Krisenkommunikation

Politische Führung Fehlanzeige

Die Deutschen vertrauen dem Kanzler in der Krise nicht. Das ist fatal, weil Putin nicht nur in der Ukraine Krieg führt. Ein Kommentar.
Bundeskanzler Scholz
Foto: Kay Nietfeld (dpa) | Was tut Olaf Scholz? Wo ist sein Konzept? Vielleicht in seinem Kopf. Sprechen tut der Kanzler darüber jedenfalls nicht.

Eigentlich müsste jetzt die Stunde der SPD schlagen. Denn wer, wenn nicht die deutsche Sozialdemokratie, wäre dazu berufen, Antworten auf die sozialen Ängste zu geben, die die Deutschen mit Blick auf den Winter umtreiben? Aber das genaue Gegenteil ist der Fall, schlechte Umfragewerte für die Partei wie für den Kanzler unterstreichen: Die politische Führung der Regierungspartei überzeugt die Deutschen nicht.

Die Menschen fühlen sich allein gelassen

Gewiss, da werden Entlastungspakete geschnürt. Und Olaf Scholz gibt alte Fußballslogans als Leitline aus: „You'll never walk alone.“ Aber die Menschen fühlen sich allein gelassen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sieht gar einen „sensibelen Punkt“ erreicht und mahnt seine Partei, endlich zu reagieren. Recht hat er, der Herr Minister.

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Denn die öffentliche Stimmung droht tatsächlich umzukippen. Populisten von links wie rechts reiben sich schon die Hände, sehnen die Krise geradezu herbei, schüren Panik und hoffen auf den großen Knall im Winter. Geraten die politischen Verhältnisse ins Wanken und schlägt dann ihre große Stunde? Bisher sind es freilich nur die Wunschträume der Radikalen. Doch sie spüren wie die aufkommende Panik Wind in ihre Segel treibt.

Aber was tut Olaf Scholz? Wo ist sein Konzept? Vielleicht in seinem Kopf. Sprechen tut der Kanzler darüber jedenfalls nicht. Das kommunikative Versagen des Regierungschefs in der Krise ist geradezu total. Es ist deswegen so fatal, weil Putin nicht nur in der Ukraine Krieg führt. Die fünfte Kolonne des Kreml-Herrschers kämpft auch in Deutschland um die Oberhoheit über die öffentliche Meinung. Steter Tropfen höhlt den Stein, lautet die Devise. Ein Fels in der Brandung muss ein Kanzler in der Krise sein. Doch Scholz lässt seinen grünen Koalitionspartner ungeschützt über wohlfeile Spartipps daher plappern. Putin kann sich über die deutschen Waschlappen freuen.

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