Ralph Brinkhaus

Der Loyale Rebell. Von Claus Hagen
Ralph Brinkhaus

Ralph Brinkhaus hat nichts Rebellisches an sich. Katholisch, verheiratet, nach dem Abitur Wehrdienst, dann Wirtschaftsstudium, Job in der Industrie und schließlich seit 2009 im Bundestag (stets in Gütersloh direkt gewählt) – auf den ersten Blick hat der 50-Jährige die mehr oder minder durchschnittliche Vita eines CDU-Abgeordneten. Genau das könnte Brinkhaus zum Vorteil gereichen, wenn er nun gegen Volker Kauder antritt, um Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu werden. Dass es hier zu Kampfkandidaturen kommt, ist vollkommen ungewöhnlich. Denn der Fraktionschef gilt als eine Art Hausmeier des Kanzlers (und auch der Kanzlerin). Er hält dem Regierungschef den Rücken frei, sorgt dafür, dass in dessen Sinne abgestimmt wird. Wer den Fraktionschef kritisiert, trifft letztlich den großen Chef. Aber der ist normalerweise in der Union unantastbar. Loyalität ist daher des CDU-Abgeordneten erste Parlamentarierpflicht, normalerweise.

DER LOYALE REBELL

Volker Kauder war zwölf Jahre die durchsetzungsstarke Stimme seiner Herrin. Doch genau das ist jetzt sein Problem. Der Unmut über die Kanzlerin ist in den letzten Monaten stark gewachsen. Der Höhepunkt war der Streit mit der CSU, als Kauder nur mit sichtlicher Mühe den Aufstand unterdrücken konnte. Wenn der Zuchtmeister aber keine Kraft mehr hat, dann, so denkt der Parlamentarier, kann er auch abgelöst werden. Mit Brinkhaus tritt nun jemand an, der aus der Mitte der Fraktion stammt. Und das wirkt auf die konfliktscheuen Christdemokraten mit ihrem Anti-Putsch-Affekt vertrauenserweckend: Er gehört nicht zu den konservativen Kritikern am Rande, ist kein Mitglied des Berliner Kreises. Er sitzt vielmehr als einer der Stellvertreter Kauders auch jetzt schon im Zentrum der Macht. Allerdings hat er, der als solider Finanzpolitiker gilt, immer wieder auch Kritik am Kanzlerinnen-Kurs angedeutet. Nicht so lautstark wie ein Bosbach, aber wahrnehmbar. Trotzdem: Die Wahl von Brinkhaus würde für keine 180 Grad-Wende stehen. Sie wäre eher eine Art Trompetensignal, dass nun die letzte Runde der Ära Merkel beginnt. Die Kanzlerin ist sich vielleicht sogar klar darüber, dass sie es hier mit einem loyalen Rebellen zu tun hat. Und darin eine Chance für sie liegt. Ihr angeschlagener Gefolgsmann Kauder müsste immer mehr Energie aufbringen, mögliche Aufstände frühzeitig zu deckeln. Brinkhaus hingegen könnte souveräner agieren. Und aus dieser Position– das könnte dann der Deal sein – den Übergang der Kanzlerin in den Ruhestand so managen, wie sie es sich vorstellt. ruhig und würdevoll. Man muss genau hinhören, ob Merkel Kauder ihr „vollstes Vertrauen“ ausspricht. Dann wäre die Sache klar.

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