Weihnachten

Nach Vatikan-Kritik: EU zieht Handbuch zu inklusiver Kommunikation zurück

Nach Kritik des vatikanischen Kardinalsstaatssekretärs Parolin zieht die EU-Kommission ein Handbuch zurück, demzufolge Ausdrücke wie „Weihnachten“ oder „Maria und Josef“ nicht mehr erwähnt werden sollten.
Weihnachtskrippe: Figuren einer Krippe aus Wachs
Foto: Friso Gentsch (dpa) | Ein Leitfaden inzwischen zurückgezogener Leitfaden der EU- Kommission wollte Weihnachten, Maria und Josef aus dem Sprachgebrauch der Kommission streichen. Symbolbild: Figuren einer Krippe aus Wachs

Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat Kritik an einem internen Kommunikationshandbuch der EU-Kommission geübt, das Formulierungsempfehlungen zur „inklusiven Kommunikation“ enthielt. Unter anderem sah das Dokuemt vor, dass Ausdrücke wie „Weihnachten“ oder „Maria und Josef“ nicht mehr verwendet werden sollten. Am Dienstag wurde das EU-Dokument nach Protesten zurückgezogen - die EU-Kommissarin für Gleichstellung, Helena Dalli, bot eine Überarbeitung des Leitfadens an, der ihren Worten nach „noch nicht erfolgreich abgeschlossen wurde“.

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Wurzeln nicht vergessen

In einem Beitrag für „Vatican News“ äußerte Parolin, dass er das Vorgehen der EU-Kommission, Formulierungen wie „Weihnachten“ streichen zu wollen, für einen falschen Weg im Kampf gegen Diskriminierung halte. Er sagte: „Die Tendenz geht leider dahin, alles zu vereinheitlichen und nicht einmal die berechtigten Unterschiede zu respektieren." Die christlichen Wurzeln Europas dürften nicht vergessen werden, so Parolin weiter: „Natürlich wissen wir, dass Europa seine Existenz und seine Identität vielen Beiträgen verdankt, aber wir dürfen nicht vergessen, dass einer der wichtigsten Beiträge, wenn nicht sogar der wichtigste, das Christentum selbst war."

Mit dem Ziel, „die Diversität zu reflektieren“, hatte Gleichstellungskommissarin Dalli in einem internen Leitfaden die Verwendung einer Reihe von Formulierungen verbieten wollen. „Meine Damen und Herren“, „Weihnachten“ oder auch der Vorname „Maria“ seien nicht besonders „inklusiv“, heißt es darin. Der Leitfaden war zwecks einer „Reflexion über die Diversität“ und eines Kampfes gegen die „im individuellen und kollektiven Verhalten tief verankerten Stereotypen“ veröffentlicht worden.

Jeder drin 

In einem am 26. Oktober veröffentlichten Tweet zeigte sich die maltesische Kommissarin - mit der Broschüre in der Hand – „stolz“, die auf Englisch verfassten Vorschriften zu lancieren, die für alle „Kollegen der Kommission bestimmt“ seien, damit sich jeder darin wiedererkenne, „unabhängig von seinem Geschlecht, seiner Rasse oder seiner ethnischen Herkunft, seiner Religion oder seinen Überzeugungen, seiner Behinderung, seines Alters oder seiner sexuellen Orientierung“. Nach Informationen der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ sollten für die Funktionäre der unterschiedlichen Generaldirektionen der Institution in der kommende Woche kurze Fortbildungen von anderthalb Stunden Dauer zu diesem Thema starten.

Der EU-Leitfaden führt weiter aus: „Unsere Kommunikation darf niemals unterstellen, dass die Menschen heterosexuell sind, sich mit dem bei ihrer Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren oder sich als binär identifizieren. Daher soll „vermieden“ werden, von „den beiden Geschlechtern“ zu sprechen oder eine Rede mit der Ansprache „Meine Damen und Herren“ einzuleiten, um „intersexuelle oder queere Personen nicht unsichtbar zu machen“. Sogar „die Formulierung ‚homosexuell‘ kann als beleidigend aufgefasst werden“, weil sie „mit einer medizinischen Sicht im Zusammenhang steht und mitunter von ‚anti-gay‘-Aktivisten benutzt wird“.

Ohne Maria 

Man solle darüber hinaus nicht fragen, welches Pronomen eine Person „bevorzugt“, betont das EU-Dokument: „Dies würde unterstellen, dass die Genderidentität eine persönliche Präferenz wäre, was sie nicht ist“.

Der Begriff „Weihnachten“, kommentiert der Figaro, müsse „mit tausend inklusiven Vorsichtsmaßnahmen umgeben werden, wenn man überhaupt noch das Recht hat, dieses Wort auszusprechen“. Denn wenn man sich auf christliche Feste beziehe, bedeutete dies „vorauszusetzen, dass alle Christen sind“, wie im Leitfaden klargestellt wird. Anstatt davon zu sprechen, dass „die Weihnachtszeit stressig sein kann“, empfehle die Kommission: „Die Ferienzeit kann stressig sein“. Eine weitere Empfehlung sei, statt vom „Taufnamen“ vom „Vornamen“ zu reden. Bei Geschichten solle man zudem „keine typischen Vornamen einer Religion wählen“. Statt von „Maria und Johannes“ solle man lieber von „Malika und Julio“ sprechen. Außerdem gelte es, „negative Konnotationen bestimmter Formulierungen“ zu vermeiden. Statt von einer „Kolonisierung des Mars“ zu sprechen, solle man lieber den Ausdruck „die Entsendung von Menschen auf den Mars“ verwenden.

Eindruck von Voreingenommenheit

Inzwischen hat sich, wie die „Katholische Nachrichtenagentur“ (KNA) meldet, auch die EU-Bischofskommission COMECE zu Wort gemeldet. In einer Erklärung heißt es, die Absicht, mündliche und schriftliche Sprache diskriminierungsfrei zu halten, sei zwar zu begrüßen. Doch die Empfehlung für Mitarbeiter der EU-Kommission, auf Ausdrücke wie „Weihnachten“ oder „christliche Namen“ zu verzichten, lasse den Eindruck entstehen, „dass einige Passagen des Entwurfsdokuments von einer antireligiösen Voreingenommenheit geprägt" seien.

Der COMECE-Vorsitzende, Kardinal Jean-Claude Hollerich, betonte laut KNA: „Weihnachten ist nicht nur Teil der europäischen religiösen Traditionen, sondern auch der europäischen Realität". Der Erzbischof von Luxemburg fuhr fort: „Die Achtung der religiösen Vielfalt kann nicht zu der paradoxen Konsequenz führen, das religiöse Element aus dem öffentlichen Diskurs zu verdrängen“.

„Es ist keine Frage von rechts oder links. Es ist eine Frage der Religionsfreiheit und des Respekts vor der Rolle der Religion im politischen Bereich", unterstrich COMECE-Generalsekretär Manuel Barrios Prieto gegenüber der KNA. „Wir hätten uns gleicherweise geäußert, wenn das Thema von Medien anderer politischer Ausrichtungen aufgebracht worden wäre. Selbstverständlich distanzieren wir uns von jeder Art der Instrumentalisierung von Religion." DT/ks

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