Berlin/Mainz

Öffentlich-Rechtliche: Gegen Einheit hilft nur Vielfalt

Aber eine Fusion von ARD und ZDF würde das Ziel notwendiger Reformen verfehlen. Denn es geht in erster Linie nicht um Verschlankung und Gebührensenkung, sondern um etwas viel Wichtigeres. Ein Gastkommentar.
Weitere Entwicklung zum Rundfunkbeitrag
Foto: Marius Becker (dpa) | Meinungsvielfalt wäre nicht dadurch zu gewinnen, dass weniger Programmdirektoren die Inhalte bestimmen.

ARD und ZDF bedürfen dringend der Reform. Aber eine Fusion, wie sie nun diskutiert wird, würde das Ziel verfehlen. Denn es geht doch in erster Linie nicht um Verschlankung und Gebührensenkung, sondern um etwas viel Wichtigeres, nämlich um die Frage, wozu wir öffentlich-rechtlichen Rundfunk überhaupt brauchen.

Mehr Bildung und Kultur ins Programm

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Die Antwort, denke ich, ist unstrittig. Mehr Bildung und Kultur sollten ins Programm. Mehr von dem, was anderswo nicht zu sehen und zu hören ist. Zu allererst: mehr Meinungsvielfalt statt Mainstreameinfalt. Die Sender sind weitgehend zu Lautsprechern von Regierungspropaganda und grünem Zeitgeist verkommen. So schüren sie zum Beispiel seit einem Jahr die Angsthysterie, predigen harte Maßnahmen und unterstützen ein vernichtendes Pandemieregime.

Eine Fusion allein würde daran nichts ändern. Im Gegenteil. Weniger TV-Programme würden nicht automatisch mehr Qualität bedeuten, allenfalls etwas weniger Fußball und Krimis. Und Meinungsvielfalt wäre nicht dadurch zu gewinnen, dass weniger Programmdirektoren die Inhalte bestimmen. Man stelle sich nur vor, ein ausgewiesener Kulturbanause wie der gegenwärtige ZDF-Intendant Thomas Bellut, der einzig und allein auf die Quote setzt, wäre für das ganze System verantwortlich! „Wir sind Marktführer!“ Diesen Bullshit nehmen ihm die Gremien seit Jahren ab.

Merkelgrüne Monochromie

Die merkelgrüne Monochromie, die linienförmigen Karrieristen an der Spitze und ihre nicht minder untauglichen Aufseher in den Gremien sind der Kern des Elends. Wir brauchen nicht einfach weniger Nachrichtensendungen, politische Magazine und Dokus, sondern andere, verschiedene, solche, die die ganze Debatte spiegeln. Die Sender sollten sich wieder stärker voneinander unterscheiden. Helfen würde allein die Verpflichtung auf den Programmauftrag.

Der Autor ist ehemaliger Redaktionsleiter des ZDF-Kulturmagazins „Aspekte. Er veröffentlichte 2015 „Die Gefallsüchtigen“ (Knaus).

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Wolfgang Herles

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