Kommentar um "5 vor 12"

Neue Corona-Beschlüsse: Kein Opfer zu groß

Die Forderungen nach Aussetzung von Präsenzgottesdiensten zeigen: Der Lockdown ist zum Dogma der Politik geworden.
Coronavirus - Beratungen von Bund und Ländern
Foto: Michael Kappeler (dpa/Pool) | Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), nimmt an einer Pressekonferenz im Kanzleramt nach den Beratungen von Bund und Ländern teil.

Aus dem Lockdown in den Lockdown – Kanzlerin und Landesfürsten reagieren mit denselben Maßnahmen auf dieselben Probleme. „Ruhetage“, so nennt das Protokoll die verschärften Auflagen um Ostern. Unter den Lockdownhammer fallen auch die Präsenzgottesdienste. Die „Bitte“ um deren Aussetzung beantwortet die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) damit, man wolle auf die Messe „nicht verzichten“, man werde seinen Standpunkt „in die Gespräche einbringen“. 

Nicht nur die Kirchen sind überrascht worden

Lesen Sie auch:

Aber nicht nur die Kirchen sind überrascht worden und stehen einer willkürlichen Politik gegenüber. Die Republik prägt das Chaos mit Ansage. Im Oktober schwor Angela Merkel die Deutschen auf „schwere Monate“ bis Februar ein. Im März wiederholte sie, es stünden „drei, vier schwere Monate“ bevor. Demselben Motiv entsprechend freute sich der Wirtschaftsminister auf Öffnungen von Einzelhandel und Gastronomie im März. Das Einzige, womit die Bürger rechnen können, ist das Unberechenbare.

Dabei ist der Infektionsschutz Sache der Länder. Thüringen könnte in den Komplett-Lockdown und Mecklenburg-Vorpommern die Hotels öffnen. Statt der Osterbotschaft hält Deutschland ein Dogma im Griff. Es lässt keine Nachfrage zu: etwa, wie aussagekräftig die Inzidenzen sind; ob Covid-19 verstärkt im Messbesuch verbreitet wird; ob der „Impfstau“ kein dringenderes Problem ist; oder was für eine Wirkung eine Verschärfung hat, wenn Europa den Weg aus dem Lockdown sucht.

Von der Unhinterfragbarkeit des Lockdowns sind auch die Ministerpräsidenten gebannt, obwohl sie anders könnten, wenn sie wollten. Für die Forderungen der Kanzlerin tragen sie gleich zwei Opfer zu Grabe: das christliche Osterfest und den deutschen Föderalismus.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Marco Gallina

Weitere Artikel

Im Einsatz in der vierten Welle: Der bayerische Landesgeschäftsführer der Malteser warnt in einem Gastbeitrag davor, dass dem Rettungsdienst angesichts der Corona-Zahlen bald eine ernsthafte ...
30.11.2021, 09 Uhr
Christoph Friedrich

Kirche

Die Attacken von Bischof Georg Bätzing auf Kardinal Kurt Koch sind Zeichen einer Feindseligkeit, die mit dem Synodalen Weg immer mehr um sich greift. Für Rom ist das eine Herausforderung.
06.10.2022, 09 Uhr
Guido Horst
Durch die emotionalisierte Insnzenierung von einem Opfer und einem Täter, der sich entschuldigen soll, wird ein notwendiger Disput im Keim erstickt: der über das Verständnis der Offenbarung.
05.10.2022, 18 Uhr
Dorothea Schmidt
Bischof Rudolf Voderholzer über den Synodalen Weg. Die Beratungen der Bischöfe in Fulda und der Ad-limina-Besuch in Rom im November bewegen die Gemüter.
05.10.2022, 17 Uhr
Regina Einig
Das Projekt des Erzbistum München und Freising hat den Anspruch „die Anliegen queerer Katholikinnen und Katholiken besser zu berücksichtigen sowie Austausch und Beratung für Menschen aus der ...
05.10.2022, 18 Uhr
Meldung