Hannover

Katholische Akzente für die Politik

In der CDU Niedersachsen hat sich ein Katholischer Arbeitskreis gegründet. Die Initiatoren sehen sich in der Tradition des Politischen Katholizismus und wollen gesellschaftspolitische Akzente setzen.
Debatte um die künftige Aufstellung der CDU
Foto: Michael Kappeler (dpa) | ARCHIV - 23.02.2020, Berlin: Das CDU Logo an der Parteizentrale, dem Konrad-Adenauer Haus vor dem Ausgang der Bürgerschaftswahl in Hamburg. Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Wenn du nicht mehr weiter weißt, gründe einen Arbeitskreis. Dieser Spruch ist üblicherweise im politischen Betrieb zu hören, wenn ein neues Gremium aus der Taufe gehoben wird. „Arbeitskreis“ gilt dann  als Synonym für vertagt, für in das Hinterzimmer verwiesen. Die Initiatoren eines Katholischen Arbeitskreises in der CDU Niedersachsen, der sich Anfang dieses Monats gegründet hat, treibt freilich eine ganz andere Motivation um. Sie wollen Politik aus katholischem Geist aktiv mitgestalten. Wenn man Mirco Weiß, den 38-jährigen Gründungsvorsitzenden des Arbeitskreises, über die künftigen Pläne sprechen hört, wird klar: Diese katholischen Christdemokraten sehen ihre Zukunft nicht im Hinterzimmer, sondern mitten auf der politischen Bühne.

Weiß kann im politischen Bereich auf Erfahrung zurückblicken und ist gleichzeitig auch in der Kirche gut vernetzt. Hauptberuflich ist der verheiratete Vater von Vierlingen Diözesansekretär des Kolpingwerkes im Bistum Hildesheim. In Hildesheim sitzt er auch für die CDU im Stadtrat. Die gute Vernetzung innerhalb der Partei zeigt sich an dem guten Kontakt zur Landespartei, auf die Weiß Wert legt. So habe man sich bewusst dazu entschieden, den Weg eines Arbeitskreises in der CDU zu gehen. Und nicht etwa einen eigenständigen Verein außerhalb der Parteistruktur zu gründen, wie es etwa die „Christdemokraten für das Leben“ sind, so Weiß. Der Vorteil: Man kann Anträge formulieren, die dann auch direkt in den Parteigremien diskutiert werden. Im Mai nächsten Jahres finden in Niedersachsen Landtagswahlen statt. Auch hier wollen sich Weiß und seine Mitstreiter einbringen. Sie arbeiten gerade an einem Positionspapier, das dann auch nach ihrem Willen Eingang in das Wahlprogramm finden soll.

Zentrales Thema: der Religionsunterricht

Ein Thema wird der Religionsunterricht sein: „Wir setzten uns für den konfessionellen Religionsunterricht ein. Im Moment wird in Niedersachsen darüber diskutiert, ob man evangelischen und katholischen Religionsunterricht miteinander kombiniert. Selbst wenn es dazu kommen sollte, muss auf jeden Fall im Kerncurriculum sichergestellt sein, dass die katholischen Schüler in dem Unterricht eine Katechese zur Bedeutung der Sakramente erhalten“, so Weiß gegenüber dieser Zeitung.

Lesen Sie auch:

Schon seit den 50er Jahren gibt es in der Union einen „Evangelischen Arbeitskreis“. Die Begründung damals war: Da die Mehrheit der Mitglieder von CDU und CSU durch den Politischen Katholizismus geprägt sei, müsse das evangelische Element in der Partei durch eine eigene Organisation gestärkt werden. Eine Argumentation, die heute, wo ganz andere gesellschaftliche Verhältnisse gelten, nicht mehr überzeugen kann. Deswegen war auch Mirco Weiß der Meinung, dass es nun an der Zeit sei, ein katholisches Pendant zu gründen. Schnell fand er Unterstützer, darunter auch einige Landtagsabgeordnete wie den Vorsitzenden des Bezirksverbandes Osnabrück-Emsland, Christian Calderone.

