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Ist Wagenknecht eine Option für die Union?

Sahra Wagenknecht würde zusätzliche Stimmen in ein Bündnis mit der CDU bringen. Doch die Schwarzen sollten zwei Dinge bedenken. Ein Kommentar.
Gründungsparteitag von Bündnis Sahra Wagenknecht
Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur (www.imago-images.de) | Wagenknecht würde zusätzliche Stimmen in so ein Bündnis einbringen, die die Union selbst nicht abgreifen kann, die ihr aber auch nicht verloren gehen würden.

Keine Zusammenarbeit mit der AfD, ebenso keine mit der Linkspartei. So lautet bisher das Hufeisen-Argument der Union im Umgang mit den politischen Extremen. In Thüringen dürfte allerdings dieser Ansatz nach den nächsten Landtagswahlen zu Problemen führen. Denn wie sollte dort, vorausgesetzt, die aktuellen Umfragewerte bleiben bestehen, eine regierungsfähige Mehrheit im Parlament zustande kommen?

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Bringt das Wagenknecht-Bündnis die Rettung aus der schwarzen Bredouille? Gegen diese neue Partei gibt es noch keinen Abgrenzungsbeschluss der Union, schließlich feierte das BSW ja gerade erst Geburtstag. Die neue Partei wird vor allem bei der AfD und den Linken Wähler abgreifen.

Sonst war's das mit der Volkspartei

Wagenknecht würde also zusätzliche Stimmen in so ein Bündnis einbringen, die die Union selbst nicht abgreifen kann, die ihr aber auch nicht verloren gehen würden. In der Thüringer Union scheint jedenfalls mit dieser Option durchaus geliebäugelt zu werden. Und das ist ja auch verständlich. Niemand sitzt schließlich gerne in der Zwickmühle.

Trotzdem sollte die CDU zwei Dinge bedenken: Da ist einmal die ungebrochene Russland-Romantik bei Wagenknecht & Co. Vielleicht spielt das auf Landesebene nicht so eine große Rolle. Das mag man gelten lassen. Aber wer Putin verteidigt, der sagt so auch etwas über sein Menschenbild aus.

Zweiter Punkt: Wagenknecht nennt ihr Bündnis „links-konservativ“. Da ist tatsächlich ein Wähler-Klientel, das lange vernachlässigt worden ist. Die Union muss aber die Frage stellen, warum schafft sie es nicht, aus eigenen Kräften, diese links-konservativen Wähler anzusprechen? Christlich-sozial – war da nicht mal was? Die Union muss raus aus der neoliberalen Falle und wieder den Facharbeiter, verheiratet, mit drei Kindern oder die alleinerziehende Verkäuferin im Einzelhandel, die eine Aufstiegsperspektive für ihre schulpflichtige Tochter will, für sich entdecken. Sonst war's das mit der Volkspartei.

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