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„Junge Frauen sind eher links, junge Männer denken eher rechts“

Die Debatte über Social-Media-Verbote sorgt für Aufregung. Was denken die Betroffenen darüber? Ein Interview mit dem 19-jährigen Bundesvorsitzenden der Schüler Union, Jakob Hornhues.
Jakob Hornhues
Foto: privat | Was denken eigentlich die Betroffenen? Er ist noch vergleichsweise nah dran: Jakob Hornhues ist 19 Jahre alt und Vorsitzender der Schülerunion.

Die Debatte über ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche sorgte schon im Vorfeld des CDU-Bundesparteitages für viel Aufregung. Schließlich einigte man sich in Stuttgart bereits im Vorfeld auf eine Änderung der Altersgrenze: Nicht bis 16, sondern bis 14 Jahre soll das Verbot gelten. Die Organisation im CDU-Kosmos, die sich genau um die Altersgruppe kümmert, die von so einer Regelung betroffen wäre, ist die Schüler Union. In dem 4000 Mitglieder starken Verband kann man schon ab zwölf mitmachen, die meisten Aktiven sind aber zwischen 16 und 18. Was denkt der Bundesvorsitzende Jakob Hornhues über die Beschlüsse? Und hat die CDU seiner Ansicht nach ein Gespür dafür, welche Themen die Leute seiner Generation umtreiben? Der 19-jährige Bremer hat im Sommer Abitur gemacht und studiert jetzt Politikwissenschaft.

Herr Hornhues, sind Sie mit der Regelung zufrieden, die jetzt getroffen worden ist?

Ich glaube, jetzt ist im Großen und Ganzen der richtige Weg eingeschlagen worden. Die ursprüngliche Fassung, als es also noch um ein Verbot bis zum 16. Lebensjahr ging, haben wir sehr kritisch gesehen. Man kann so ein Verbot nicht bis 16 konsequent durchziehen. Diese Idee griff unserer Ansicht nach deutlich zu kurz. Stattdessen müssen die Schulen stärker in die Pflicht genommen werden. Dort müssen die Schüler Medienkompetenz erwerben. Und da sieht es eher schlecht aus. Durch die Corona-Zeit ist es zwar besser geworden, aber in der Regel sind die Kenntnisse von Lehrern, die zwischen 50 und 60 sind, eher dünn, was TikTok oder Instagram angeht. Diese Generation, ich erlebe das auch bei meinen Eltern, weiß schlichtweg überhaupt nicht, wie wir Jugendlichen über und mit diesen Netzwerken kommunizieren. Und wie wichtig das in unserem Alltag ist.

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Zeigt sich in der Verbotsdiskussion auch eine Art Misstrauen in die Jugendlichen? Nach dem Motto: Die wissen doch überhaupt nicht mehr, wie man richtig miteinander kommuniziert. Deswegen müssen wir jetzt die Daumenschrauben anziehen …

Friedrich Merz hat da einen für die ältere Generation typischen Vergleich gezogen, der so meiner Meinung nach nicht aufgeht: Man schenke ja auch an Grundschüler keinen Alkohol aus. Das ist doch sehr verkürzt. Natürlich brauchen wir auch Regulierung. Etwa mit Blick auf die Gefahren, die von Fake News ausgehen, die zum Beispiel aus Russland oder China gesteuert werden, um hier die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Es geht darum, dass Schüler lernen, kompetent mit diesen Medien umzugehen, um so solche Probleme zu erkennen. Das kann man aber nicht gegen die Jugendlichen machen, sondern nur mit ihnen. Bei der Debatte bisher hatte ich oft den Eindruck: Hier will die Partei vor allem die älteren Wähler ansprechen, die den Eindruck haben, dass ihre Enkel zu viel Zeit mit dem Handy verbringen. Ich finde es deswegen gut, dass der Antrag noch einmal überarbeitet worden ist. Vorher war Bundesfamilienministerin Karin Prien auch auf uns zugekommen und hatte angekündigt, dass ein Kompromiss kommen werde, der zu einer Änderung bei der Altersgrenze führen wird. In den Abstimmungsprozess selber wurden wir jedoch nicht einbezogen.

Aus Ihrer Sicht würde jetzt also eigentlich erst die richtige Debatte beginnen. Weil man langsam zu den tatsächlichen Problemen vorstößt …

Wir müssen jetzt jedenfalls noch mehr ins Detail gehen. Ein wichtiges Thema ist hier zum Beispiel: Pornografie im Internet. Aber das muss jetzt in aller Ruhe angegangen werden. Im Austausch mit den Schulen und anderen Bildungsanbietern.

Zukunft ist bei diesem CDU-Parteitag ein großes Thema. Wie ist Ihr Eindruck: Interessiert die Partei tatsächlich, welche Fragen Ihre Generation mit Blick auf die kommenden Jahrzehnte umtreibt? Es ging ja zum Beispiel auch um die Perspektiven für junge Familien …

Ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass diese Themen noch stärker in den Mittelpunkt der Parteiarbeit gestellt werden müssen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung: Junge Leute müssen mehr einbezogen werden. Die Baden-Württemberg-CDU mit Manuel Hagel ist dabei übrigens vorbildlich. Der ruft auch schon mal bei der Schüler Union an, wenn er wissen will, wie junge Leute zu einem bestimmten Thema denken.

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Gemeinhin gilt ja die Auffassung, junge Leute würden politisch eher links ticken …

Das kann man so nicht sagen. Ich stelle vor allem einen Unterschied zwischen jungen Frauen und jungen Männern fest. Während die Frauen eher links orientiert sind, denken die Männer eher rechts.

Maximilian Krah von der AfD hat mit Videos, die in den Netzwerken teilweise viel Zuspruch hatten, ja bewusst diese junge männliche Klientel angesprochen. Ist da auch die Union gefordert?

Es ist jetzt sicher nicht unsere Aufgabe, auch populistische Videos zu machen. Aber die Union sollte darauf achten, wie sie die junge Zielgruppe besser anspricht. Und deswegen müssen junge politische Talente auch prominent in den Gremien vertreten sein. Es hat sich ja aber schon einiges getan. Der Parteitag hier in Stuttgart war von seiner ganzen Aufmachung her sehr modern. Und es wird in der Partei auch mehr Energie in die Kommunikation in den sozialen Netzwerken gesteckt.

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