Harare

Robert Mugabe: Held, Haudegen oder Halunke

Robert Mugabe kehrte gerne hervor, dass er Katholik war. Als Politiker handelte er aber nicht wie ein Christ.
Zum Tod von Robert Mugabe
Foto: dpa | Während seiner Regierungszeit war Mugabes Kopf in Simbabwe allgegenwärtig. Auch wenn ihm nicht immer Beachtung geschenkt worden ist.

Held, Haudegen oder Halunke? An Robert Gabriel Mugabe, bis vor zwei Jahren Präsident des südafrikanischen Binnenlandes Simbabwe, scheiden sich die Geister. Man blicke in die zahlreichen Nachrufe, nachdem sein Tod am vergangenen Freitag bekannt gegeben worden war. Das ganze Ausmaß der Ambivalenz in seiner Persönlichkeit und seines Wirkens wird allerdings erst aus katholischer Perspektive sichtbar, denn Mugabe war Katholik, bekannte sich auch zur Kirche, erwies sich in entscheidenden Situationen seines politischen Handels aber eher als Antichrist.

Der Pfarrer erkannte die intellektuelle Begabung

Aber der Reihe nach. Geboren im Dorf Kutama, im ländlichen Nordwesten des Landes, kam Mugabe schon in jungen Jahren in Kontakt mit kirchlichem Leben. Er gehört zum Volk der Shona. In ihrer Kultur bleibt „Musha“ (der Geburtsort) ein Leben lang Fixpunkt. Ein identitätsstiftender Ort. Kutama ist bis heute ein Platz intensiver und fruchtbringender Missionstätigkeit. Der junge Robert besuchte hier die Schule und wurde vom örtlichen Pfarrer gefördert. Der erkannte das intellektuelle Potenzial des Jungen. „Während andere Jungs im Busch spielten, las Robert Mugabe in Büchern“, berichtet der simbabwische Jesuit und Publizist Oskar Wermter im Gespräch mit der „Tagespost“. Es folgten Schulabschluss und Lehrertätigkeit in Süd-Rhodesien, wie Simbabwe damals hieß, Ghana und Nord-Rhodesien (das heutige Sambia). Parallel erwarb Mugabe mehrere Hochschulexamen. In Südafrika trat er der Jugendorganisation des linken ANC bei und fand Gefallen am Marxismus, was ihn gegen Afrikas koloniale Ordnung aufbrachte.

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Der Ehrgeiz trieb ihn weiter an. Mugabes aus Südafrika stammende, 2012 verstorbene Biografin Heidi Holland berichtet in ihrem Buch „Dinner with Mugabe“, der Despot sei im Inneren ein „sehr schwacher Mann“, dessen harte Kindheit tiefe Spuren hinterlassen habe: Sein Vater verschwand, als er zehn war, seine zwei älteren Brüder starben, seine Mutter war depressiv. Auch in den Jahren seiner Haft während der Widerstandsjahre gegen das weiße Minderheitsregime Rhodesiens unter Ian Smith habe er nichts anderes getan als zu lesen.

Zweifelhafte Vorstellung von Moral

Zurück nach Kutama, dem Ort seiner Kindheit. Hier war Mugabes Aufstieg zu erleben, aber auch seine zweifelhafte Vorstellung von Moral. Nach zehnjährigem blutigem Guerillakrieg und der Unabhängigkeit Simbabwes im Jahr 1980 ließ sich der neue Regierungs- und Staatschef an Wochenenden gern mit langer Eskorte, Panzerwagen, Soldatentrupps und Blaulicht nach Kutama kutschieren, um dort den Patriarchen zu spielen. Ein bizarres Bild bot sich dann den verdutzten Dorfbewohnern: Ein in feinen Zwirn gekleideter Herr entsteigt einem schwarzen S-Klasse-Mercedes und hält Hof, umgeben von Hühnern und Ochsen.

Großes Lob erntete Mugabe für den Aufbau eines engmaschigen Schulsystems nach der Unabhängigkeit, ebenso förderte er den Gesundheitssektor. Im westlichen Ausland rühmte man Simbabwe für seinen „dritten, afrikanischen Weg“ zwischen Kapitalismus und Kommunismus, weil Mugabe davon absah, nach der Unabhängigkeit die rund 4 000 von weißen Simbabwern geführten Großfarmen zu enteignen.

Auf Großfarmern gründete der Reichtum des Landes

Auf ihnen gründete der Reichtum des Landes, das damals Kornkammer Afrikas genannt wurde. Getreide, Tabak und Baumwolle wurden massenhaft exportiert und brachten Devisen.

Mugabe, Vater der Nation – so verehren ihn viele Simbabwer bis heute. Ebenso gilt er unter Afrikas Staatschefs manchem weiter als Lichtgestalt. Mindestens genauso viele Menschen weinen dem Diktator aber keine Träne nach, darunter sicher die Mehrheit der drei Millionen Flüchtlinge, die das Land aufgrund politischer Verfolgung oder wirtschaftlicher Not verlassen mussten. Darunter auch die Angehörigen der zwischen 1982 und 1987 von Mugabes Truppen massakrierten rund 20 000 Angehörigen der Ndebele, einem Volk im Südwesten Simbabwes, dem Mugabe Aufmüpfigkeit vorwarf. Das westliche Ausland schwieg. Schlimmer noch: Er hofierte Mugabe in den nächsten 15 Jahren – auch das dürfte zu seinem Größenwahn beigetragen haben.

Er nutzte kirchliche Feste gerne als Bühne

„Die eingeschlagene Politik der Aussöhnung gegenüber den Weißen entsprang nicht innerer Überzeugung, sondern reinem Machtkalkül, denn sie nutzte ihm“, sagt Oskar Wermter. Bereits als Guerillaführer habe Mugabe Kritiker verschwinden lassen. Dass Mugabe auch die Kirche für seine Zwecke nutzte, wurde im Westen ebenfalls lange ignoriert. Er liebte die große Bühne bei kirchlichen Hochfesten, doch sonst sah man ihn selten in der Kirche.

Nachdem die katholische Kommission Justitia et Pax die Verbrechen an den Ndebele veröffentlicht hatte, war Mugabe rasend. „Bei einem Empfang der katholischen Bischöfe hat Mugabe einmal über sich gesagt, dass für ihn keine moralische oder ethische Rücksichtnahme zählte“, berichtet Oskar Wermter. „Es gebe in der Politik keinen Raum für geistliche Dinge, so Mugabe. Mit christlichem Idealismus könne nichts erreicht werden.“

Der Ort, an dem Mugabe starb, ist unklar. Er wurde 95 Jahre alt.

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