Markus Söder

Von Florian Hartleb
Markus Söder

Markus Söder ist ganz oben angekommen, der Stoiberianer wird zum Stoiber. Wer den Franken aber alleine als Machiavellisten darstellt, wird seiner Vielschichtigkeit nicht gerecht. Er ist kein bayerischer Trump – ihn leitet auch Wertebewusstsein nach christlichen Prinzipien. Er war bis zu seiner Wahl etwa berufenes Mitglied der evangelischen Landessynode. Kein Widerspruch: Söder beherrscht das PR-Handwerk von A bis Z. Der promovierte Jurist und beim Bayerischen Rundfunk ausgebildete Journalist arbeitet sich fundiert in Themen ein, erkennt die Zeichen der Zeit wie Heimat und Digitalisierung.

DER TATKRÄFTIGE

Fast jede Ecke des Freistaats bereist er real und via sozialer Medien, Bürgermeister beglückt er mit dem Scheck zum Breitbandausbau.

Der 51-Jährige, jüngster bayerischer Regierungschef der Nachkriegsgeschichte, strotzt vor Tatkraft und Empathie. Ihm gelang es, die bayerische Landtagsfraktion, das eigentliche Machtzentrum der Partei, hinter sich zu scharen und Horst Seehofer zu stürzen. Bayerischer Ministerpräsident wird nun einmal nicht, wer auf den Einsatz von Ellbogen verzichtet. Deswegen gelangte Söders Mentor, Edmund Stoiber, in das höchste Staatsamt, und nicht etwa ein Alois Glück. Sein Fleiß wird mangelnde Sympathiewerte kompensieren, wie einst bei Edmund Stoiber. Beim legendären Politischen Aschermittwoch in Passau machte er Seehofer bereits vergessen, der mit einer Grippe ausfiel. Doch der 68-Jährige verhindert nun aber, dass Söder schalten und walten kann. Er bleibt weiterhin Parteivorsitzender – unverständlich eigentlich ob der Tatsache, dass es nurmehr darum ging, seine Erfahrung in den zähen Koalitionsverhandlungen einzubringen. Diese Legitimationsgrundlage fällt nun weg.

Söder muss nun nach dem Wahldebakel bei der Bundestagswahl danach trachten, Vertrauen zurückzugewinnen, gerade bei der Kernklientel. Die AfD, ohne Struktur und Personal ausgestattet, holte in Bayern ob des Flüchtlingsthemas das beste Wahlergebnis im Westen, reüssierte in Seehofers Wahlkreis Ingolstadt ebenso wie im Bayerischen Wald. In den wenigen Monaten bis zur Landtagswahl braucht es ein zündendes Thema. Bei der letzten Landtagswahl von 2013 katapultierte die plumpe Forderung, PKW-Maut für Ausländer, die CSU nach oben.

Ein derartiges Thema ist derzeit trotz aller neuen Masterpläne nicht in Sicht. Die absolute Mehrheit, einst eine Selbstverständlichkeit, scheint ein Wunschtraum. Für Söder ist aber ein Koalitionspartner – welcher? – ebenso schwer vorstellbar wie ein unabhängiger Kopf neben ihm. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel dürfte er dann unbequem werden.

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