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Friedensordnung in Europa: Die Kraft der Soziallehre

Angesichts der anhaltenden Konflikte auf dem Kontinent diskutieren internationale Experten und Kirchenvertreter in Luxemburg über die Neugestaltung einer europäischen Friedensarchitektur. Im Zentrum stand die Frage, welchen konkreten Beitrag die Katholische Soziallehre in einer Zeit der geopolitischen Instabilität leisten kann.
Mauersegment vor dem Europa Museum in Schengen
Foto: Sascha Steinach via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Passenderweise ausgerechnet in Luxemburg, einem der Gründungsorte der europäischen Einigung, wurde der kirchliche Appell laut, die ethischen Wurzeln des Kontinents zu festigen, um den Herausforderungen einer ...

In einer Welt, die zunehmend von Polarisierung und kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt ist, suchte die Konferenz „Peace Re-building in Europe“, die am vergangenen Freitag in Luxemburg stattfand, nach einem ethischen Kompass für die Zukunft. Veranstaltet von der Stiftung Centesimus Annus Pro Pontifice in Zusammenarbeit mit der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE), versammelte die Tagung hochrangige Vertreter aus Kirche, Politik und Wissenschaft.

Gerechtigkeit als Fundament des Friedens

In seiner Grundsatzrede betonte der Präsident der COMECE, Mariano Kardinal Crociata, dass ein dauerhafter Friede weit über die bloße Abwesenheit von Waffen hinausgehen müsse. Bezugnehmend auf die christliche Tradition und die Enzykliken der Päpste verdeutlichte er, dass Friede untrennbar mit der Gerechtigkeit und der Anerkennung der Menschenwürde verbunden ist. Crociata warnte davor, den Frieden lediglich als Ergebnis machtpolitischer Verhandlungen zu betrachten. Vielmehr brauche es eine „Kultur der Geschwisterlichkeit“, die auch die sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten in den Blick nimmt, welche oft den Nährboden für Konflikte bilden.

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Die Teilnehmer der Konferenz erörterten, wie die Prinzipien der Subsidiarität und Solidarität auf die europäische Sicherheitspolitik angewandt werden können. Dabei wurde deutlich, dass die Kirche nicht nur als moralische Mahnerin auftritt, sondern durch die Soziallehre ein konkretes Instrumentarium zur Verfügung stellt, um Institutionen zu stärken und das Vertrauen zwischen den Völkern wiederaufzubauen.

Die Rolle der Laien und Institutionen

Ein Schwerpunkt der Debatten lag auf der Verantwortung der Zivilgesellschaft. Die Stiftung Centesimus Annus hob in ihrer offiziellen Erklärung hervor, dass insbesondere christliche Laien in Wirtschaft und Politik gefordert seien, die christliche Sozialethik in ihren jeweiligen Wirkungskreisen lebendig werden zu lassen. Europa dürfe sich nicht in nationalen Egoismen verlieren, sondern müsse seine Identität als Friedensprojekt wiederentdecken.

Die Veranstaltung, die per Livestream einem breiten internationalen Publikum zugänglich gemacht wurde, unterstrich die Aktualität der kirchlichen Friedenslehre. Passenderweise ausgerechnet in Luxemburg, einem der Gründungsorte der europäischen Einigung, wurde der kirchliche Appell laut, die ethischen Wurzeln des Kontinents zu festigen, um den Herausforderungen einer multipolaren Weltordnung gewachsen zu sein.

Ein Ruf nach diplomatischer Kreativität

Abschließend formulierten die anwesenden Experten verschiedener europäischer Bischofskonferenzen die Notwendigkeit einer „diplomatischen Kreativität“. Die Katholische Soziallehre biete hierfür den nötigen Tiefgang, um über kurzfristige strategische Interessen hinaus eine Vision für ein geeintes und friedliches Europa zu entwickeln. Der Kongress in Luxemburg will die Gewissheit vermitteln, dass ohne ein festes ethisches Fundament jede Friedensordnung fragil bleibt. Es sei nun an den politischen Entscheidungsträgern, diese Impulse in konkretes Handeln zu übersetzen.

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Thomas Philipp Reiter

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