Hans Maier

Er repräsentierte das katholische Deutschland der Nachkriegszeit

Heute wird Hans Maier 90 Jahre alt. Der katholische Intellektuelle ist einer der letzten Vertreter einer Generation, die die politische Kultur der Bonner Republik entscheidend prägten. Der Glaube war dabei mehr als nur Antriebsmotor.
Hans Maier wird 90 Jahre alt.
Foto: Erwin_Elsner (dpa) | Maier steht auch für die letzte starke Einflussphase des Politischen und Sozialen Katholizismus.

Hans Maier, der an diesem Freitag 90 Jahre alt wird, ist ein Repräsentant des katholischen Deutschlands der Nachkriegszeit. Viel wird in den Würdigungen der nächsten Tage über das beeindruckende Oeuvre des Hochschullehrers und CSU-Ministers zu lesen sein, des katholischen Intellektuellen, der das beständige Reflektieren über die res publica und die Frage nach dem Gemeinwohl zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat.

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Immunisiert vor den totalitären Versuchungen der Epoche

Maier ist aber auch einer der letzten Vertreter der Generation der sogenannten 45er. So nennt die Zeitgeschichtsforschung die Angehörigen jener Jahrgänge, die als Kinder und Jugendliche den  Zusammenbruch des NS-Regimes und das Ende des Weltkrieges erlebten, um dann schon ziemlich schnell das Neue, das nun entstand, entscheidend mitzuprägen. Die politische Kultur der „Bonner Republik“ ist vor allem ihr Werk. Maier steht dabei auch für die letzte starke Einflussphase des Politischen und Sozialen Katholizismus:  Der Glaube war bei ihm nicht nur der Antriebsmotor für sein politisches Engagement, eröffnete ihm die Welt des Geistes und damit den Weg in die Wissenschaft, er immunisierte Maier auch vor den totalitären Versuchungen seiner Epoche.

Dieser Ausgangspunkt ermöglichte es ihm, ganz eigene Antworten auf die Grundfrage seiner Generation zu geben: Was war aus der „deutschen Katastrophe“ zu lernen und wie war für alle Zukunft Vergleichbares zu verhindern? Der Politikprofessor stellte sich dieser Aufgabe mit seinen bahnbrechenden Untersuchungen über Politische Religionen als Zugang zu dem Phänomen des Totalitarismus genauso wie der langjährige bayerische Kultusminister, für den Bildung sich nie in Ausbildung erschöpfte, sondern immer auf Persönlichkeitsbildung abzielte. Verbunden war Maier in diesen Jahren auch dem Theologieprofessor Joseph Ratzinger, seinem Generationsgenossen. Sie teilten den Optimismus mit Blick auf das neue Staatswesen und die Hoffnung, dessen geistigen Überbau christlich imprägnieren zu können. 1972 gehörten sie zu den Mitgründern der internationalen katholischen Zeitschrift „Communio“.

Hans Maier steht aber auch repräsentativ für die Brüche, die das katholische Milieu erlebte – und auch das spiegelt sich im Verhältnis zu Ratzinger wider: In der Ur-Krise des Katholizismus in Deutschland, dem Konflikt um die Schwangerenkonfliktberatung Ende der 90er Jahre, standen der langjährige ZdK-Präsident und der Präfekt der Glaubenskongregation auf gegenüberliegenden Seiten. Hans Maier zählte zu den Initiatoren von „Donum vitae“. Die Wunden, die damals geschlagen wurden, wirken nach, bis in die aktuellen Auseinandersetzungen um den Synodalen Weg.

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Sebastian Sasse Hans Maier

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