Abuja

Nigerias Christen sind alarmiert

Christen in Nigeria fürchten islamistische Anschläge an den Feiertagen. Der Staat scheint dagegen machtlos zu sein.
Ukraine-Krieg - Düngemittelfabrik Dangote in Nigeria
Foto: Sunday Alamba (AP) | Der islamische Präsident von Nigeria Muhammdu Buhari (Mitte): Er ändert nichts an der schlechten Sicherheitslage für Christen in seinem Land.

Die Alarmstufe vor  Ostern ist hoch“, sagt Prälat Obiora Ike, von 1998 bis 2009  Generalvikar des Bistums Enugu im Süden Nigerias, gegenüber der „Tagespost“.  Am höchsten Fest der Christenheit war der bevölkerungsreichste Staat Afrikas in der Vergangenheit  wiederholt Schauplatz gewalttätiger Angriffe gegen Christen. Die Gewalt richtete sich jedoch nicht nur gegen Kirchen und christliche Gemeinden, sondern auch gegen islamische Schulen und muslimische Gläubige. Der Terror trug in vielen Fällen die Handschrift der islamistischen Gruppierung Boko Haram, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das Land in einen islamischen Staat zu verwandeln. „Christ sein ist am Karfreitag gefährlich“, betont Obiora Ike. Denn gerade an diesem Tag sei deutlich, dass Christus Zeugnis für Freiheit und für Menschenwürde ablege. Grundwerte einer demokratischen Gesellschaft, die Islamisten missachteten. Gerade Obiora Ike steht für das, was die Islamisten von Boko Haram bekämpfen: jegliche westliche Bildung. Er selbst entging 2002 knapp einem Mordanschlag der Terroristen. Derzeit wirkt er als Direktor der Schweizer Stiftung Globethics.net, die Ethik in der Hochschulbildung fördert.

Überfälle von Islamisten und Banditen an der Tagesordnung

Bereits seit Jahren sind Überfälle von Islamisten und Banditen vor allem im vom Islam geprägten Norden und Nordosten Nigerias an der Tagesordnung. Der Staat scheint dagegen machtlos zu sein, obwohl das Land reich an Rohstoffen ist und sich damit eigentlich Sicherheit für alle Bürger leisten könnte. Obiara Ike prangert dagegen die schlechte Sicherheitslage im Land an, für die der islamische Präsident Muhammadu Buhari, „ein Fanatiker“, verantwortlich sei. Besonders tragisch sei, dass in den letzten fünf Jahren etwa fünfzig Priester getötet worden seien. Dies sei ein Zeichen der unaufhörlichen Bedrohung durch die dschihadistische Bewegung.  Immer häufiger lauern kriminelle Banden auch Priestern auf, um diese zu entführen. Manchmal bleiben sie monatelang verschwunden – ohne Lebenszeichen. Dahinter stecken  Terroristengruppen wie Boko Haram wie auch Banditen. Ein Großteil der Entführten wird vor allem verschleppt, um Lösegeld zu erpressen. In der Region Kaduna wurden allein im März drei Priester entführt. Nach Ansicht von Obiara Ike will man mit den Entführungen von Priestern, die Freiheit und Humanität predigten, Angst in der Bevölkerung verbreiten: „Denn wenn der Schäfer erniedrigt wird, dann sind die Schafe verunsichert und treiben auseinander.“

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In einem Interview mit „Kirche in Not (ACN)“ hatte Ignacio Ayau Kaigama, Erzbischof von Abuja, der Hauptstadt Nigerias, Entführungen und Gewalttaten gegen Priester und Ordensleute als eine Krankheit bezeichnet, „die sich ausbreitet, ohne dass nennenswerte Anstrengungen unternommen werden, sie aufzuhalten“.  Weil das aktuelle Kriegsgeschehen in der Ukraine die Gefährdung von Priestern in Nigeria  überschattet, nimmt die Weltöffentlichkeit davon wenig Notiz. Außer den Chibok-Mädchen haben es Entführungen, unter denen die Bevölkerung im Norden und Nordosten Nigerias leidet, nicht zur weltweiten Anteilnahme gebracht. Im Jahr 2014 hatte die islamistische Terrorgruppe 276 Mädchen aus einer Schule in Chibok im Nordosten des Landes entführt.

Schlechte Sicherheitslage im Land

Ebenso wie Obiara Ike hat inzwischen die katholische Kirche die schlechte Sicherheitslage im Land angeprangert. Die Nigerianer hätten genug von Ausreden und falschen Versprechungen der Regierung im Umgang mit Terroristen, betonte der Bischofskonferenz-Vorsitzende Lucius Iwejuru Ugorji. Dabei nahm Ugorji ausdrücklich Bezug auf den Überfall auf einen Zug auf der Bahnstrecke zwischen der Hauptstadt Abuja und der Stadt Kaduna. Am vergangenen 28. März wurde ein Zug mit etwa 400 Fahrgästen von einem terroristischen Kommando überfallen, das die Gleise in die Luft sprengte und den Zug in Richtung Kaduna auf dem Streckenabschnitt zwischen Rijana und Katari zum Halten zwang. Die Terroristen stiegen in den Zug und eröffneten wahllos das Feuer. Nach Berichten von Reisenden waren die Abteile der ersten Klasse das Hauptziel des Überfalls.

Bei dem Anschlag kamen mindestens acht Menschen ums Leben, etwa 30 wurden verletzt und eine unbekannte Zahl von Reisenden wurde verschleppt. Die Regierung müsse ihre „Vogel-Strauß-Politik“ in Sicherheitsfragen beenden, ihrer Verantwortung für den Schutz von Leben und Eigentum der Bürger nachkommen und die „marodierenden Terroristen und ihre Geldgeber“ unverzüglich entlarven, mahnte der Erzbischof von Owerri in einer auf dem Portal „nigeriacatholicnetwork.com“  veröffentlichten Stellungnahme.

Obiara Ike hat zahlreiche Publikationen verfasst, darunter in deutscher Sprache: „Wende dein Gesicht der Sonne zu“, ein afrikanisches Sprichwort, dessen Redewendung mit „dann fallen die Schatten hinter dich“ endet. Es bedeutet, den Blick in die Zukunft zu richten. Der Autor hat es sich  zur Aufgabe gemacht, Frieden zu stiften zwischen den Christen und Muslimen in seinem Heimatland. Es ist die Osterbotschaft für Nigeria.

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Carl-Heinz Pierk

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