Berlin

Eine unnötige "C"-Debatte

Die Union diskutierte, ob das "C" aus dem Parteinamen gestrichen werden soll. Nun hat Friedrich Merz ein Machtwort gesprochen.
Die CDU und die "C"-Debatte
Foto: Oliver Dietze (dpa) | Friedrich Merz hat ein Machtwort gesprochen, das vielen Mitgliedern aus der Seele spricht. Das ,C' bleibt.

Eigentlich liefert die Ampelregierung gerade für die Union die perfekte Angriffsfläche: Ob Gesellschafts- und Familienpolitik oder der Lebensschutz, die "Reform"-Pläne von Rot-Grün-Gelb gehen so weit wie bei keiner Bundesregierung zuvor. Sie markieren vor allem einen deutlichen Bruch mit den christlichen Vorstellungen von Gesellschaft und Familie. Doch was macht die Union? Sie schlägt sich mit einer Debatte herum, ob das "C" aus ihrem Namen gestrichen werden sollte.

Eine Grundsatzdebatte zur Unzeit

In einer parteiinternen Analyse der Niederlage bei der Bundestagswahl, die nur in Auszügen in einigen Medien zitiert worden ist, wurde die Frage aufgeworfen, ob das "C" im Namen Nicht-Christen abschrecken könne. Zudem hatte in der Analyse der Geschichtsprofessor Andreas Rödder die Diskussion darüber angeregt, inwieweit die Union inhaltlich in der Lage sei, den "C"-Anspruch auch einzulösen. Dadurch dass diese Analyse-Ansätze nur in Bruchstücken öffentlich gemacht wurden, war eine wirkliche Debatte der einzelnen Argumente kaum möglich.

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Doch die Medien berichteten und die Union hatte eine Grundsatzdiskussion auf dem Schreibtisch - zur Unzeit. Denn ihr bietet sich gerade jetzt eine Chance wie seit Jahren nicht mehr. Endlich hat sie die Möglichkeit als größte Oppositionspartei, den Gegenentwurf zu der Ampel-Agenda vom "C" her auszubuchstabieren. Mancher Beobachter wird sich angesichts der Diskussion wohl an den Werbeslogan eines Süßwarenherstellers aus den 1990ern erinnert haben: "Raider heißt jetzt Twix. Sonst ändert sich nix." Nur dass eine Partei eben kein Schokoladenriegel ist, sondern eine Gesinnungsgemeinschaft, deren Kern sich auch im Namen ausdrückt, der deswegen nicht beliebig verändert werden kann.

Bei der Parteibasis und den Stammwählern dürfte das Ganze denn auch einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Doch nun hat Friedrich Merz ein Machtwort gesprochen. Im Interview mit der "Bild am Sonntag" erklärte er, dass "C" stünde nicht zur Disposition. Das "C" gebe der Partei Orientierung, Halt und Demut. Er fügte hinzu: "Wir können auf dieser Welt eben immer nur die vorletzten Antworten geben. Das ,C' bleibt deshalb Bestandteil unseres Namens. Wir werden aber diskutieren, wie wir mit dem Bezug auf dieses ,C' noch mehr Überzeugungs- und Ausstrahlungskraft gewinnen können."

"Wir müssen das C mit Leben"

Ist damit unter die Diskussion ein Schlussstrich gezogen? "Debatten sind immer gut, hier ging es um eine Aussage in einem internen Papier, bei dem es durchaus spannendere Passagen gibt. Friedrich Merz hat da ein Machtwort gesprochen, das vielen Mitgliedern aus der Seele spricht. Das ,C' bleibt!", sagt Claudia Heber, Vorsitzende des Katholischen Arbeitskreises der CDU in Thüringen, gegenüber dieser Zeitung. Sie betont: "Aber wir müssen es mit Leben füllen! Wir brauchen feste Leitplanken, die uns teilweise abhanden gekommen sind. Deshalb ist die am Montag beschlossene Einsetzung einer Fachkommission, die eine ,Grundwertecharta' für die CDU erarbeiten soll, viel interessanter. Das ,C' muss nicht gestrichen, sondern muss sichtbarer werden! Nach meiner festen Überzeugung ist das der einzige Weg."

Ihr Kollege aus Niedersachsen, Mirco Weiß, der dort dem Katholischen Arbeitskreis vorsteht, erklärt, man habe die Rödder-Wahlanalyse irritiert zur Kenntnis genommen, begrüße umso mehr aber die Klarstellung durch Merz. "Nun müssen den Bekenntnissen der Parteiführung aber auch Taten folgen. Die Wähler merken, ob es sich bei CDU-Politikern um Sonntagschristen oder vom Evangelium erfüllte Menschen handelt. Wenn wir zum ,C  stehen, müssen wir jetzt viel kraftvoller für den Lebensschutz kämpfen", so Weiß weiter. Man dürfe ruhig den Mut haben und einräumen, "dass beispielsweise die ,Ehe für alle  ein Fehler war". Es gehe um Authentizität. Mit der Kommentierung innerkirchlicher Themen, wie Zölibat oder Weiheämter, sollte sich die Partei aber zurückhalten. "Das interessiert im Zweifel ohnehin niemanden, was wir als CDU darüber denken", so Weiß.

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