Dallas

Ein Schaulaufen für Trump

Bei der CPAC-Konferenz mangelte es nicht an Trump-Republikanern, dafür fehlte aber jegliches Niveau. Vom Zustand der Partei offenbart dies ein trauriges Bild. Ein Kommentar.
Senator Ted Cruz
Foto: IMAGO/Zach D Roberts (www.imago-images.de) | Auf der Bühne fielen hämische Witze unter der Gürtellinie, dafür sorgte beispielsweise der texanische Senator Ted Cruz.

„Play it again, Sam“ – mit jenem Zitat aus dem Hollywood-Klassiker „Casablanca“ ließe sich Donald Trumps Auftritt bei der „CPAC“-Konferenz am ehesten betiteln. Was der ehemalige Präsident bei dem Schaulaufen rechtskonservativer Republikaner letzte Woche zum Besten gab, war die immer gleiche Platte: Kritik an Präsident Biden, dessen Wahlsieg ohnehin gestohlen sei, sowie Spott über Amerikas „woke“ Linke und deren schädliche Ideologie – allen voran bei den Themen Lebensschutz, Gender und „Cancel Culture“.

Interessant ist, wer nicht erscheint

Letztere sind Schlagworte, die massiv mobilisieren in der eigenen Blase. Und die bekam eine prominente Teilnehmerliste serviert: Neben Trump gaben sich in Dallas auch der texanische Senator Ted Cruz und Viktor Orbán die Klinke in die Hand. Mit seiner Pauschalkritik an der EU, Joe Biden und den Progressiven beiderseits des Atlantiks fügte sich Ungarns Regierungschef nahtlos in das sonstige Programm.
 

Lesen Sie auch:

In der Sache mag manche Kritik durchaus berechtigt sein. Diskreditiert wurde sie jedoch vom Niveau der Veranstaltung. Auf der Bühne fielen hämische Witze unter der Gürtellinie, an den Ständen im Saal konnte man Toilettenpapier mit dem Konterfei Hillary Clintons oder Nancy Pelosis erwerben. Aufschlussreich war daher, wer bei dem Gipfel nicht erschien. Beispielsweise Floridas Gouverneur Ron DeSantis, derzeit Trumps ärgster innerparteilicher Konkurrent. Oder die ehemalige UN-Botschafterin Nikki Haley. 

Bruch mit altgedienten republikanischen Idealen

Letztlich haben die Republikaner vor allem eines offenbart: Die hartgesottenen Trumpisten rücken nicht von ihrem Kurs ab, der einen Bruch mit altgedienten republikanischen Idealen darstellt. Dieser Kurs droht in einen Abgrund zu führen, von dem es nur ganz schwer ein Zurück gibt. Das CPAC-Publikum mochte Trump geschlossen hinter sich wissen. Es existiert jedoch auch eine Gegenbewegung zum Ex-Präsidenten, deren Anhänger insbesondere nach den Anhörungen zum Kapitolsturm Morgenluft wittern.

Ob er 2024 kandidieren wird, ließ Trump in Dallas abermals offen. Stattdessen beschränkte er sich auf die verheißungsvollen Worte: „Vielleicht müssen wir es nochmal tun.“ Na dann, spiel’s noch einmal, Sam. Die Republikaner werden sehen, wie weit sie damit kommen.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Maximilian Lutz Die Republikaner Donald Trump Hillary Clinton Joe Biden Nancy Pelosi Nikki Haley Rechtskonservative Ron DeSantis Viktor Orbán

Weitere Artikel

Alles deutet darauf hin, dass Donald Trump 2024 wieder antreten wird. Aber es gibt Konkurrenten. Ihr Erfolg wird auch davon abhängen, wie sehr sie die Politik des Ex-Präsidenten kopieren.
28.05.2022, 11 Uhr
Maximilian Lutz

Kirche

Die Attacken von Bischof Georg Bätzing auf Kardinal Kurt Koch sind Zeichen einer Feindseligkeit, die mit dem Synodalen Weg immer mehr um sich greift. Für Rom ist das eine Herausforderung.
06.10.2022, 09 Uhr
Guido Horst
Durch die emotionalisierte Insnzenierung von einem Opfer und einem Täter, der sich entschuldigen soll, wird ein notwendiger Disput im Keim erstickt: der über das Verständnis der Offenbarung.
05.10.2022, 18 Uhr
Dorothea Schmidt
Bischof Rudolf Voderholzer über den Synodalen Weg. Die Beratungen der Bischöfe in Fulda und der Ad-limina-Besuch in Rom im November bewegen die Gemüter.
05.10.2022, 17 Uhr
Regina Einig
Das Projekt des Erzbistum München und Freising hat den Anspruch „die Anliegen queerer Katholikinnen und Katholiken besser zu berücksichtigen sowie Austausch und Beratung für Menschen aus der ...
05.10.2022, 18 Uhr
Meldung