Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung ZEITENWENDE

Faszinosum Bitcoin

Die Kryptowährung gewinnt ihren Reiz aus Endlichkeit und Unabhängigkeit. Man braucht Geduld und Durchhaltevermögen, schreibt Maja Maletzki.
Nahaufnahme von symbolischen Bitcoins
Foto: IMAGO/Udo Herrmann (www.imago-images.de) | Bitcoins kaufen und halten lohnt sich, Im Bild: Nahaufnahme von symbolischen Bitcoins.

Bitcoin ist allerspätestens seit dem 10. Januar  im Mainstream der Investmentwelt angekommen, als die Börsenaufsicht in Amerika den Startschuss für physisch replizierende Bitcoin-ETFs gab. Seitdem ist der Kurs auch anhaltend auf einem hohen Niveau. Die Anleger haben sich an Bitcoin gewöhnt und vertrauen der Kryptowährung augenscheinlich immer mehr.

Lesen Sie auch:

Trotz seiner hohen Volatilität wird sie gerne als „digitales Gold“ bezeichnet und als Wertspeicher propagiert. Dabei kann Bitcoin, anders als Gold, keine Jahrtausende lange Historie als Wertspeicher vorweisen. Die beliebteste und älteste Kryptowährung erblickte nämlich erst 2008 das Licht der Welt.

Nicht verkaufen

Wer sich mit Bitcoin auseinandersetzt und vielleicht selbst investiert, wird bald Folgendes bemerken: Auch bei extremen Kurssteigerungen von über 100 Prozent innerhalb weniger Monate möchte man nicht verkaufen. Das Wissen darum, dass es nie mehr als 21 Millionen Stück geben wird, führt dazu, dass man lieber die Coins behält, die man hat, als den Gewinn zu verkonsumieren. Bitcoin verhält sich nämlich auf lange Sicht wie eine deflationäre Währung. Man geht davon aus, dass 2140 der letzte Block gemined werden wird und somit zum letzten Mal ein neuer Bitcoin in Umlauf kommt.

Bitcoins sind digitales Gold

Gleichzeitig gehen auch immer Bitcoin verloren, hauptsächlich weil Leute ihre Zugangsdaten vergessen. So erklärt sich der Trend unter Bitcoin-Anlegern zu kaufen und zu halten.
Kritiker, wie der Multimilliardär Warren Buffet, bemängeln, dass es sich dabei um ein unproduktives Asset handele, also um einen Vermögenswert, der „nichts tut“. Man kann seine Coins behalten solange man möchte, sie gegen andere Zahlungsmittel umtauschen und tatsächlich kann man in manchen Geschäften schon Waren damit kaufen. Mehr „kann“ Bitcoin nicht. Trotzdem erfreut sich das „digitale Gold“ großer Beliebtheit und wird gerne gekauft. Vielleicht auch, weil es, wie Gold, ein Gefühl von Unabhängigkeit vermittelt.

Viele Weltuntergangspropheten propagieren beides als Absicherung gegen Krisen und gegen einen wirtschaftlichen Kollaps. Für eine durchschnittliche Krise oder einen normalen Börsencrash ist eine Absicherung in dieser Form nicht unbedingt notwendig. Wer beim Platzen der Dotcomblase, der Finanzkrise 2008 oder dem Corona-Börsencrash gut diversifiziert in Aktien investiert war, vielleicht sogar nachkaufte und geduldig abwartete, konnte auf lange Sicht gesehen als Gewinner aus der Sache herausgehen.

Nicht mehr wegzudenken

Wirklich interessant wird es, wenn man überlegt, wie sich verschiedene Vermögenswerte in Kriegssituationen verhalten könnten: Es fühlt sich wahrscheinlich keiner wohl bei dem Gedanken, mit Goldbarren in der Tasche aus einem Kriegsgebiet zu fliehen. Wie lange es wohl dauert, bis man ausgeraubt wird? Größere Mengen an Bargeld bergen dasselbe Problem. Ob man als Flüchtling im Ankunftsland Zugriff auf seine Bankdepots und -konten erhält, ist mehr als fraglich. Für dieses kleine Gedankenexperiment würde sich Bitcoin als Vermögenswert anbieten. Man lernt einfach die zwölf kleinen Sicherheitswörter auswendig, die einem Zugang zum eigenen Bitcoinbestand bieten. Wenn man wieder in Sicherheit ist, legt man sich ein neues Wallet zu, gibt die zwölf Worte ein und kann direkt wieder über sein Geld verfügen.

Wir sehen: Bitcoin ist gekommen, um zu bleiben und aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken.

Anm. der Redaktion: Die in dieser Kolumne geäußerten Gedanken und Meinungen stellen weder eine Anlageberatung noch eine Kaufempfehlung dar, sondern geben lediglich die persönliche Meinung der Autorin wieder. Für etwaige Verluste aufgrund der Umsetzung der in dieser Kolumne geäußerten Gedanken haften weder "Die Tagespost" noch die Johann Wilhelm Naumann GmbH.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Maja Maletzki Zeitenwende

Weitere Artikel

Die fortschreitende Digitalisierung hat die Finanzwelt in den letzten Jahren maßgeblich verändert. Insbesondere Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und viele andere haben sich zu einem ...
27.06.2023, 16 Uhr
Redaktion
Noch stehen hinter Christian Lindners Reformidee viele Fragezeichen.
03.02.2023, 05 Uhr
Heinrich Wullhorst

Kirche