"Recht" auf Abtreibung in Verfassung

Frankreich: Bischöfe positionieren sich in Abtreibungsdebatte

In Frankreich könnte bald ein „Recht“ auf Abtreibung in die Verfassung aufgenommen werden. Die Bischöfe zeigen sich besorgt.
Demonstration gegen Abtreibung in Paris 2019
Foto: Thibault Camus (AP) | Szene aus Paris im Jahr 2019: Französische Lebensschützer demonstrieren gegen ein "Recht" auf Abtreibung.

Mit einer am Freitag veröffentlichten Erklärung hat sich der Ständige Rat der französischen Bischofskonferenz am Freitag in die Debatte um die Aufnahme des „Rechts“ auf Abtreibung in der Verfassung eingeschaltet. Die französischen Bischöfe zeigen sich angesichts eines diesbezüglichen Gesetzesvorhabens besorgt. „Jedes Leben ist ein Geschenk für diese Welt, ein zerbrechliches und kostbares Geschenk, unendlich würdig, das von seinem Beginn bis zu seinem natürlichen Ende anzunehmen und dem zu dienen ist“, bekräftigen sie in der Erklärung.

Mit 220.000 Abtreibungen jährlich trauriger Spitzenreiter

In ihrem Text erinnern die französischen Bischöfe daran, dass Frankreich mit 220.000 Abtreibungen pro Jahr trauriger Spitzenreiter in Europa ist. „Wie können wir diese dramatische Realität nur als Ausübung eines Rechts für Frauen oder gar als Fortschritt betrachten? Ist sie nicht vor allem das Zeichen einer ganzen Gesellschaft, die darin versagt, diejenigen, die es bräuchten, zu erziehen, zu begleiten und sozial, wirtschaftlich und menschlich zu unterstützen?“, fragen die Bischöfe angesichts der steigenden Abtreibungszahlen.

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Das biblische Gebot „Du sollst nicht töten" sei im Bewusstsein aller Menschen verankert und vertraue jeden Menschen der Verantwortung seiner Mitmenschen an. „Für die ungeborenen Kinder sind wir in gewisser Weise alle verantwortlich“, so die französischen Hirten wörtlich, um dann zu fragen: „Wäre es also nicht ein echter Fortschritt, wenn wir uns alle gemeinsam, Gläubige und Nichtgläubige, dafür einsetzen könnten, dass der Empfang des Lebens mehr Hilfe und Unterstützung erfährt?“ Die Bischöfe weisen besonders auf die Paare und Frauen hin, die „nicht wirklich die Wahl haben und ihr Kind aufgrund der sozialen, wirtschaftlichen und familiären Zwänge, die auf ihnen – und allzu oft auf ihnen allein – lasten, nicht behalten können“.

Die Erklärung schließt mit dem Versprechen, dass die Katholiken weiterhin an der Seite vieler Männer und Frauen guten Willens „den Rechten und der Würde der Schwächsten“ dienen werden und für die Paare und Frauen beten, die mit dem „Drama der Abtreibung“ konfrontiert sind. Abschließend danken die Bischöfe allen, die „helfen, begleiten, zuhören, unterstützen, trösten, ohne zu urteilen“ und den Abgeordneten, die den Mut haben, sich für eine Kultur des Lebens einzusetzen.

Am 24. November hatte die französische Nationalversammlung mit großer Mehrheit für einen Gesetzesvorschlag gestimmt, mit dem das „Recht“ auf Abtreibung Verfassungsrang erhalten soll. Bevor eine entsprechende Änderung der Verfassung in Kraft treten kann, muss der Vorschlag auch vom Senat angenommen werden. Im letzten Schritt müsste ein frankreichweites Referendum erfolgen.  DT/fha

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