Würzburg

Internationale Zeitungsschau vom 01. April 2020

Bischöfe gegen Gender-Selbsterklärung - Der schwedische Sonderweg - Zunehmende Christenverfolgung in Indien - Monopoly im Land der Sowjets.
Internationale Zeitungsschau: The Tablet 28.03.2020
Foto: The Tablet | Das katholische britische Wochenmagazin The Tablet berichtet, dass die acht schottischen katholischen Bischöfe einer von der Regierung vorgeschlagenen Reform zur „Geschlechtsumwandlung“ einstimmig entgegengetreten sind.

Bischöfe gegen Gender-Selbsterklärung

Die acht schottischen katholischen Bischöfe sind einer von der Regierung vorgeschlagenen Reform einstimmig entgegengetreten. Es handelt sich dabei um die Gender Recognition Reform Bill, mit der eine sogenannte „Geschlechtsumwandlung“ durch alleinige Aussage des Betroffenen geregelt werden soll. Chirurgische Eingriffe oder hormonelle Behandlungen wären demnach für eine „Geschlechtsumwandlung“ nicht mehr notwendig. Laut dem Reformgesetz reichte es dann aus, dass beispielsweise ein Mann erklärte, er „fühle“ sich als Frau. Das katholische britische Wochenmagazin The Tablet zitiert aus der gemeinsamen Erklärung der Bischöfe: „Die Kirche glaubt, dass Geschlecht oder Gender nicht auf ein bloßes Konstrukt der Gesellschaft reduziert werden kann, dass es fließend und veränderlich sei.

Indem die legale Transition, wie in der Anhörung vorgeschlagen, von der Medikalisierung abgekoppelt wird und zu einem eigenerklärenden Verfahren übergeht, wird es der Gesellschaft misslingen, den von einer Genderdysphorie Betroffenen die notwendige Unterstützung in Form einer Kontaktaufnahme mit Medizinern zu bieten.“

Der schwedische Sonderweg

Während die Staaten der übrigen Europäischen Union nach und nach Ausgangsbeschränkungen oder -sperren erließen, hat sich die schwedische Regierung zu Gunsten der Wirtschaft und gegen die Gesundheit der Bevölkerung entschieden, wie die französische Wochenzeitung Le Journal du Dimanche feststellt. Vergangenen Freitag vereinbarten die Behörden zwar, Versammlungen mit mehr als 50 Personen zu verbieten. Dennoch sollen die Schulen offenbleiben. Den Berufstätigen wurde Telearbeit empfohlen, doch viele Arbeitnehmer benutzten weiterhin die öffentlichen Verkehrsmittel, um Bars, Restaurants und Parks aufzusuchen. Der schwedische Berater der Weltgesundheitsorganisation, der Epidemiologe Johan Giesecke, ermunterte seine Landsleute sogar, nach draußen zu gehen, um die Frühlingssonne zu genießen. Dennoch verbreitet sich Covid-19 auch in Schweden, wo es bereits mehrere tausende Erkrankte sowie auf Intensivstationen behandelte Patienten und auch Tote gibt. Die schwedische Strategie zielt also darauf ab, die Epidemie durch den Appell an die individuelle Disziplin eines jeden zu verlangsamen, um das Gesundheitssystem, aber vor allem die Wirtschaft des Landes zu erhalten. Regierungschef Stefan Löfven setze dabei eher auf Empfehlungen als auf Verbote, indem er an „die Verantwortung aller Schweden“ appellierte.

