Wien

„Marsch fürs Leben“ in Wien: Wetterfeste Lebensschützer

Klitschnass, jung und fröhlich: Der „Marsch fürs Leben“ am Samstag in Wien trotzte Wind, Wetter und Widerständen.
Marsch fürs Leben in Wien
Foto: Eduard Pröls | Nur wenige Abtreibungs-Fans wagten sich in den Regen. Größer, fröhlicher und jünger präsentierte sich die bunte Lebensschutz-Szene in Wien.

Fröhlich, bunt, laut und mehrheitlich jung war der „Marsch fürs Leben“ vergangenen Samstag in Wien. Trotz Dauerregen und dem bereits gewohnten Widerstand gröhlender Schwarzgekleideter fanden sich rund 2.000 überwiegend junge Lebensschützer in der österreichischen Hauptstadt ein. Weder die Zwischenrufe und die bengalischen Feuer der Abtreibungsbefürworter noch das herbstlich-kalte Wetter trübten die lebensfrohe Atmosphäre des Marsches durch die Wiener Innenstadt, der sich als überzeugende Kundgebung dafür präsentierte, beide – Mutter und Kind – zu lieben.

Liebe sei der beste Lebensschutz, sagte Bischof Klaus Küng in seinem Grußwort auf dem Wiener Karlsplatz. „Kinder brauchen eine warme Stube – durch die Liebe ihrer Eltern!“ Küng warb auch für ein „herzhaftes Ja zu einem behinderten Kind“ und für eine Sammel-Bewegung für das Leben. „Lasst Euch durch nichts entmutigen“, rief der emeritierte Bischof von St. Pölten den Teilnehmern des Marsches zu. Der 82-jährige Bischof ist quer durch die Generationen längst ein Vorbild und Idol der österreichischen Lebensschutz-Szene. Er prangerte in Wien die Legalisierung des assistierten Suizids an und warnte vor einer Entwicklung, die die bisher geltende Gewissensfreiheit für Ärzte und Apotheker zunehmend untergrabe: „Niemand darf gezwungen werden, an einer Abtreibung mitzuwirken.“

Wunde einer Abtreibung oft schwer heilbar

Zuvor hatte der Bischof in der Karlskirche die Heilige Messe für die aus dem ganzen Land angereisten Lebensschützer gefeiert. In seiner Begrüßung meinte er: „Wer Gott entdeckt, beginnt immer besser zu begreifen, was die Würde des Menschen ist.“ Auch werde die Verbundenheit mit Christus zur Kraft im Kampf für das Leben. „Die keimende Frucht im Schoß der Schwangeren ist ein Mensch – verschieden vom Körper der Mutter“, sagte Bischof Küng in seiner Predigt. Die Wunde, die eine Abtreibung bei der Frau hinterlasse, sei oft schwer heilbar.

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Die Botschaft der Lebensschützer an die Frauen laute: „Wir helfen euch!“ An die Männer müsse man appellieren: „Steht zu eurem Kind!“ Und jenen Frauen, die abgetrieben haben, müsse man sagen, dass Gott vergibt und heilt. Küng kritisierte die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs, den assistierten Suizid zu legalisieren. „Das ist ein Dammbruch!“ Nun seien weitere Schritte der Liberalisierung zu befürchten, so Küng mit Blick auf eine anstehende Verfassungsklage gegen das Verbot der „Tötung auf Verlangen“. Schwerkranke und Sterbende dürften nicht alleingelassen werden, „aber niemals dürfen wir uns an einem Selbstmord beteiligen“, so Bischof Küng. „Nur Gott ist der Herr des Lebens!“

Frauen werden von vielen Seiten unter Druck gesetzt

Bei der Kundgebung auf dem Karlsplatz sprach sich Sophia Kuby von „ADF-International“ für „Gleichberechtigung für jeden Menschen“ aus – „ob noch im Bauch oder bereits geboren“. Frauen dürften nicht zu einer Abtreibung gedrängt werden, das sei weniger ein politisches Thema als vielmehr eine Forderung der Gerechtigkeit.

„Nehmen wir die Frauen endlich ernst“, forderte Kuby. Frauen sei es zumutbar, ein Ultraschall-Bild des eigenen Kindes zu sehen, bevor sie ihre Entscheidung treffen. Auch brauche es umfassende Information und Hilfe im materiellen und psychischen Sinn. Heute würden Frauen von vielen Seiten unter Druck gesetzt, doch sie hätten etwas Besseres verdient als die Abtreibung ihres eigenen Kindes. Es gebe keinerlei Evidenz dafür, dass es Frauen nach einer Abtreibung besser gehe. Im Gegenteil, die Abtreibung bringe Frauen in eine noch schwierigere Lage, so Kuby mit Verweis auf eine Erhebung, die zeigt, dass 96 Prozent aller Frauen, die eine Abtreibung erwogen und sich dann dagegen entschieden, Abtreibung später als Fehlentscheidung betrachten. „Es steht uns nicht zu, Menschen ihren Wert abzusprechen“, sagte Sophia Kuby.

„Menschenrechte beginnen im Mutterleib“

Trotz des Dauerregens hatten sich in Wien 2.000 Lebensschützer aus unterschiedlichen Initiativen und Bewegungen zusammengefunden – etwa so viele wie im Vorjahr bei spätsommerlichem Sonnenschein. Unter ihnen, wie jedes Jahr, die ÖVP-Abgeordnete Gudrun Kugler und der Präsident der „Plattform Christdemokratie“, Jan Ledóchowski. „Bitte lächeln! Deine Mutter hat sich für dich entschieden!“, „Liebe sie beide!“ und „Menschenrechte beginnen im Mutterleib“, stand auf Schildern und Transparenten. Kleiner als im Vorjahr, aber nicht weniger schrill, fiel der Widerstand der Abtreibungsbefürworter aus. Grüppchen schwarz Vermummter standen Parolen schreiend und lärmend am Straßenrand. Ein Häufchen blockierte den Ring mit einer Straßensperre und bengalischem Feuer und bewarf sogar die Polizei. Auf ihren Plakaten standen geschmacklose und blasphemische Parolen. Etwa: „Hätt Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben.“

Die Lebensschutz-Szene ist Störaktionen längst gewohnt. Sie lässt sich weder von Pyrotechnik noch von hochgereckten Mittelfingern aus dem Konzept bringen. Die Wiener Polizei auch nicht. Sie brauchte nur wenige Minuten, um die Ringstraße wieder zu räumen. 30 Gegendemonstranten wurden festgenommen, 48 Anzeigen ausgesprochen. Die verbale Aggression und spürbare Gewaltbereitschaft der Abtreibungsbefürworter stand in sichtbarem und hörbarem Gegensatz zur fröhlichen Gelassenheit der Lebensschützer aller Generationen. Aber auch das kennt man aus den Vorjahren.

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