Tokio

Japan sorgt sich um seine Sicherheit

Das militärische Konfliktpotenzial mit China steigt rund um das Inselreich. Japan ist gezwungen, seine nationale Sicherheitsstrategie zu genauer zu definieren.
Fischereistreit zwischen China und Japan
Foto: - (kyodo) | Chinesische Marineschiffe haben hier im ostchinesischen Meer immer wieder japanische Schiffe gerammt, auch Fischerboote, und immer wieder fahren auch chinesische Flugzeugträger in diese Gewässer.

Ist Hokkaido bereits die 32. Provinz von China? Die nördliche Insel Japans ist schon fast in chinesischer Hand. Seit Jahren investieren hier nicht nur große chinesische Firmen, es werden auch Firmen und Land aufgekauft. Überall sind bereits chinesische Schriftzeichen an Hauswänden zu sehen. Besonders am Kauf der Wasserquellen ist China interessiert, denn im Reich der Mitte gibt es wenig frisches Wasser. Hokkaido ist aber nur einer von mehreren Aspekten, durch den die Sicherheit Japans geschwächt und die Chinas gestärkt wird. Dazu kommt noch der verschärfte Ton im Streit um Taiwan sowie um die südlichen japanischen Senkaku-Inseln.

Bis 2049 mit Taiwan "wiedervereinigt"?

Bis zum 100. Jubiläum der kommunistischen Machtübernahme in Festlandschina 2049 will das Reich der Mitte mit Taiwan „wiedervereinigt“ sein. Bis dahin will China die dominierende militärische Weltmacht sein. Japan hat zusammen mit westlichen Großmächten Schutzgarantien für Taiwan gegeben, was längst die Spannung zwischen China und Japan erhöht hat. US-Präsident Biden erklärte kürzlich erst den amerikanischen Beistand für Taiwan im Falle eines chinesischen Angriffs. Japan engagiert sich hier besonders finanziell und hat im Januar einen Vertrag unterschrieben, dass es in den kommenden fünf Jahren etwa neun Milliarden US-Dollar für die Präsenz amerikanischer Truppen auf der japanischen Nansei-Inselgruppe nahe Taiwan ausgeben wird. Bereits der vorige japanische Ministerpräsident Abe hat noch im vergangenen Jahr gegenüber China erklärt, dass ein chinesischer Angriff auf Taiwan auch Krieg mit Japan bedeuten würde.

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Die Antwort aus Peking war, Japan dürfe die Entschlossenheit und Stärke des chinesischen Volkes nicht unterschätzen. Der jetzige Präsident ist da wankelmütiger, wie überhaupt viele Entscheidungsträger in Japan in China involviert und häufig mit Chinesinnen verheiratet sind. Das Sprichwort in Japan dafür ist „Honey-Trap und Money-Trap“; ähnliche Verflechtungen gibt es auch im Westen – der frühere chinafreundliche englische Premier David Cameron arbeitet heute für die Seidenstraße in Europa unter chinesischem Sold.

Japan hat nur eine Selbstverteidigungsarmee

Wie aber ein Eingreifen Japans im Kriegsfall mit China allerdings aussehen könnte, wird noch japanische Juristen beschäftigen. Denn Japan hat nur eine Selbstverteidigungsarmee, die allerdings durch das Bündnis mit Amerika mehr Befugnisse bekommen soll. Aber durch die amerikanischen Militärbasen auf japanischen Inseln ist Japan sowieso Teil eines möglichen Krieges – Okinawa ist der größte militärische Stützpunkt außerhalb Amerikas mit etwa 80 000 Soldaten. Auch sind neue militärische Verbindungen Japans mit Australien geplant. Ob letztlich Japan und Taiwan mithilfe ihrer Bündnispartner zusammen stark genug gegen China sein werden, wird sich zeigen. Und damit kommt ein weiteres Krisengebiet Japans in Bezug auf China in den Blick – die südlichen Senkaku-Inseln. Auf dieser Inselgruppe gibt es nur Gras und Steine, sonst ist sie völlig leer. Dennoch gibt es seit Jahren handgreifliches Gerangel um die Inseln.

Chinesische Marineschiffe haben hier im ostchinesischen Meer immer wieder japanische Schiffe gerammt, auch Fischerboote, und immer wieder fahren auch chinesische Flugzeugträger in diese Gewässer. Der Besitz der Inseln ist schon lange umstritten. Japan musste nach dem Zweiten Weltkrieg Taiwan an China abtreten, aber die Nansei-, Ryukyu- und Senkaku-Inseln blieben zunächst in amerikanischer Verwaltung. Erst am 17. Juni 1971 hat Amerika die Senkaku-Inseln an Japan zurückgegeben, die Japan seit 1895 als Hoheitsgebiet besaß. Ab den 1890er Jahren gab es auf einigen dieser Inseln sogar japanische Fischfabriken und Unternehmen zur Verarbeitung von Albatrosfedern. Zu dieser Zeit waren einige der acht Inseln im Privatbesitz japanischer Bürger. Die Spannung mit China erhöhte sich, als Japan 2012 drei Inseln aus privater Hand kaufte. Virulent sind die Inseln heute auch dadurch, weil hier größere Öl- und Erdgasvorkommen vermutet werden, auch sind die Fischfanggebiete hier ergiebig. Sowohl China wie auch Taiwan beanspruchen diese Inseln.

Wie will Japan dem Giganten China gegenübertreten?

Japan will jetzt seine nationale Sicherheitsstrategie genauer definieren. Das Land muss sich überlegen, wie es dem Giganten China gegenübertreten will. Wie die japanische „Nikkei Asia“ berichtet, verfügt die chinesische Armee über 3,7-mal mehr moderne Kampfflugzeuge als Japan sowie 1,5-mal mehr Schlachtschiffe und 2,5-mal mehr U-Boote. Selbst die japanische Kooperation mit den Pazifikstreitkräften der USA wiegt die militärische Macht Chinas heute nicht mehr auf. Zwar hofft Japan auf friedliche Konflikte, aber bei einer militärischen Auseinandersetzung zwischen China und den USA wäre Japan mit seinen amerikanischen Militärbasen auf jeden Fall dabei. Weil die US-Vormachtstellung in Ostasien schwindet, wird Japan eine offensivere Haltung annehmen und gleichzeitig die Diplomatie verstärken müssen.

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