht zu wiederholen?

Wir investieren jährlich Milliarden Euro in die Integration der Flüchtlinge und ein Heer von ehrenamtlichen Helfern, Lehrern, Sozialarbeitern, Erziehern, Dolmetschern kümmert sich um sie. Auch Teile der Wirtschaft engagieren sich stark, weil sie immer noch davon träumen, einen Teil des Fachkräftemangels mit Hilfe von Zugewanderten lindern zu können. Schon heute ist jedoch abzusehen, dass staatliche Institutionen und gesellschaftliche Aufnahmekapazitäten durch die Massenzuwanderung massiv überfordert sind. Zuzugssperren für Einwanderer in einem halben Dutzend Städte sind erste ernsthafte Indikatoren für diese Überlastung.

Was müssten Staat und Gesellschaft aus Ihrer Sicht tun, um die kulturelle Integration der Muslime voranzutreiben?

Dafür gibt es keine Patentrezepte. Alle westeuropäischen Länder stehen vor denselben ungelösten Integrationsproblemen bei Muslimen. Unter ihnen gehört die deutsche Integrationsbilanz immer noch zu den erfolgreichsten. Am wichtigsten wäre eine radikale Umsteuerung der Zuwanderungspolitik. Wir sollten uns auf den Grundgedanken des Asylrechts und der Genfer Flüchtlingskonvention zurückbesinnen und das auch öffentlich kommunizieren: Beide Regelwerke sollen Flüchtlingen und politisch Verfolgten nur vorübergehend Schutz von Gesundheit und Leben bieten. Sie gewähren Rechte auf Zeit. Nirgendwo steht im Grundgesetz, dass Bürgerkriegsflüchtlinge bei uns zu integrieren sind. Mit Recht fordern daher CSU und FDP, dass zum Beispiel die Syrer nach dem Ende des Bürgerkrieges in ihr Land zurückkehren und beim Wiederaufbau helfen. Jeder Euro für die Wiederaufbauhilfe in Syrien ist besser investiert als für die Integration in Deutschland.

Sollten wir kulturelle Integrationsverweigerung sankt­ionieren?

Nein, Einstellungen und Haltungen können nicht verordnet und daher auch nicht sanktioniert werden.

Muss der Einfluss der Türkei, des Iran et cetera auf hiesige Moscheestrukturen beendet werden?

Aufgrund der Religionsfreiheit gibt es keine rechtliche Handhabe, die Einflüsse und Abhängigkeiten von muslimischen Verbänden und Moscheevereinen von ihren Heimatländern zu beenden. Aber wir können politisch reagieren. Wir können die Gespräche über den islamischen Religionsunterricht und Lehrstühle für islamische Theologie mit den Verbänden aussetzen, ihre Anerkennung als Religionsgemeinschaften weiter blockieren, Mittel für Integrations- und Präventionsarbeit in Moscheevereinen kürzen oder streichen und in einem Untersuchungsausschuss des Bundestages die personellen, finanziellen und religiös-politischen Einflüsse beziehungsweise Abhängigkeiten der muslimischen Verbände von ihren Heimatländern aufklären.

Sind Versuche wie die Islamkonferenz der richtige Weg oder wertet man damit konservative, nicht-repräsentative Verbände auf?

Wir sollten die Islamkonferenz auf jeden Fall fortsetzen, weil sie als Dialogplattform unverzichtbar ist. Aber die Zusammensetzung sollte sich ändern. Die liberalen muslimischen Verbände sollten künftig vertreten sein, ebenso wie Einzelpersonen als Repräsentanten des unorganisierten Islam. Und die Regierungsvertreter sollten die Interessen der Mehrheitskultur gegenüber den muslimischen Verbänden offener und selbstbewusster vertreten als bisher.

Angenommen, eine Bevölkerungsmehrheit wäre in einigen Jahrzehnten islamisch: Wäre nach Ihrer Einschätzung unser heutiges Staats- und Gesellschaftssystem so aufrechtzuerhalten?

Das ist eine hypothetische Frage, auf die ich ungern antworte, weil wir ja nicht wissen, was in den nächsten Jahrzehnten passiert. Vorauszusehen ist allerdings, dass die Wert- und Kulturkonflikte bei uns häufiger und heftiger werden – zum großen Teil aus den muslimischen Heimatländern importiert. Zum Beispiel bei den Auseinandersetzungen zwischen Türken und Kurden. Und wir erleben schon heute, dass aus muslimischen Minderheiten Mehrheiten werden – zum Beispiel in Brennpunktschulen. An Schulen mit muslimischer Mehrheit in der Schülerschaft findet an islamischen Feiertagen entweder gar kein Unterricht oder nur noch ein rudimentärer Unterricht statt – ein Unterrichtsausfall im Widerspruch zur Schulpflicht. In Neukölln hat eine muslimische Mehrheit in der Elternkonferenz beschlossen, dass eine Klassenreise wegen des Ramadans ausfallen soll. Vor einer Umkehrung der Mehrheitsverhältnisse haben viele Lehrer Angst.

Joachim Wagner war bis 2008 Stellvertretender Leiter des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin. Kürzlich ist von ihm das Sachbuch „Die Macht der Moschee. Scheitert die  Integration am Islam?" im Herder-Verlag erschienen.

 

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