Kommentar: Familie und Groko

Von Jürgen Liminski

Heute sollen die Sondierungen zur Bildung einer Großen Koalition beendet werden. Was im Mittelpunkt des Lebens der meisten Menschen in diesem Land steht, die Familie – die Herkunftsfamilie, die eigene Familie oder die künftige Familie –, stand allerdings nicht im Zentrum der Sondierungen. Das hat mit der Verwirrung der Begriffe zu tun. Schon der griechische Geschichtsschreiber Thukydides wusste: Der Krieg verwirrt die Begriffe. Und um die Familie in Deutschland wogt nun seit Jahrzehnten eine Art Kulturkrieg. Auf der Familienseite (S.26) in dieser Ausgabe berichtet der Pädagoge Albert Wunsch von alltäglichen Scharmützeln in diesem Kulturkrieg anhand von Beispielen aus seiner Praxis. Selbst das Statistische Bundesamt kennt inzwischen mehr als ein Dutzend Definitionen für Familie. Für diese Zeitung ist klar: Es gilt der Familienbegriff, den der Katechismus formuliert. Der lag nicht den Sondierungen zugrunde, weshalb es übrigens auch über den Familiennachzug unterschiedliche, um nicht zu sagen verwirrende Ansichten gibt. Mutter, Vater, Kind(er) ist aber der Begriff, der von der Mehrheit der Menschen in diesem Land gelebt wird, der der Natur des Menschen entspricht und der für das Kindeswohl am besten ist.

Familienpolitik ruht prinzipiell auf drei Säulen: Leistungsgerechtigkeit, Kindeswohl und Wahlfreiheit. Ihr zugrunde lag früher die Familie als Institution. Heute aber zerlegt die Politik die Familie, sie betreibt keine Familienpolitik mehr, sondern Familienmitgliederpolitik, weil für sie die Arbeit außer Haus, die „Erwerbsarbeit der gesellschaftliche Attraktor ist, der alles andere strukturiert“ (Norbert Bolz). Sie ist das Hauptmotiv allen politischen Handelns. Die Parteien der potenziellen Groko betreiben nicht Familien-, sondern Arbeitsmarktpolitik. Für die Familie wäre die Groko deshalb kein Gewinn. Sie ist wie seit Jahrzehnten vor allem auf sich selbst und ihre natürlichen Kräfte gestellt.

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