Das neue Kreuz auf dem Aneto, dem höchsten Gipfel der Pyrenäen, steht wieder. Wie das französische Portal „valeursactuelles“ berichtet, hatte der 18-jährige Franzose Maël Le Lagadec ein selbst gefertigtes, rund 35 Kilogramm schweres Kreuz am 9. Mai auf den Gipfel getragen – als Ersatz für das historische Kreuz, das seit 1951 dort gestanden hatte und kurz zuvor verschwunden war.
Am 22. Mai entdeckten Bergsteiger das von Le Lagadec errichtete Kreuz an einem Kamm unterhalb des Gipfels. Offenbar war es aus seiner Verankerung gerissen und in die Tiefe geworfen worden. Noch am Vortag hatten Fotos gezeigt, dass es auf 3.404 Metern Höhe aufrecht stand.
Le Lagadec reagierte auf „X“ mit deutlichen Worten: „Wieder einmal wurde das Kreuz von Aneto mutwillig beschädigt. Die Respektlosigkeit einiger weniger hat ein Symbol besudelt, das viel mehr darstellt als nur ein Stück Holz, das auf dem Gipfel eines Berges steht.“ Zugleich rief er dazu auf, nicht aufzugeben: „Aber ich weigere mich, aufzugeben. Die Berge lehren uns genau das Gegenteil: aufzustehen, weiterzumachen und trotz der Stürme standhaft zu bleiben. Anstatt also zu jammern, lasst uns handeln. Lasst uns zeigen, dass Respekt immer stärker sein wird als Dummheit.“
Schon tags darauf brachten zwei spanische Bergsteiger das Kreuz zurück auf den Gipfel und befestigten es wieder auf seinem Sockel. Einer der Beteiligten, José Román, schrieb auf Instagram: „Unsere Freiheit endet dort, wo die Freiheit der anderen beginnt, und wenn man diese Grenze überschreitet, verletzt man die Rechte aller. Das Kreuz auf dem Aneto steht seit 1951 auf diesem Gipfel und die Virgen del Pilar seit 1956 – das ist lange bevor die meisten von uns, die gestern den Gipfel erklimmen konnten, überhaupt geboren wurden. RESPEKT UND FREIHEIT.“
Für viele Bergfreunde ist das Kreuz nicht nur ein religiöses Zeichen, sondern Teil der kulturellen Landschaft der Pyrenäen. Le Lagadec hatte betont, er wolle „das Kulturerbe bewahren und das Alte wiederherstellen“. Die schnelle Wiederaufstellung wird daher als Zeichen des Respekts gegenüber einem Erbe verstanden, das Generationen von Bergsteigern verbindet.
Der Vorfall zeigt zugleich, wie umstritten religiöse Symbole in Naturräumen geworden sind. Während Kritiker Gipfelkreuze ablehnen, sehen viele Bergsteiger in ihnen ein kulturelles Vermächtnis.
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