Glosse: Gefahr durch die Bundeswehr

Rechte Politikseiten, linkes Feuilleton – nicht nur bei der „Frankfurter Allgemeinen“ war dies lange Zeit ein Erfolgsrezept. Eine gesunde Mischung aus Realismus und Utopie, Verantwortung und Gesinnung kann am besten verhindern, dass man einseitig kippt und kentert. Das muss sich auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gedacht haben. Sorgte sie vor einigen Wochen und Monaten noch mit einer „Attraktivitätsoffensive“ für Aufsehen, welche das Familien- und Seelenleben der Soldaten in den Mittelpunkt stellt, so rückt nun das Traditionsverständnis der Truppe in ihren kritischen Blick. Auch die Änderung von Kasernen-Namen ist kein Tabu mehr. Was wir ausgesprochen begrüßen. Im Feuilleton dieser Zeitung hat der frühere Religionslehrer und Gründer der „Initiative gegen falsche Glorie“, Jakob Knab, in den vergangenen Jahren kompetent und engagiert auf notwendige Namensänderungen hingewiesen – nun ist die Botschaft offensichtlich an der Spitze der Armee angekommen. Steter Tropfen höhlt den Stein. Gut so. Und natürlich hat von der Leyen auch recht, wenn sie eine „Nulllinie“ bei „Wehrmachtsdevotionalien“ ziehen will. Tradition ja, aber bitte keine Pflege dessen, was zwischen 1933 und 1945 (oder, dies sei ergänzt, zwischen 1956 bis 1990 im Osten) militärischer Mainstream war. Dass diese innere Aufräumaktion der Bundeswehr überhaupt nötig ist, hat allerdings schon etwas von einer Posse. Wer hätte gedacht, dass die innere Sicherheit des Landes in dieser Zeit so entscheidend von der eigenen Armee bedroht wird? Stefan Meetschen

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