„Die Idee hinter der Gründung ist, der katholischen Stimme innerhalb der CDU eine größere Lautstärke zu verleihen“, erläutert Mirco Weiß die Gründungsidee. „In den letzten Jahren konnte man den Eindruck bekommen, dass der Politische Katholizismus immer mehr an Einfluss verliert. Wir sind aber der Meinung, dass  unsere Auffassung zu bestimmten gesellschaftspolitischen  Problemen gerade durch unsere konfessionelle Prägung bestimmt wird. Es geht hier vor allem um existenzielle Fragen wie etwa den Schutz des Lebens an seinem Anfang und an seinem Ende.“ Als Aufgabe für die Zukunft formuliert er: „Unser Ziel ist eine Art ,Regrounding“ des politischen Katholizismus. Also eine Rückbesinnung auf die Inhalte, von der dann auch Orientierung ausgeht.“  Man wolle zu einem Bewusstseinswandel beitragen. „Vor der Bundestagswahl habe ich von manchen Leuten gehört, die sonst auch CDU gewählt haben, dass sie nun bei den Grünen ihr Kreuz gemacht hätten. Mit Verweis auf die Aufgabe, die Schöpfung bewahren zu müssen“, berichtet Weiß. „Natürlich ist das auch ein wichtiger Aspekt. Aber ich habe dann auch gesagt, dass sie einmal das ganze Programm der Grünen lesen sollen, vor allem die Positionen zum Lebensschutz. Man muss sagen: Die Grünen sind für Katholiken eigentlich nicht wählbar. Bewahrung der Schöpfung und Lebensschutz lassen sich nicht voneinander trennen.“

Kontakt zu fremdsprachigen Gemeinden

Ein anderes Arbeitsfeld, das die Gruppe für sich entdeckt hat: Den Kontakt zu fremdsprachigen Gemeinden. Es gebe eine Vielzahl von lebendigen fremdsprachigen Gemeinden. Ob Polen, Kroaten und Italiener, sie alle seien als gläubige Katholiken auch für eine Mitarbeit in der CDU zu gewinnen. Bisher hätten aber, so Weiß, die Christdemokraten dieses Potential zu sehr vernachlässigt. Der Arbeitskreis will hier Abhilfe schaffen.

An einem „Katholischen Arbeitskreis“ können nicht die vielen Diskussionen und Debatten vorbeigehen, die aktuell das kirchliche Leben in Deutschland erschüttern. Muss man sich hier positionieren? Weiß vertritt hier eine klare Linie:  „Wir werden uns aus innerkirchlichen Debatten heraushalten. Unsere Richtschnur ist die gültige katholische Lehre.“

Niedersachsen ist nicht der erste CDU-Landesverband, in dem es einen „Katholischen Arbeitskreis“ gibt. In Sachsen und Thüringen haben sich schon vor einigen Jahren solche Kreise gegründet. Von den ost- und mitteldeutschen Parteifreunden gab nun auch positive Reaktionen. Es wurde gratuliert und natürlich werde man auch über eine künftige Zusammenarbeit im Gespräch bleiben, so Weiß. Vielleicht werden ja demnächst noch weitere Landesverbände folgen? Die Niedersachsen wären gewiss zur Aufbauhilfe bereit.

 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Sebastian Sasse CDU

Weitere Artikel

Putins Staatsterror gegen die Ukraine weist viele Parallelen zu dem von Stalin verordneten Genozid vor 90 Jahren auf.
01.12.2022, 07 Uhr
Stephan Baier
Christliche Politik sitzt immer zwischen den Stühlen von links und rechts, konservativ und progressiv.
29.11.2022, 11 Uhr
Marius Menke
42 Prozent der Deutschen meinen, westliche Politiker sollten sich stärker für verfolgte Christen einsetzen - eine Zahl, die überrascht. Ein Kommentar.
24.11.2022, 17 Uhr
Stefan Meetschen

Kirche

Die Gruppe, die zum kontinentalen europäischen Vorbereitungstreffen der Weltsynode nach Prag fahren soll, repräsentiert die deutschen Katholiken in keiner Weise.
02.12.2022, 11 Uhr
Dorothea Schmidt
Nach russischer Empörung wurden die Internetseiten des Heiligen Stuhls attackiert. Auffällige Parallelen zum Hacker-Angriff auf das Europäische Parlament.
01.12.2022, 12 Uhr
Meldung
Deutsche Stimmen zum römischen Einspruch: Wie soll es weitergehen nach den Referaten der Kardinäle Luis Ladaria und Marc Ouellet?
01.12.2022, 13 Uhr
Redaktion
Mit fremden Menschen auf der Straße über den Glauben sprechen ist das „Back to the roots“ der Evangelisierung.
30.11.2022, 11 Uhr
Franziska Harter