Erzbischof Alfons Nossol

Jenseits aller politischen Lager

Erzbischof Nossol
Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) | Kardinal Karl Lehmann (l.), der Erzbischof von Oppeln (Polen), Alfons Nossol (m.), und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (r.) 2006 in Mainz.

Brückenbauer sind eine seltene Spezies – zwischen Nationen und auch in der Kirche. Erzbischof Alfons Nossol, der am vergangenen Montag sein 90. Lebensjahr vollendet hat, ist im Laufe seines Lebens beides gewesen: ein Brückenbauer zwischen den Nachbarländern Deutschland und Polen sowie ein kirchlicher Brückenbauer. In eine solche Berufung muss man nicht nur einwilligen, sie setzt auch spezielle Begabungen voraus und die Gnade der richtigen Wiege. Alles dies trifft auf Nossol zu: Zunächst besuchte der im schlesischen Brożec (Broschütz) in schlichten Verhältnissen zur Welt gekommene Hirte eine deutsche Schule, nach dem Zweiten Weltkrieg ging es dann auf einer polnischen Schule weiter. Es folgte das Priesterseminar, die Priesterweihe und 1977 die Ernennung zum Bischof des Bistums Opole (Oppeln). Gespendet wurde die Bischofsweihe von dem inzwischen seliggesprochenen Kardinal Stefan Wyszynski.

Die Ökumene war ihm ein Herzensanliegen

Was nebenher weiterlief, war die wissenschaftliche Laufbahn. Mit Mitte 50 wurde Nossol nach Arbeiten über Johannes Hessen und Karl Barth und einigen Jahren in der Forschung zum Universitätsprofessor berufen. Doch nicht nur die Wissenschaft war ihm ein Herzensanliegen, auch die Ökumene. Im katholischen Polen keine Selbstverständlichkeit.

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Internationale Bekanntheit über den Rahmen der Kirche hinaus erlangte der Mann mit der deutschen und polnischen Staatsbürgerschaft aber durch den Versöhnungsgottesdienst 1989 in Krzyżowa (Kreisau), bei dem sich der damalige polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki und Bundeskanzler Helmut Kohl beim Friedensgruß umarmten. Es war wenige Tage nach dem Fall der Mauer in Berlin und somit ein starkes Zeichen der neuen Offenheit zwischen Ost und West über die Gräben des Krieges hinaus. Nossol hat gegenüber „Renovabis“ das historische Ereignis so beschrieben: „Damals ist vieles geschehen. Dreimal hat man mich aufgefordert, dass ich die liturgische Geste des Friedensgrußes weglassen solle. Ich sagte, die Liturgiereform ist verbindlich. Ich müsste, wenn ich den Friedensgruß zwischen Kohl und Mazowiecki weglassen sollte, die Erlaubnis des Vatikans haben. Denn ich bin verpflichtet, die Errungenschaften des Vatikanums umzusetzen. Ich habe so erst gesehen, was für ein großes Symbol der Friedensgruß ist. Der Mensch braucht Symbole.“

In Rom hat man Nossol geschätzt. Johannes Paul II. machte ihn zum Erzbischof ad personam, Benedikt XVI. schickte ihn für zwei Jahre in die Verlängerung. In Polen gilt er als jemand, den man keinem politischen Lager zuordnen kann. Ein Brückenbauer eben.

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