Für viele ist er der intimste Kenner des Europäischen Parlaments und ein paneuropäischer Visionär, für andere das Gesicht einer auf Versöhnung gepolten Generation von Heimatvertriebenen und ein leidenschaftlicher Streiter für eine an christlichen Werten orientierte Politik: Bernd Posselt, Präsident der Paneuropa-Union Deutschland, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe sowie zwei Jahrzehnte lang CSU-Europaabgeordneter, feierte am Wochenende in München seinen 70. Geburtstag.
Das tat er so, wie Freunde und Weggefährten ihn kennen: katholisch, böhmisch, bayerisch, europäisch – und kulinarisch. Dem Jubilar und seinem Selbstverständnis entsprechend, begannen die Feierlichkeiten mit einer Dankmesse, die der Augsburger Bischof Bertram Meier in der Münchner St. Michaels-Kirche zelebrierte. Er würdigte Posselts Eintreten für Frieden und Versöhnung, für ein vielfältiges Europa und gegen jeden Nationalismus. „Der Geist Gottes will Menschen zusammenführen – nicht spalten“, begründete Bischof Meier seine (und Posselts) Überzeugung, dass Rassismus, Nationalismus und Egoismus mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar seien.
Er lebt nicht von, sondern für Europa
Beim „Böhmischen Festessen“ im Adalbert-Stifter-Saal des Sudetendeutschen Hauses würdigte der Partei- und Fraktionschef der christdemokratischen EVP, Manfred Weber, Posselt als überzeugten Parlamentarier, der Europa als „Schicksalsgemeinschaft für unsere Werte“ verstehe. Nur gemeinsam könnten die Europäer ihre Lebensweise verteidigen, so Weber, der die Wahrung der europäischen Identität als größte Herausforderung unserer Zeit bezeichnete. Der niederbayerische CSU-Politiker, der die Christdemokraten auf EU-Ebene leitet, warb für eine europäische Verteidigungs- und Außenpolitik ohne Vetorechte. „Christlich motivierte Politik muss Wahrheit im Blick haben, den Kompromiss und das Miteinander“, so Weber. Während das Geburtstagskind selbst darauf insistierte, dass die Gäste schon während der vielen Festreden essen (Sauerkrautsuppe mit Pfefferwurst, dann geschmorten Rinderbraten mit böhmischen Knödeln), überbrachte die bayerische Staatsministerin Ulrike Scharf die Grüße von Ministerpräsident Markus Söder und das Kompliment, Posselt habe „Kolossales geleistet“, zumal in der Versöhnungsarbeit. Er habe sich als „Großmeister der Verständigung“ erwiesen und mit dem Sudetendeutschen Tag in Mähren zu Pfingsten „Brünn für ein Wochenende zum Vorbild für Europa gemacht“.
Als „ehrenamtlichen Europaabgeordneten“ würdigte die hauptamtliche Europaabgeordnete Angelika Niebler ihren langjährigen Kollegen. Tatsächlich deckt Posselt wohl als Einziger die gesamte Geschichte des 1979 erstmals direkt gewählten Europäischen Parlaments ab: von 1979 bis 1994 als Assistent Otto von Habsburgs, dann zwei Jahrzehnte als Europaabgeordneter, seit 2014 als Dauergast der Straßburger Plenarwochen, engagierter Netzwerker und Ratgeber. Doch im Gegensatz zu so manchem einstigen oder aktiven Abgeordneten lebt Posselt nicht von, sondern für Europa. Der in Pforzheim geborene Münchner mit böhmischen und steirischen Wurzeln hat sein Leben der Einigung Europas gewidmet. Und zwar als „zivilisatorische Aufgabe“, wie der Präsident der Internationalen Paneuropa-Union, der Philosoph und frühere Bildungsminister Kroatiens, Pavo Bari(s)i(´c), betonte. Für Posselt sei Europa eine Gemeinschaft von Menschen, Völkern und Kulturen, darum habe er sich Verdienste um die Minderheiten- und Menschenrechte erworben. Sein eigenes Movens offenbarte Bernd Posselt in seiner kurzen Schlussrede: Zum Pessimismus sei er „genetisch unfähig“.
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