Wien

Gegen das Leben

Wo immer Menschen friedlich für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder demonstrieren, schlägt ihnen hasserfüllter, gewaltbereiter Fanatismus entgegen. Wie ist das zu erklären? Ein Kommentar.
Wien: Marsch fürs Leben
Foto: Eduard Pröls | Die Lebensschutz-Szene ist heute jünger, frischer und vernetzter, was zuletzt in Wien beim Marsch fürs Leben gut sichtbar wurde.

Woher rührt dieser Hass? Wo immer Menschen friedlich für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder demonstrieren, schlägt ihnen hasserfüllter, gewaltbereiter Fanatismus entgegen. So auch am vergangenen Samstag beim "Marsch fürs Leben" im Zentrum von Wien. Gäbe es bei diesem Thema unvoreingenommene Beobachter, so müssten sie wohl bereits Farbgebung und Tonalität überzeugen: Da waren auf der einen Seite bunte, fröhliche, friedliche Menschen, die für das Wohl von Kindern und Müttern warben, ihre Argumente und Gefühle vortrugen, ohne irgendjemanden zu attackieren oder zu verurteilen. Und auf der anderen Seite düstere, vermummte Aktivisten, die Hass- und Hetzparolen schrien, das Gegenüber verhöhnten, bedrohten und beleidigten.

Warum müssen sie bedrohen und beleidigen?

Woher also dieser Hass? Warum können Abtreibungsbefürworter Argumenten nicht Gegenargumente und den fremden Emotionen nicht ihre eigenen Emotionen entgegenhalten? Warum müssen sie die anderen bedrohen und beleidigen? Mit der zweifellos erkennbaren allgemeinen Tendenz zur Hysterisierung in der politischen Auseinandersetzung ist dieses Phänomen nicht wirklich erklärbar. Die Parolen und die gesichtslos agierenden Agitationsgruppen haben sich ja seit Jahrzehnten kaum verändert. Jünger, frischer und vernetzter ist heute lediglich die Lebensschutz-Szene, was zuletzt in Wien gut sichtbar wurde.

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Die Frage ist zwei Jahrtausende alt: Warum zieht der Friedfertige den Hass des Gewaltbereiten auf sich? Warum gibt es Menschen, die meinen, die einfache Wahrheit und ihre Argumente niederschreien zu müssen? Eine Parole der Abtreibungsfans - als Beleidigung gemeint - entlarvt ihr finales Motiv: "Hätte Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben."

In der Tat: Marias Ja zum Leben wendet die Geschichte und weist den in die Schranken, den Jesus als "Vater der Lüge" und "Mörder von Anbeginn" bezeichnet. In der Tradition dieses marianischen Ja zum Leben stehen auch die Lebensschützer von heute. Wundert es da wirklich, dass sie den Hass und die Gewaltbereitschaft der Gegenseite auf sich ziehen?

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