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Eine Frage der Sicherheit Europas

Putin intensiviert seinen Terrorkrieg gegen die Ukraine und setzt das spirituelle Herz der ostslawischen Orthodoxie in Brand. Kiews Hinwendung zur EU wird offiziell.
Das weltberühmte Kiewer Höhlenkloster, UNESCO-Weltkulturerbe
Foto: IMAGO/Oleksii Chumachenko (www.imago-images.de) | In der Nacht auf Montag setzten russische Drohnen das weltberühmte Kiewer Höhlenkloster, UNESCO-Weltkulturerbe und spiritueller Bezugspunkt für die Orthodoxie Osteuropas, in Brand.

Die Europäische Union ist wohl das einzige Imperium der Geschichte, das sich nicht nur völlig gewaltfrei ausdehnt, sondern bei dem beitrittswillige Staaten Schlange stehen und hohe Hürden nehmen, um aufgenommen zu werden. Seit Montag wird nun auch mit der Ukraine und der Republik Moldau verhandelt, was zunächst eine psychologisch wichtige Zeichenhandlung ist, mit der die EU unterstreicht, dass ihr Bekenntnis zu beiden Staaten dauerhaft und irreversibel ist. Während die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei seit Jahren auf Eis liegen – und wohl auch nicht mehr aufgetaut werden – und die Gespräche mit den südosteuropäischen Kandidaten nur schleppend vorankommen, zeigt Brüssel gegenüber der Ukraine viel Ambition. Am Montag wurden die Verhandlungskapitel über Werte und Grundsätze der EU, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie eröffnet.

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Zur gleichen Zeit zeigt der russische Präsident Wladimir Putin, was er von alledem hält: 2013 zwang er den damaligen Präsidenten der Ukraine, Viktor Janukowitsch, das Assoziierungsabkommen mit der EU abzulehnen, was eine Protestwelle, den „Euromaidan“, auslöste und zu Janukowitschs Flucht nach Russland führte. Jetzt überzieht Moskau die Ukraine mit massiven Drohnen- und Raketenattacken. In der Nacht auf Montag setzten russische Drohnen das weltberühmte Kiewer Höhlenkloster, UNESCO-Weltkulturerbe und spiritueller Bezugspunkt für die Orthodoxie Osteuropas, in Brand.

800 religiöse Gebäude durch russische Angriffe zerstört oder beschädigt

Die aus dem 11. Jahrhundert stammende Kathedrale der Entschlafung Mariens in der Klosteranlage wird von den Ukrainern, aber auch von orthodoxen Russen als Teil ihres religiösen und geschichtlichen Erbes betrachtet. 1941 wurde sie von der atheistischen Sowjetunion, der Putin nachtrauert, vorsätzlich gesprengt. Das Oberhaupt der Orthodoxen Kirche der Ukraine, Metropolit Epifanij, nannte den Anschlag auf das Höhlenkloster am Montag „ein weiteres russisches Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gegen die Geschichte, gegen das Christentum“.

Und weiter: „Was muss der Kreml-Antichrist noch tun, damit die Welt erkennt, dass ein entschlossenes Handeln notwendig ist, um dem russischen Terror gegen die Ukraine und die Grundprinzipien des Friedens ein Ende zu setzen?“ Der „Allukrainische Rat der Kirchen und Religionen“ wies am Montag in Kiew darauf hin, dass seit Beginn des Krieges rund 800 religiöse Gebäude von Christen, Muslimen und Juden in der Ukraine durch russische Angriffe ganz oder teilweise zerstört oder beschädigt wurden. Als „Angriff auf unsere Geschichte“ bezeichnete Präsident Wolodymyr Selenskyj den Anschlag, als er das Höhlenkloster am Montagvormittag besichtigte.

EU eröffnet Beitrittsverhandlungen mit Kiew

Während Russland in der Ukraine militärisch stagniert, jedoch mit Raketen und Drohnen der Zivilbevölkerung Terror und ihrer Infrastruktur Zerstörung bringt, eröffnet die EU die Beitrittsverhandlungen mit Kiew. Sie werden dem Land lange vor und sogar unabhängig von einem späteren EU-Beitritt helfen, denn zunächst geht es um den Kampf gegen Korruption und oligarchische Strukturen sowie um die Festigung von Justiz und Rechtsstaatlichkeit. Durch den seit 2014 in der Süd- und Ostukraine, seit 2022 landesweit tobenden Krieg sind Wirtschaft und Infrastruktur schwer geschädigt; von den 41 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche ist wegen Krieg und Verminung nur etwa die Hälfte nutzbar.

Der Wiederaufbau des Landes wird Jahre dauern, doch bringt die Ukraine auch Stärken in die EU-Verhandlungen mit: So verfügt das Land über 25 der 34 von Brüssel identifizierten kritischen Rohstoffe und wäre damit ein Schlüsselland für die strategische Autonomie der EU und ihre Unabhängigkeit von Importen aus Drittstaaten. Lernen wollen vor allem mitteleuropäische Staaten von der Ukraine in der Verteidigungspolitik, insbesondere bei Drohnenentwicklung, Luftabwehr und Cybersicherheit. Experten sehen die Ukraine mittlerweile als eine tragende Säule der künftigen europäischen Sicherheitsarchitektur.

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Stephan Baier Wladimir Wladimirowitsch Putin

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