Macht Bahn-Chefin Evelyn Palla das wahr, wovon Merzianer träumten, als ihr Kanzler an die Macht kam? Es sind jedenfalls ähnliche Startvoraussetzungen: Palla wie der Kanzler waren und sind mit Altlasten konfrontiert, die ihnen ihre Vorgänger hinterlassen haben. Und solange Merz noch Kandidat war, machte er den Eindruck, als hätte er den eisernen Besen schon bereitstehen, mit dem er auskehren will. Seit seinem Amtsantritt gibt er sich nun merklich zahmer, nicht zuletzt, weil er einsehen musste, dass der Regierungsbesen nicht vom Kanzler allein geführt wird. Der Koalitionspartner hat bei der Navigation auch ein Wörtchen mitzureden.
Und wie ist das in der Bahn-Zentrale? Auch Evelyn Palla ist natürlich klar, dass sie keine bloße Ein-Frau-Show abliefern kann. Aber das große Ziel bleibt: Sie wolle den Konzern vom Kopf auf die Füße stellen, erklärte die 53-jährige Südtirolerin jetzt, die seit Oktober letzten Jahres im Konzern die Weichen stellt. Geschickt hat sie gleichzeitig dem einfachen Bahn-Mitarbeiter ihre Referenz erwiesen.
Pallas Verbrüderung mit der Basis
Für sie seien die Zugbegleiter, die Servicekräfte im Bordbistro oder die Fahrkartenverkäufer die wahren Helden. Das wurde auch registriert: Lob gab es von den Gewerkschaften, selbst von den sonst so renitenten Lokführern von der GDL (dort organisieren sich mittlerweile aber auch die anderen Berufsgruppen bei der Bahn). Ordentlich Kritik hagelte es aber für das Management. Zur Lage dort stellte sie im Interview mit der „Welt am Sonntag“ fest: „Das war am Ende so etwas wie organisierte Verantwortungslosigkeit.“ Es habe an der notwendigen Leistungskultur in der Führungsetage gefehlt. Entsprechend will Palla nun umstrukturieren: Beim Management soll Geld eingespart werden. Verantwortung will Palla dezentralisieren, es soll mehr vor Ort entschieden werden, nicht von der Konzernzentrale aus.
Die Botschaft von Palla ist damit ziemlich deutlich. Gelingt es ihr mit dieser Kritik am Establishment, mit der gleichzeitigen Verbrüderung mit der Basis, mit einem Zug Populismus also, die Bahn auch wieder populär zu machen? Das ist durchaus ein großes Projekt. Denn in nichts sind sich die Deutschen so einig, wie in ihrer Klage über die Deutsche Bahn.
Deswegen sollte aber gerade auch Friedrich Merz aus den Augenwinkeln gut beobachten, was die Südtirolerin in Frankfurt macht. Vielleicht kann der Kanzler doch einiges für seine Berliner Aufgaben lernen. Populär ist schließlich – wie alle Umfragen belegen – seine Politik aktuell auch nicht. In gewisser Weise hat er zwar gerade mit der Kabinettsumbildung das Management ausgewechselt – aber ob Palla wirklich das Gleiche meint?
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