Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Gastkommentar

Im Einsatz für gerechten Frieden

Die Bundeswehr bekommt eine neue strategische Ausrichtung. Aufgabe der Militärseelsorge ist es dabei, das Menschliche dort zu behaupten, wo es bedroht ist.
Soldaten nach der Rückkehr aus Mail 2023
Foto: IMAGO (www.imago-images.de) | In Zukunft mehr Landesverteidigung: hier kehren 2023 Soldaten aus dem Mali-Einsatz zurück.

Mit der neuen Gesamtkonzeption militärische Verteidigung zieht Deutschland Konsequenzen aus einer veränderten Wirklichkeit. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, hybride Angriffe und die wachsende Unsicherheit in Europa zwingen dazu, Sicherheit neu zu denken. Dass die Bundeswehr stärker auf Landes- und Bündnisverteidigung ausgerichtet und zur stärksten konventionellen Armee Europas weiterentwickelt werden soll, ist für mich nachvollziehbar. Die Frage ist nicht, ob wir diese Debatte führen, sondern in welchem Geist und mit welchem Ziel.

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Aus christlicher Sicht darf diese Debatte nie in eine Logik der Militarisierung kippen. Friedensethik ist kein Deckmantel für Aufrüstung und kein Segen für politische Strategien. Ihr Maßstab bleibt der gerechte Friede. Gewaltfreiheit behält den Vorrang. Militärische Gewalt kann nur Ultima Ratio sein: rechtlich gebunden, verantwortet, verhältnismäßig und dem Schutz von Leben, Freiheit und Recht verpflichtet. Wehrhaftigkeit kann nötig sein, bleibt aber Mittel, nicht Ziel.

Die Verantwortung der Militärseelsorge

Gerade hier liegt die Verantwortung der Militärseelsorge. Sie ist keine religiöse Flankierung militärischer Strategien, sondern Teil kirchlichen Friedensdienstes. Wo Soldatinnen und Soldaten unter Druck stehen, stärkt sie Gewissen, Urteilskraft und Menschlichkeit.

Sie begleitet Menschen in Belastung, Angst, Schuld, Trauer und moralischen Konflikten. Sie hält den Raum offen für die Frage, was vor Gott und den Menschen verantwortbar ist, und erinnert daran, dass auch im Konflikt die Würde jedes Menschen gilt.

So steht Militärseelsorge nicht für eine Anpassung des Evangeliums an den Krieg, sondern für die Behauptung des Menschlichen dort, wo es bedroht ist. Sie will Gewissen stärken, Frieden im Denken wachhalten und Feindbildern widersprechen. So hilft sie, dass Soldatinnen und Soldaten ihren Dienst konstruktiv-kritisch und wertegeleitet versehen. Gerade so bleibt sie ein Zeichen der Hoffnung: an der Seite der Menschen und im Einsatz für gerechten Frieden.

Der Autor wurde 2011 durch Papst Benedikt XVI. zum katholischen Militärbischof der Bundeswehr ernannt. Seit 2009 ist er Bischof der Bistums Essen.

 

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