Budapest/Paris

Georg von Habsburg: Orban schickt dynamischen Habsburger nach Paris

Humorvoll, charmant, sympathisch: Georg von Habsburg, Enkel des letzten Königs von Ungarn, wird als ungarischer Botschafter nach Frankreich entsendet. Dabei handelt es sich um mehr als einen Prestigeposten.
Georg von Habsburg
Foto: Imago Images | Als Georg von Habsburg 1996 zu Ungarns Sonderbotschafter für den EU-Beitritt ernannt wurde, war dies wohl auch ein wenig ungarische Hommage an seinen großen Vater Otto von Habsburg.

Es gibt wenige Menschen, die ihn nicht auf Anhieb charmant und sympathisch finden. Georg von Habsburg lacht gerne und bringt andere leicht zum Lachen, kann in vielen Sprachen zu vielen Themen klug und locker parlieren, hat ein gewinnendes Wesen. Ein Sympathieträger und geborener Diplomat. Das hat nun auch Viktor Orbán erkannt, der den 1964 in Starnberg geborenen Enkel des letzten Königs von Ungarn, des seligen Kaisers Karl, nun als ungarischen Botschafter nach Frankreich entsendet.

Ein charmanter Eisbrecher

Lesen Sie auch:

Dabei handelt es sich keineswegs um einen reinen Prestigeposten, wo sich Ungarn risikofrei mit einem geschichtsträchtigen Namen schmücken könnte. Gerade weil zwischen Macron und Orbán starke Kontraste herrschen und die französische Medienlandschaft die Politik Ungarns betont kritisch begleitet, ist ein charmanter Eisbrecher vom Format „Habsburg György“ eine strategisch kluge Wahl. Perfekt Französisch sprechen viele, aber wer vereint in seiner Herkunft schon Habsburger und Bourbonen – und somit ein großes wie buntes Erbe europäischer Geschichte?

Als Georg von Habsburg 1996 zu Ungarns Sonderbotschafter für den EU-Beitritt ernannt wurde, war dies wohl auch ein wenig ungarische Hommage an seinen großen Vater Otto von Habsburg. Zwischenzeitlich hat der österreichisch-ungarische Doppelstaatsbürger in Ungarn als Medienmanager, Präsident des Roten Kreuzes und Netzwerker für das Olympische Komitee nicht nur einen klingenden Namen, sondern auch hohe Popularität. Bei der Anhörung im Außenpolitischen Ausschuss des ungarischen Parlaments votierten alle Abgeordneten aller Parteien dafür, den dynamischen Habsburger als Botschafter nach Paris zu senden.

Frankreich in der EU von eminenter Bedeutung

Die diplomatische und politische Tragweite seiner neuen Aufgabe beschreibt Georg von Habsburg im Gespräch mit der „Tagespost“ so: „Frankreich ist in der Europäischen Union von eminenter Bedeutung, weil es – zumal nach dem Brexit – als Atommacht und Mitglied des UN-Sicherheitsrats das weltpolitische Gewicht Europas repräsentiert. Wer an der außenpolitischen Stärkung der EU interessiert ist, kommt an Paris nicht vorbei. Ungarns Regierung will ein Europa, das nach außen stark und einig, nach innen vielfältig und tolerant agiert. Dieser Haltung will ich in Paris Gewicht verleihen und die historischen Erfahrungen Ungarns übersetzen.“ Sein familiärer Hintergrund komme ihm dabei nur zugute: „Ich habe habsburgische und – über meine Großmutter, Kaiserin Zita – bourbonische Wurzeln, darum bin ich fast überall in Europa zuhause. In Frankreich auf jeden Fall!“

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Der Karlspreis der Sudetendeutschen geht heuer an den tschechischen Theologen und Politiker Daniel Herman.
16.07.2021, 19  Uhr
Stephan Baier
Das Oberhaupt der kaiserlichen Familie Österreichs wird 60: Karl von Habsburg ist mehr als Ottos Sohn und Kaiser Karls Enkel.
11.01.2021, 11  Uhr
Stephan Baier
Themen & Autoren
Stephan Baier Haus Habsburg

Kirche

Kardinal Kurt Koch weist den Vorwurf von Bischof Georg Bätzing zurück, er habe den Synodalen Weg mit einem Nazi-Vergleich heftig kritisiert. Die Stellungnahme im Wortlaut.
29.09.2022, 20 Uhr
Kurt Kardinal Koch
Der Vorsitzende der deutschen Bischöfe fordert vom Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates eine „umgehende Entschuldigung“ für kritische Interviewäußerung.
29.09.2022, 15 Uhr
Meldung
Warum gibt es den Absolutheitsanspruch des Dogmas? Sind Lehre und Tradition in der Orthodoxie ein Gegensatz – oder vielmehr eine Notwendigkeit?
01.10.2022, 05 Uhr
Stefanos Athanasiou
...theologisch überfrachtet. Zum Orientierungstext des Synodalen Weges: Wie der Dekonstruktivismus feierlich in die katholische Kirche einzieht.
30.09.2022, 21 Uhr
Ludger Schwienhorst-Schönberger