Die Ostermärsche, über Jahre nur noch Veteranentreffen der sogenannten Friedensbewegung von einst, haben neuerdings auch junge Köpfe in ihren Reihen. Der Weltlage sei Dank. Der Ideologie-Cocktail, der dort angeboten wird, ist freilich der alte: naiver Pazifismus gepaart mit Ressentiments gegen die Bundeswehr und die NATO, viel Antiamerikanismus und viele Entschuldigungen für das russische Regime. Bei Fernsehumfragen unter jungen Teilnehmern dort kann man Sätze hören, die alarmieren müssen. Mit Blick auf eine Wehrpflicht heißt es dann etwa, man wisse nicht so recht, was man denn eigentlich an unserem Staat verteidigen solle. Und überhaupt: Der Staat solle den Einzelnen in Ruhe lassen und nicht übergriffig werden, indem er eine Pflicht zur Landesverteidigung proklamiere.
Auch wenn es bei solchen Aussagen manchen in den Fingern jucken sollte, eine große Jugendschelte nach dem Motto „Die sollen sich gefälligst am Riemen reißen“ wäre wohl die schlechteste Reaktion. Eine „Ohne mich“-Haltung ist nun wahrlich kein Spezifikum junger Leute von heute, diese Tendenzen gab es auch schon bei Vätern und Großvätern. Man muss vielmehr die Lage sehen: Offenbar steigt die Zahl junger Deutscher, die nicht grundsätzlich bereit sind, unser Gemeinwesen verteidigen zu wollen. Denn – das muss die traurige Schlussfolgerung sein – dieses Gemeinwesen ist für sie nicht ganz selbstverständlich auch ihr Gemeinwesen. Es wäre zu einfach, die Ursache für diese am Ende brandgefährliche Haltung allein bei den Jugendlichen zu sehen. Denn so eine Einstellung ist eine Folge von Erfahrung.
Wie negativ müssen diese Erfahrungen sein? Hängt es auch damit zusammen, dass das Wohlfahrtsversprechen nicht mehr zu gelten scheint? Angesichts solcher Fragen brauchen wir in Deutschland wieder mehr Mut zu einer Erziehung zu selbstbewussten Staatsbürgern. Auch die kirchliche Jugendarbeit ist hier gefordert.
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