Aleksandar Vucic

Putins Freund auf dem Balkan

Seine Fans preisen ihn als genialen Staatenlenker, Kritiker nennen sein System autoritär und korrupt. Serbiens Präsident Vucic spaltet - und bekennt sich als Bewunderer Putins.
Serbiens Präsident Aleksandar Vucic
Foto: IMAGO/Thomas Imo (www.imago-images.de) | Aleksandar Vucic ist ein sehr mächtiger Mann, der in Serbien fast alle Fänden in der Hand hält.

Für jene, die in Serbien etwas zu sagen haben, ist er schlicht „der Boss“. Seine Fans preisen ihn als genialen Staatenlenker oder, wie Ministerpräsidentin Ana Brnabić, als „besten Lehrer auf der Welt“. Kritiker sprechen von einem autoritären System, von Gängelung der Medien, Korruption und Machtmissbrauch. Aber sie sprechen meist leise und hinter vorgehaltener Hand, denn Serbiens Präsident Aleksandar Vucić ist tatsächlich ein sehr mächtiger Mann, der in Serbien fast alle Fänden in der Hand hält.

Meinungsfreiheit wird nicht groß geschrieben

Nur sieben von 250 Parlamentariern gehören nicht seiner Regierungsmehrheit an, die aus Vucićs SNS (Fortschrittspartei), der sozialistischen SPS und kleineren Parteien besteht. 2020 hatte die Opposition die Wahl boykottiert. Doch auch bei den am 3. April bevorstehenden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen darf sie nicht auf faire Chancen hoffen.

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Am spannendsten sei die Kommunalwahl in Belgrad, denn da könnte die Opposition siegen, meint ein hoher TV-Journalist in Belgrad zu dieser Zeitung – wie gesagt, leise und hinter vorgehaltener Hand. Im Reich Vucićs wird Meinungsfreiheit nicht groß geschrieben. Die meisten Medien üben sich in Personenkult. Der Medienmarkt ist stark konzentriert, der Staat sein größter Geldgeber und Werbekunde, regierungsnahe Unternehmer kontrollieren die meisten Medien. Auch um Demokratie und Gewaltenteilung steht es nicht gut, seit Vucić 2012 Vize-Premier, 2014 Premierminister und 2017 Präsident wurde.

Er bewunderte die Kriegsverbrecher Karadžić und Mladić

Der bekennende Freund und Bewunderer Putins kam 1970 als Sohn eines Ökonomen und einer TV-Journalistin zur Welt, studierte in Belgrad Rechtswissenschaften und arbeitete während des Bosnien-Kriegs als Reporter beim serbischen Propagandasender „Kanal S“. Damals bewunderte er die Kriegsverbrecher Radovan Karadžić und Ratko Mladić. 1993 trat er der Radikalen Partei von Vojislav Šešelj bei – auch er ein Kriegsverbrecher. 1998 ernannte der serbische Diktator Slobodan Milošević ihn zum Informationsminister. Neben Propaganda und verschärfter Zensur bestand seine Aufgabe darin, ausländische Medien des Landes zu verweisen.

Untergehen wollte Vucić mit den nationalistischen Hardlinern aber doch nicht. Weder mit Milošević noch mit Šelšelj, mit dem er 2008 brach, um mit Tomislav Nikolić die SNS zu gründen. Er sei stolz, seine politischen Positionen geändert zu haben, meinte der starke Mann Serbiens lapidar. Zurückhaltend ist er mit der nationalen Vergangenheitsbewältigung. Auch mit Kritik an Putins Krieg hält sich Vucić zurück. Das Geld der EU nimmt er gerne, aber der Herzenspartner ist und bleibt doch der Mann in Moskau.

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Stephan Baier Aleksandar Vučić Kriegsverbrecher Vergangenheitsbewältigung Wladimir Wladimirowitsch Putin

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