Jetzt hilft beten

Einen Tag nach dem Sturz der Regierung Kurz fand ein Gebetsfrühstück im Wiener Parlament statt – Moderiert wurde es von einer ÖVP- und einem FPÖ-Abgeordneten. Von Gudrun Trausmuth
ÖVP-Nationalratsabgeordnete Gudrun Kugler
Foto: privat | ÖVP-Nationalratsabgeordnete Gudrun Kugler moderierte.

Der Termin war schon lange vorher festgelegt worden. Aber das Gebetsfrühstück im österreichischen Parlament stand ganz im Zeichen des abrupten Endes der ÖVP-FPÖ-Koalition und unter dem Eindruck des Sturzes von Bundeskanzler Sebastian Kurz am vergangenen Montag durch das Misstrauensvotum von SPÖ und FPÖ. Seit der „Ibiza-Affäre“ wurden politische Partner über Nacht zu Gegnern; in diesem Kontext hatte die gemeinsame Moderation von Gudrun Kugler (ÖVP) und Christian Ragger (FPÖ), die hauptverantwortlich für die Organisation des Gebetsfrühstücks waren, zeichenhafte Bedeutung. Es sei wichtig „das Verbindende über das Trennende zu stellen“ betonte denn auch Christian Ragger.

„Schön, wenn das Haus zu klein wird“, begrüßte Gudrun Kugler die zahlreichen Anwesenden, Religionsvertreter aus dem Judentum, dem Islam und aus 18 christlichen Konfessionen, allen voran den österreichischen Nuntius, Erzbischof Pedro Lopez Quintana, den St. Pöltner Diözesanbischof Alois Schwarz sowie die Wiener Weihbischöfe Franz Scharl und Stephan Turnovszky. Der Einladende, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, griff in seiner Begrüßung die aktuelle politische Lage auf und verwies darauf, dass es jenseits aller Schwierigkeiten „Jemanden“ gebe, der uns trage und führe. Dieser lasse uns – mit Seitenblick auf das Eingangslied des Events – jeden Tag als „Happy Day“ preisen.

Für den politischen Gegner beten

Nachdem Bernd Rützel, Mitglied des deutschen Parlamentes, von einem wöchentlichen Gebetskreis im Deutschen Bundestag berichtet hatte, rief der Heiligenkreuzer Altabt Gregor von Henckel-Donnersmarck mit der Bibellesung von Lk 6, 27–38 zur Feindesliebe auf und mahnte, diesbezüglich das Gebet nicht aus den Augen zu verlieren: „Wann haben Sie das letzte Mal für Ihren politischen Gegner gebetet?“, fragte er die Teilnehmer.

Veit Schmid-Schmidsfelden, Vertreter der Bundessparte Industrie der österreichischen Wirtschaftskammer, zitierte Kardinal Schönborn: „Christsein heißt, an Jesus Maß nehmen“ und fragte: „Lieben wir die Menschen, die wir führen, oder lieben wir nur ihre Leistung?“

Toleranz und Mitleid arbeitete schließlich Manfred Lütz („Der Skandal der Skandale“) unter anderem als „Erfindungen“ des Christentums in seinem Vortrag heraus. „Wir müssen uns als Christen wieder öffentlich bekennen und auch die Leistungen des Christentums kennen!“, forderte Lütz. „Ich bin katholischer Christ, ich glaube an Gott, ich glaube an die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, der das Heil für alle Menschen will. Ich bin katholisch und das gern, beten wir füreinander!“ Mit jüdisch-christlichen Klängen von den „Kisi-Kids“ und dem Te Deum endete schließlich am Dienstagmittag ein Parlamentarisches Gebetsfrühstück, das tatsächlich für manchen unter den Teilnehmern ein Licht in grauen Tagen bedeutet haben mag.

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