Pressestimmen vom 02.10.2018

Der große Kaiser Kangxi sah sich im 17. Jahrhundert befugt, der Kirche zu raten, volkstümliche Praktiken wie den Ahnenkult zu akzeptieren, aber er hätte nie gewagt, der Kirche vorzuschreiben, wen sie als Bischof oder Kardinal einsetzen soll. Der Vatikan weist die Katholiken in Asien – besonders in Taiwan – darauf hin, dass dies eine unbedeutende Veränderung, eine rein freundschaftliche Geste gegenüber der CCP ist, die den chinesischen Katholiken auf kurze Sicht eine harte Behandlung ersparen kann. Die Kirche sollte ihre Scheuklappen abwerfen. Wenn der Vatikan der CCP das Recht einräumt, Bischöfe in China zu ernennen, die ihr genehm sind, dann wird die CCP bald ihr Interesse anmelden, ihr genehme Bischöfe in vielen Teilen Asiens, Afrikas, Lateinamerikas und sogar in Italien voranzubringen. Wo chinesische Investitionen getätigt werden, da folgen die Interessen der CCP auf dem Fuße. Und die Kirche lehrt, die andere Wange hinzuhalten und mit dem Mantel auch das Hemd hinzugeben.

Die Anerkennung vieler namenloser Märtyrer, die in diesen Ländern Verfolgung erlitten haben, um den Samen des Evangeliums zu säen, wird gleichzeitig zu einem Aufruf an die Kirche im Westen, die sich in einer Krise befindet, weil sie weniger auf Gott als auf Ansehen, Reichtum und Macht vertraut. Der Papst wird zum Zeugen eines Katholizismus, der in Jahrzehnten der Verfolgung und des Martyriums Früchte getragen hat, weil die baltische Kirche ihre Hoffnung auf den Schöpfer und nicht auf den Menschen gesetzt hat. Einer Kirche, die in der Lage ist, Mauern einzureißen und Brücken zu bauen mit der Kraft einer widrigen Vergangenheit, die jedoch den Wert der Brüderlichkeit und der Solidarität vermittelt hat. So muss die Kirche im Westen sich wieder Gott zuwenden, um aus sich selbst, aus dem Egoismus und aus der Oberflächlichkeit herauszukommen; sie ist aufgerufen, die Heiligkeit zu suchen von einer Kultur der Begegnung und der Gemeinschaft her, zum religiösen Leben zurückzukehren von ihren starken christlichen Wurzeln her, und mit Mut und Freude den Frieden des Reiches Gottes zu verkündigen.

Was passiert als Nächstes? Man munkelt über kirchenrechtliches Verfahren gegen McCarrick, aber angesichts der Tatsache, dass er 88 Jahre alt ist und diese Dinge viel Zeit brauchen, um in die Wege geleitet zu werden, brauchen wir noch nicht den Atem anzuhalten. Möglich ist, dass der Erzbischof als Strafe in den Laienstand zurückversetzt wird, wie Fernando Karadima. Oder vielleicht erwartet man, dass wir alle diesen armseligen alten Mann in Kansas einfach vergessen. Zwar ist Kansas ziemlich weit weg, aber es wäre wohl nur Wunschdenken zu meinen, dass dieser Skandal einfach in Vergessenheit geraten wird. Von McCarrick werden wir vielleicht nie mehr etwas hören oder sehen, aber sein Geist wird weiterhin in der Amerikanischen Kirche herumspuken – besonders dann, wenn die Umstände, die diesen Skandal ermöglicht haben, unverändert bleiben.

Die rechtsextremen Parteien gewinnen an Boden und versuchen jetzt, die Europäische Union zu erobern, um sie von innen her zu demontieren. Der Strippenzieher hinter diesem Plan ist der US-Amerikaner Steve Bannon, der ehemalige Chefstratege von Donald Trump. So wie er Trump ins Weiße Haus gebracht hat, so hat Bannon sich jetzt vorgenommen, die extreme Rechte in Europa an die Macht zu bringen. Mit diesem erklärten Ziel hat er in Brüssel die politische Bewegung „The Movement“ ins Leben gerufen, um nationalistische Parteien zu koordinieren und zu beraten. Bannon zufolge „werden die rechtspopulistischen nationalistischen Bewegungen in Europa siegen und regieren. […] Italien ist das Herzstück unserer Revolution.“ Dafür ist er mehrmals nach Italien gekommen und hat sich mit Salvini und anderen Regierungsmitgliedern getroffen. [...] Die Unmöglichkeit, die zunehmende Migration aufzuhalten oder alle Migranten aufzunehmen, setzt das Zusammenleben auf dem Kontinent aufs Spiel. In Gefahr ist die Europäische Union – die Institution, die 60 Jahre lang Frieden und Entwicklung garantiert hat.

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