Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Bahn-Chefin im Porträt

Evelyn Palla mag es zügig

In nichts sind sich die Deutschen so einig, wie in ihrer Klage über die Deutsche Bahn. Die Bahn-Chefin will den Konzern vom Kopf auf die Füße stellen. Doch das ist ein großes Projekt.
Bahn-Chefin Evelyn Palla
Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur (www.imago-images.de) | Die Botschaft von Evelyn Palla ist deutlich: Gelingt es ihr mit dieser Kritik am Establishment, mit der gleichzeitigen Verbrüderung mit der Basis, mit einem Zug Populismus also, die Bahn auch wieder populär zu machen?

Macht Bahn-Chefin Evelyn Palla das wahr, wovon Merzianer träumten, als ihr Kanzler an die Macht kam? Es sind jedenfalls ähnliche Startvoraussetzungen: Palla wie der Kanzler waren und sind mit Altlasten konfrontiert, die ihnen ihre Vorgänger hinterlassen haben. Und solange Merz noch Kandidat war, machte er den Eindruck, als hätte er den eisernen Besen schon bereitstehen, mit dem er auskehren will. Seit seinem Amtsantritt gibt er sich nun merklich zahmer, nicht zuletzt, weil er einsehen musste, dass der Regierungsbesen nicht vom Kanzler allein geführt wird. Der Koalitionspartner hat bei der Navigation auch ein Wörtchen mitzureden.

Lesen Sie auch:

Und wie ist das in der Bahn-Zentrale? Auch Evelyn Palla ist natürlich klar, dass sie keine bloße Ein-Frau-Show abliefern kann. Aber das große Ziel bleibt: Sie wolle den Konzern vom Kopf auf die Füße stellen, erklärte die 53-jährige Südtirolerin jetzt, die seit Oktober letzten Jahres im Konzern die Weichen stellt. Geschickt hat sie gleichzeitig dem einfachen Bahn-Mitarbeiter ihre Referenz erwiesen.

Pallas Verbrüderung mit der Basis

Für sie seien die Zugbegleiter, die Servicekräfte im Bordbistro oder die Fahrkartenverkäufer die wahren Helden. Das wurde auch registriert: Lob gab es von den Gewerkschaften, selbst von den sonst so renitenten Lokführern von der GDL (dort organisieren sich mittlerweile aber auch die anderen Berufsgruppen bei der Bahn). Ordentlich Kritik hagelte es aber für das Management. Zur Lage dort stellte sie im Interview mit der „Welt am Sonntag“ fest: „Das war am Ende so etwas wie organisierte Verantwortungslosigkeit.“ Es habe an der notwendigen Leistungskultur in der Führungsetage gefehlt. Entsprechend will Palla nun umstrukturieren: Beim Management soll Geld eingespart werden. Verantwortung will Palla dezentralisieren, es soll mehr vor Ort entschieden werden, nicht von der Konzernzentrale aus.

Die Botschaft von Palla ist damit ziemlich deutlich. Gelingt es ihr mit dieser Kritik am Establishment, mit der gleichzeitigen Verbrüderung mit der Basis, mit einem Zug Populismus also, die Bahn auch wieder populär zu machen? Das ist durchaus ein großes Projekt. Denn in nichts sind sich die Deutschen so einig, wie in ihrer Klage über die Deutsche Bahn.

Deswegen sollte aber gerade auch Friedrich Merz aus den Augenwinkeln gut beobachten, was die Südtirolerin in Frankfurt macht. Vielleicht kann der Kanzler doch einiges für seine Berliner Aufgaben lernen. Populär ist schließlich – wie alle Umfragen belegen – seine Politik aktuell auch nicht. In gewisser Weise hat er zwar gerade mit der Kabinettsumbildung das Management ausgewechselt – aber ob Palla wirklich das Gleiche meint?

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Sebastian Sasse Portrait der Woche

Weitere Artikel

Schwester Katharina Ganz wird Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes. Die Personalie hat nicht nur eine pastorale, sondern auch eine kirchenpolitische Dimension.
15.07.2026, 21 Uhr
Benjamin Leven
Der NATO-Generalsekretär umwirbt den US-Präsidenten bis an die Grenzen der Selbstachtung. Ist er ein Kriecher oder einfach nur ein guter Politiker?
08.07.2026, 21 Uhr
Sebastian Sasse
Giorgia Meloni hat die Angriffe Trumps in einen moralischen Sieg umgemünzt. Der Versuch, sie international bloßzustellen, hat ihr im eigenen Land neuen Rückhalt verschafft.
25.06.2026, 11 Uhr
Guido Horst

Kirche

Das Fest der Verklärung des Herrn erinnert an den Moment, in dem drei Apostel die verborgene Herrlichkeit Christi schauten und verweist auf die Schönheit als Weg zu Gott.
06.08.2026, 04 Uhr
Dorothea Schmidt
Die neue Verfassung des Vatikanstaats berücksichtigt, dass eine Ordensfrau einer Kardinalskommission vorstehen und das Governatorat leiten kann.
05.08.2026, 10 Uhr
Guido Horst
Keine Messe, keine Beichte, keine Eheschließung bei den Piusbrüdern, empfiehlt der Münsteraner Bischof und DBK-Vorsitzende. Auch für die „alte Messe“ erlässt er Regeln.
04.08.2026, 14 Uhr
Meldung
Franz von Assisi und Carlo Acutis – auf den ersten Blick zwei unterschiedliche Heilige. Sie verbindet aber auch manches.
04.08.2026, 07 Uhr
Jonas Grüßem