Joacim Rocklöv, Professor für Epidemiologie an der Universität Umeaa, teile diese „extrem riskante“ Vorgehensweise jedoch nicht: „Sie könnte funktionieren, aber sie könnte ebenso wahnsinnig in die falsche Richtung gehen“, erklärte er. Auch der finnische Krankenhausmanager Jouko Vanhala, der in einem schwedischen Hospital arbeitet, kritisiert die schwedische Strategie und vergleicht sie mit der seines Heimatlandes, das soeben die Region Helsinki abgeriegelt hat. „Schweden erwartet wissenschaftliche Beweise, während Finnland handelt“, erklärte er im finnischen Fernsehen. In Schweden sei es normalerweise erforderlich, „wissenschaftliche Erkenntnisse über die Dinge zu haben, bevor man eine Entscheidung trifft. Aber bei dieser Sache sind die Experten der Meinung, dass sich Alfred Nobel im Grabe umdrehen würde.“

Zunehmende Christenverfolgung in Indien

Einem neuen Report der „Evangelical Fellowship of India“ (EFI) zufolge zählte die EFI allein in den ersten beiden Monaten des Jahres 2020 mehr als 40 Angriffe auf Christen, wie die Zeitung Christian Today berichtet. Im letzten Jahr waren die Christen Zielscheibe bei 366 Vorfällen, im Vorjahr waren es 325. Die meisten Attacken verliefen in Form von „körperlicher Gewalt, Bedrohungen, Schikanen und Störungen von Gottesdiensten durch religiöse Fanatiker oder die Polizei“. Die Störungen von Gebetstreffen und Sonntagsgottesdiensten seien nunmehr ein Trend in vielen indischen Bundesstaaten. Aufgrund der „Anti-Konversions“-Gesetze seien viele Christen fälschlicherweise der Zwangskonversion bezichtigt und inhaftiert worden. Laut der internationalen Organisation „Release International“ hätten sich die Angriffe auf indische Christen, die nur zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen, verdoppelt, seitdem im Jahr 2014 die hindunationalistische Partei Bharatiya Janata Party an die Macht gekommen war.

Monopoly im Land der Sowjets

Das Spiel „Monopoly“ entstand im Jahr 1935 und wurde kaum ein Jahr später von den Nationalsozialisten verboten. Normalerweise genießen Gesellschaftsspiele eine zeitlich begrenzte Popularität. Anders verhält es sich beim „Monopoly“, wie das französische Monatsjournal Books zu berichten weiß: Man schätzt, dass es von mehr als 500 Millionen Menschen auf der ganzen Welt gespielt wurde und es finden regelmäßig nationale und internationale Turniere statt. Seit kurzem habe das Spiel russische Akzente angenommen: „Neben der offiziellen Ausgabe gibt es auch eine Version mit den Straßen von Nischni Novgorod und eine weitere stark vom Original inspirierte Fassung, die 100 Prozent national sein möchte: ,Millioner Nerioungri‘ (der ,Millionär von Nerioungri‘) spielt sich in der gleichnamigen Stadt in Sibirien ab.“ So habe sich das Spiel von Anfang an, je nach unserer Vorstellung, wie Wirtschaft zu funktionieren habe, entwickelt. Beispielsweise sei im Jahr 2012 eine „kommunistische“ Variante in Polen kreiert worden: das Spiel heißt „Kolejka“ („Schlange“), in Anspielung auf die Menschenschlangen, die sich vor den Kaufhäusern aufgrund der Unterversorgung gebildet hatten, von der alle sozialistischen Ökonomien betroffen waren. In den neunziger Jahren seien das Monopoly-Spiel und seine russischen Klone „die Bibel der neuen sowjetischen Unternehmer“ gewesen, schreibt das Magazin. Und so hatte die Leidenschaft für das Monopoly die UdSSR nicht verschont, „wo das Spiel aufgrund seiner offen kapitalistischen ,räuberischen‘ Ideologie, die es transportierte, verboten war“.

Dennoch wurde es ausgiebig per Hand kopiert und unter der Hand verbreitet: „Der Legende nach sollen Exemplare der englischen Originalversion aus dem Pavillon der Amerikanischen Nationalausstellung mysteriöserweise verschwunden sein, die 1959 im Moskauer Sokolniki-Park stattfand.“ Sie waren es wohl, die für die ersten heimlichen Kopien als Muster gedient hatten. Später waren es sowjetische Diplomaten und Spione in Auslandsmission, die Exemplare des „verbotenen Spiels“ in ihren Koffern nach Hause brachten.

DT/ks

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